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Das Burk,MvAllL
Heft21 IlluBertessamiiienMtung . is2.


Das erste Seebad.

ist doch auch eine glänzende Partie. Worauf willst du eigent-
lich noch warten, wenn dir nicht einmal der künftige Chef des
Bankhauses Klemens Reinhardt gut genug ist?"
„Und der Graf?"
„Den läßt du schießen. Er endet ja doch im Narrenhause."
„Wie unfreundlich! Dietramszell ist gar nicht so dumm, wie
er aussieht, und einen bequemeren, gefügigeren Mann als ihn
fände ich nie."
„Darauf kommt es jetzt nicht an. Du kannst dir ja den Herrn
_ _ Wolfgang nach deinen
Wünschen erziehen.
Also diesmal keine
Starlaunen, Julie!
Beimir zieht das nicht.
Wo ich Gehorsam ver-
lange, muß nran mir
auch gehorchen."
Sie trat lächelnd
zu ihm heran und reckte
sich auf den Fußspitzen
empor, so daß sie dem
Riesendochwenigstens
bis an die Schulter
reichte.
„So solltest du mir
eigentlich nicht kom-
men, Papa! Sehe ich
aus wie ein Kindchen,
das man mit der Rute
schrecken kann? Aber
ich will dir etwas ins
Ohr sagen: Ja, Wolf-
gang Reinhardt soll
morgen noch um mich
anhalten. Nicht weil
du es befiehlst, son-
dern weil ich ihn liebe."
„Alle Wetter, Mä-
del — warum hast du
das nicht gleich gesagt?"
„Weil man Her-
zensgeheimnisse nicht
ausplaudert. Jetzt aber
mögt ihr es wissen: er
ist der erste Mann,
den ich wirklich liebe."
„Sehr schön! Ob
er auch der letzte sein
wird, ist mir höchst
gleichgültig. Ich gebe
euch im voraus meinen
väterlichen Segen."
„Ohne den wir es
allerdings nicht wagen
würden, uns zu ver-
loben," lachte sie. „Du
hast doch immer einen
Scherz in Bereitschaft,
Papa! — Und mm
geh, denn ich will meine
Melusinenhaut wie-
der ablegen."

Almrausch.
Roman von Reinhold Ortmann.
(Fortsetzung.)
ch möchte über dein Verhältnis zu Reinhardt ein ernstes
Wort'mit dir reden, Julie," sagte Papa Steiner. „Du
- !mKßt, ich kümmere mich im allgemeinen nicht um deine
Flirts oder wie man das jetzt sonst nennt. Diesmal aber gebt
es um meine geschäft¬
lichen Interessen. Und
da verstehe ich keinen
Spaß. Ich muß wissen,
wie du mit diesem
Reinhardt stehst."
„Sehr gut, Papa!
Er liebt mich rasend."
„Und du?"
Lia zog die weißen
Schulternin die Höhe.
„Ich? O, ich habe
ihn recht gern."
„Das ist keine Ant¬
wort. Denn dasselbe
könntest du mir wahr¬
scheinlich von einem
Dutzend anderer auch
sagen. Wenn er dir
einen Antrag machte
— würdest du ihn
nehmen?"
„Vielleicht. Wer
kann das schon im vor¬
aus sagen!"
„Ich möchte aber,
daß du ihn nimmst.
Verstehst du? Es ist
notwendig."
„Ich weiß ja noch
gar nicht, ob er>s in
diesem Sinne wirklich
ernst meint. Verliebt
sein und heiraten sind
bei den jungen Herren
von heute zwei sehr
verschiedene Dinge."
„Dumußt ihn eben
dahin bringen. Und
ich weiß, daß du es
kannst. Kommt er mor¬
gen auf unser Fest?"
„Ich möchte ihm
nicht raten, wegzu¬
bleiben. Und er bleibt
auch nicht weg. Mor¬
gen schon gar nicht.
Denn ich habe ihm ge¬
sagt, daß ich mich sehr¬
schön machen werde."
„Dann sieh zu, daß
du morgen mit ihm
ins reine kommst. Er
rr. i9Li.
 
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