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DasBuchsürAlle
Heft 11
Steigerung der Getreideernte mit Hilfe
der Elektrizität. Von H. Lustig.
ine der wichtigsten Voraussetzungen für die freilich nur
allmählich mögliche Überwindung der gegenwärtigen Not-
lage wäre die Steigerung der einheimischen, in erster
Linie auch der landwirtschaftlichen Produktion. Eine beachtens-
werte Aussicht, diesem erstrebenswerten Ziele näher zu kommen,
eröffnet sich durch die überraschenden Ergebnisse, die von der
englischen Landwirtschaft während der Kriegsjahre durch Zu-
hilfenahme der Elektrizität bekannt geworden sind. Schon vor
etwa dreißig Jahren hat der schwedische Gelehrte Professor
Lemström auf Grund von Beobachtungen, die er auf einer
Polarreise machte, Versuche angestellt, durch Elektrizität auf die
Entwicklung von Pflanzen einzuwirken. Aus der Tatsache näm-
lich, daß die atmosphärische Elektrizität des höchsten Nordens,
mit der auch die Erscheinung des Nordlichtes zusammenhängt,
ungleich stärker ist als in unseren Breitengraden, schloß dieser
Forscher, daß wohl darin der Grund für die wesentlich schnellere
Wachstumsentwicklung in diesen Gegenden läge. Die Nichtig-
keit seiner Annahme wurde durch das Ergebnis seiner daraufhin
angestellten Experimente bestätigt. Er spannte zunächst über
einige in Töpfe gepflanzte Blumen ein Netz aus, das von einer
Influenzmaschine elektrisch geladen wurde. Bei den so behan-
delten Pflanzen wurde ein beschleunigtes Wachstum festgestellt.
Nun dehnte er seine Versuche auf das freie Feld aus und erzielte
in verschiedenen Fällen eine Verdoppelung des Ernteertrages.
In England, wo man Lemströms erstaunliche Erfolge mit wachsen-
dem Interesse verfolgt hatte, ging man vor mehreren Jahren
dazu über, hochgespannte Wechselströme, die durch Gleichrichtung
in Gleichstrom verwandelt wurden, anzuwenden. Es stellte sich
heraus, daß es keines die ganze Fläche überspannenden Netzes
bedurfte, daß vielmehr dünne Drähte, einfach in Abständen von
etwa elf Meter an Holzstangen und in Höhe von fünf Meter-
gezogen, durchaus genügen. Für hundert Hektar braucht man
etwa hundert Stangen. Die Drahtleitung wurde am Erdboden
isoliert und ihr Gleichstrom in 60 000 bis 100 000 Volt Spannung,
aber von geringerer Stromstärke zugeführt. Die Ergebnisse
wurden immer befriediaender. Zur Erzeugung des Stromes
bedient man sich eines Ölmotors, wie er auch bei uns zum An-
trieb kleinerer landwirtschaftlicher Maschinen Verwendung findet,
und läßt ihn eine kleine Dynamomaschine antreiben. Durch
besondere Vorrichtungen wird der somit erzeugte Gleichstrom
in hochgespannten Wechselstrom und dieser wieder durch zahl-
reichen Wechsel in hochgespannten Gleichstrom umgewandelt.
Die Apparate nehmen nur wenig Platz ein, und die nötigen
Umschalter sind auf einer mannshohen Schalttafel vereinigt. —
Auf diese Weise kommt eine hohe Wärmeentwicklung, aber auch
eine chemische Beeinflussung zustande, über die Klarheit zu
schaffen es noch weiterer wissenschaftlicher Forschungen bedürfen
wird. Daß die Nahrungsaufnahme der Pflanze durch elektrische
Einflüsse eine erhebliche Steigerung erfährt, ist jedenfalls ein-
wandfrei erwiesen. In Amerika machte man auch Versuche
mit Begießungen elektrisch behandelten Wassers, die sich aber
im Gegensatz zu den elektrischen Bestrahlungen nicht bewährten.
Eine kürzlich von dem englischen Landwirtschaftsministerium
veröffentlichte Denkschrift gibt einen klaren Überblick über die
in England erreichten Erfolge. Danach konnte zum Beispiel das
Wachstum des Haserkornes mit Hilfe der Elektrizität eine Stei-
gerung um 49 Prozent, die des Haferstrohs sogar bis zu 88 Pro-
zent erfahren. Auch bei Weizen und Gerste, Nüben und Kartoffeln
sowie bei Eartenfrüchten, Tomaten, Erdbeeren usw., wurden mit
dem elektrischen Verfahren, wenn auch bei den einzelnen Arten
in verschiedenen Graden, außerordentlich befriedigende Ertrags-
erhöhnngen erzielt. Die elektrisch bestrahlten Pflanzen waren
kräftiger und größer, meist auch von dunklerer Farbe als auf
gleichem Boden ohne solche Behandlung gewachsene Pflanzen
derselben Art. Die Herstellungskosten waren gering und betrugen
für Felder von etwa fünfzig Hektar für jedes Hektar nur fünfzig
Pfennig, während der durchschnittliche Mehrgewinn auf 1,12 für
die gleiche Feldflüche stieg. Bei ausgedehnteren Bezirken ist das
Verhältnis zwischen Kosten und Mehrertrag noch viel günstiger.
Man darf nun wohl hoffen, daß auch die deutsche Landwirt-
schaft sich die Entdeckung des schwedischen Forschers und die
seither gemachten Erfahrungen zunutze machen wird. Voraus-
setzung für eine allgemeine Verwertung in größtem Umfang
würde freilich sein, daß die Erzeugung der Elektrizität für die
Landbezirke, statt auf zunehmende Behinderungen zu stoßen, in
weit größerem Maßstab als bisher ermöglicht würde.
Zu unseren Bildern
/X Neuglose Llußer in einem inoyusen Eeinpet (S. 164). — Alles
Leben ist Leiden nach der Aufsagung der Inder. So hoffnungslos ver-
strickt in den Bann der ewigen Wiederkehr des Leidens erscheint dein An-
hänger der brahmanischen Religion das Dasein, daß er in der quälenden
Furcht vor einer Fortsetzung des Lebens nach dem Tod, in Angst vor
Seelenwanderung dahinlebt. Sein Wille wird gelähmt von dem schreck-
lichen Gedanken, daß die Seele nicht zur Ruhe kommen könne, weil sie
in einem neuen Leben die Verschuldungen des alten büßen müsse, und daß
diese Kette der Wiedergeburten unendlich sei. Erlösung von diesem Ver-
hängnis ist das Ziel aller seiner Sehnsucht, und möglich ist sie nur durch
völliges Ausgeben des eigenen Seins, ein Aufgehen in der Gottheit durch
tiefes Nachsinnen und selbstauferlegte Büßerpein. Abtötung des Fleisches
bis zur Stumpfheit selbst gegen grausamste Mißhandlung gilt als er-
strebenswertes Verdienst. Schon Alexander der Große fand dieses Büßer-
tum in den Niederungen des Pandschabs vor, und dieser lebensscheue Eifer
ist trotz alleu sonstigen Wandlungen ein wesentliches Stück der indischen
Religionen geblieben durch die Jahrhunderte hindurch. Was diese Aszeten
in ihren: fanatischen Verlangen nach Erlösung vom Leidensverhängnis des
Lebens erdulden, ist für den Europäer unfaßlich. Mag auch manche un-
lautere Vortäuschung die Bewunderung nicht verdienen, die man den
sonderbaren Heiligen zollt— mit den.mohammedanischen Fakiren dürfen
die indischen Büßer nicht verwechselt werden. Manche der letzteren lassen
sich an einem Gestell aus vier Stangen, den Kopf nach unten hängend,
auf mehrere Stunden an der: Füßen aufknüpfen, andere halten die Hand
zur Faust geballt so lange geschlossen, bis sie gebrauchsunfähig wird. Wieder
andere legen sich mit dem nackten Körper aus ein Lager mit spitzen Nägeln
oder schreiten barfuß über ein mit aufrechtstehenden Stacheln besätes
Brett in den Tempel. Daß freilich äußeres Gebaren noch längst nicht
Wesensänderung verbürgt, daß das Büßerkleid noch kein unfehlbares
Mittel zur Vollendung ist, bleibt auch den Hindus nicht verborgen.
/x Die riettung des üapltols (S. 16b). — Die Geschichte der ersten
Jahrhunderte der römischen Republik ist eine Kette heroischer Kämpfe
gegen äußere und innere Feinde gewesen, die das funge Staatswesen
bedrohten. Die Überlieferungen aus jener Zeit sind von sagenhaften Aus-
schmückungen so überwuchert, daß es für die spätere Forschung schwer war,
die wirklichen Vorgänge zu ermitteln und das Zweifelhafte auszusondern.
Gewiß ist, daß Rom durch die Gallier bei ihrem ersten Einfall in Mittel-
italien im Jahre 390 v. Ehr. fast ganz in Asche gelegt wurde, und daß
nur auf der Burg, dein „Kapitol", ein Rest der Bevölkerung, der sich vor
der Grausamkeit der gallischen Sieger in dies Nationalheiligtum geflüchtet
hatte, dem belagernden Feind Trotz bieten konnte. Der Sage nach sollen
versprengte Teile der römischen Mannschaften sich in dem unweit ge-
legenen Veji gesammelt und zu einem Sturm zur Befreiung der im
Kapitol eingeschlossenen Volksgenossen gerüstet haben. Da jedoch zuvor
das Einverständnis der Senatoren, soweit sie noch am Leben waren,
eingeholt werden mußte, stahl sich ein mutiger Bote, Pontius Lominius,
auf verstecktem Pfad durch bis auf die fünfhundertMeter steil sich erhebende
Burg. Seine Fußtapsen seien aber entdeckt worden, und die Gallier
hätten, aus dein gleichen Weg sich heranschleichend, nachts einen Überfall
gemacht, der den Belagerten zum Verderben geworden wäre, wenn nicht
die Gänse, die für den Opferdienst im Tempel der Juno aufgezogen wurden,
durch ihr lautes Schreien den Anschlag verraten und das Kapitol gerettet
hätten. Die Heraufsteigenden seien in die Tiefe geschleudert worden.
Erst nach mehrmonatiger weiterer Belagerung waren die Belagerten
wie die Belagerer so erschöpft, daß ein Vergleich zustande kam. Gegen
Zahlung von tausend Pfund Gold willigte der Anführer der Gallier,
Brennus, ein, abzuziehen. Mag auch den Günsen auf dem Kapitol die
Ehre, die Besatzung gerettet zu haben, nicht zukommen, so hat die Sage doch
insofern recht, als dies meist als dumm übel beleumdete Vogelgeschlecht zu
den wachsamstenTieren gehört und sich klug gegen Feinde zu sichernversteht.
DasBuchsürAlle
Heft 11
Steigerung der Getreideernte mit Hilfe
der Elektrizität. Von H. Lustig.
ine der wichtigsten Voraussetzungen für die freilich nur
allmählich mögliche Überwindung der gegenwärtigen Not-
lage wäre die Steigerung der einheimischen, in erster
Linie auch der landwirtschaftlichen Produktion. Eine beachtens-
werte Aussicht, diesem erstrebenswerten Ziele näher zu kommen,
eröffnet sich durch die überraschenden Ergebnisse, die von der
englischen Landwirtschaft während der Kriegsjahre durch Zu-
hilfenahme der Elektrizität bekannt geworden sind. Schon vor
etwa dreißig Jahren hat der schwedische Gelehrte Professor
Lemström auf Grund von Beobachtungen, die er auf einer
Polarreise machte, Versuche angestellt, durch Elektrizität auf die
Entwicklung von Pflanzen einzuwirken. Aus der Tatsache näm-
lich, daß die atmosphärische Elektrizität des höchsten Nordens,
mit der auch die Erscheinung des Nordlichtes zusammenhängt,
ungleich stärker ist als in unseren Breitengraden, schloß dieser
Forscher, daß wohl darin der Grund für die wesentlich schnellere
Wachstumsentwicklung in diesen Gegenden läge. Die Nichtig-
keit seiner Annahme wurde durch das Ergebnis seiner daraufhin
angestellten Experimente bestätigt. Er spannte zunächst über
einige in Töpfe gepflanzte Blumen ein Netz aus, das von einer
Influenzmaschine elektrisch geladen wurde. Bei den so behan-
delten Pflanzen wurde ein beschleunigtes Wachstum festgestellt.
Nun dehnte er seine Versuche auf das freie Feld aus und erzielte
in verschiedenen Fällen eine Verdoppelung des Ernteertrages.
In England, wo man Lemströms erstaunliche Erfolge mit wachsen-
dem Interesse verfolgt hatte, ging man vor mehreren Jahren
dazu über, hochgespannte Wechselströme, die durch Gleichrichtung
in Gleichstrom verwandelt wurden, anzuwenden. Es stellte sich
heraus, daß es keines die ganze Fläche überspannenden Netzes
bedurfte, daß vielmehr dünne Drähte, einfach in Abständen von
etwa elf Meter an Holzstangen und in Höhe von fünf Meter-
gezogen, durchaus genügen. Für hundert Hektar braucht man
etwa hundert Stangen. Die Drahtleitung wurde am Erdboden
isoliert und ihr Gleichstrom in 60 000 bis 100 000 Volt Spannung,
aber von geringerer Stromstärke zugeführt. Die Ergebnisse
wurden immer befriediaender. Zur Erzeugung des Stromes
bedient man sich eines Ölmotors, wie er auch bei uns zum An-
trieb kleinerer landwirtschaftlicher Maschinen Verwendung findet,
und läßt ihn eine kleine Dynamomaschine antreiben. Durch
besondere Vorrichtungen wird der somit erzeugte Gleichstrom
in hochgespannten Wechselstrom und dieser wieder durch zahl-
reichen Wechsel in hochgespannten Gleichstrom umgewandelt.
Die Apparate nehmen nur wenig Platz ein, und die nötigen
Umschalter sind auf einer mannshohen Schalttafel vereinigt. —
Auf diese Weise kommt eine hohe Wärmeentwicklung, aber auch
eine chemische Beeinflussung zustande, über die Klarheit zu
schaffen es noch weiterer wissenschaftlicher Forschungen bedürfen
wird. Daß die Nahrungsaufnahme der Pflanze durch elektrische
Einflüsse eine erhebliche Steigerung erfährt, ist jedenfalls ein-
wandfrei erwiesen. In Amerika machte man auch Versuche
mit Begießungen elektrisch behandelten Wassers, die sich aber
im Gegensatz zu den elektrischen Bestrahlungen nicht bewährten.
Eine kürzlich von dem englischen Landwirtschaftsministerium
veröffentlichte Denkschrift gibt einen klaren Überblick über die
in England erreichten Erfolge. Danach konnte zum Beispiel das
Wachstum des Haserkornes mit Hilfe der Elektrizität eine Stei-
gerung um 49 Prozent, die des Haferstrohs sogar bis zu 88 Pro-
zent erfahren. Auch bei Weizen und Gerste, Nüben und Kartoffeln
sowie bei Eartenfrüchten, Tomaten, Erdbeeren usw., wurden mit
dem elektrischen Verfahren, wenn auch bei den einzelnen Arten
in verschiedenen Graden, außerordentlich befriedigende Ertrags-
erhöhnngen erzielt. Die elektrisch bestrahlten Pflanzen waren
kräftiger und größer, meist auch von dunklerer Farbe als auf
gleichem Boden ohne solche Behandlung gewachsene Pflanzen
derselben Art. Die Herstellungskosten waren gering und betrugen
für Felder von etwa fünfzig Hektar für jedes Hektar nur fünfzig
Pfennig, während der durchschnittliche Mehrgewinn auf 1,12 für
die gleiche Feldflüche stieg. Bei ausgedehnteren Bezirken ist das
Verhältnis zwischen Kosten und Mehrertrag noch viel günstiger.
Man darf nun wohl hoffen, daß auch die deutsche Landwirt-
schaft sich die Entdeckung des schwedischen Forschers und die
seither gemachten Erfahrungen zunutze machen wird. Voraus-
setzung für eine allgemeine Verwertung in größtem Umfang
würde freilich sein, daß die Erzeugung der Elektrizität für die
Landbezirke, statt auf zunehmende Behinderungen zu stoßen, in
weit größerem Maßstab als bisher ermöglicht würde.
Zu unseren Bildern
/X Neuglose Llußer in einem inoyusen Eeinpet (S. 164). — Alles
Leben ist Leiden nach der Aufsagung der Inder. So hoffnungslos ver-
strickt in den Bann der ewigen Wiederkehr des Leidens erscheint dein An-
hänger der brahmanischen Religion das Dasein, daß er in der quälenden
Furcht vor einer Fortsetzung des Lebens nach dem Tod, in Angst vor
Seelenwanderung dahinlebt. Sein Wille wird gelähmt von dem schreck-
lichen Gedanken, daß die Seele nicht zur Ruhe kommen könne, weil sie
in einem neuen Leben die Verschuldungen des alten büßen müsse, und daß
diese Kette der Wiedergeburten unendlich sei. Erlösung von diesem Ver-
hängnis ist das Ziel aller seiner Sehnsucht, und möglich ist sie nur durch
völliges Ausgeben des eigenen Seins, ein Aufgehen in der Gottheit durch
tiefes Nachsinnen und selbstauferlegte Büßerpein. Abtötung des Fleisches
bis zur Stumpfheit selbst gegen grausamste Mißhandlung gilt als er-
strebenswertes Verdienst. Schon Alexander der Große fand dieses Büßer-
tum in den Niederungen des Pandschabs vor, und dieser lebensscheue Eifer
ist trotz alleu sonstigen Wandlungen ein wesentliches Stück der indischen
Religionen geblieben durch die Jahrhunderte hindurch. Was diese Aszeten
in ihren: fanatischen Verlangen nach Erlösung vom Leidensverhängnis des
Lebens erdulden, ist für den Europäer unfaßlich. Mag auch manche un-
lautere Vortäuschung die Bewunderung nicht verdienen, die man den
sonderbaren Heiligen zollt— mit den.mohammedanischen Fakiren dürfen
die indischen Büßer nicht verwechselt werden. Manche der letzteren lassen
sich an einem Gestell aus vier Stangen, den Kopf nach unten hängend,
auf mehrere Stunden an der: Füßen aufknüpfen, andere halten die Hand
zur Faust geballt so lange geschlossen, bis sie gebrauchsunfähig wird. Wieder
andere legen sich mit dem nackten Körper aus ein Lager mit spitzen Nägeln
oder schreiten barfuß über ein mit aufrechtstehenden Stacheln besätes
Brett in den Tempel. Daß freilich äußeres Gebaren noch längst nicht
Wesensänderung verbürgt, daß das Büßerkleid noch kein unfehlbares
Mittel zur Vollendung ist, bleibt auch den Hindus nicht verborgen.
/x Die riettung des üapltols (S. 16b). — Die Geschichte der ersten
Jahrhunderte der römischen Republik ist eine Kette heroischer Kämpfe
gegen äußere und innere Feinde gewesen, die das funge Staatswesen
bedrohten. Die Überlieferungen aus jener Zeit sind von sagenhaften Aus-
schmückungen so überwuchert, daß es für die spätere Forschung schwer war,
die wirklichen Vorgänge zu ermitteln und das Zweifelhafte auszusondern.
Gewiß ist, daß Rom durch die Gallier bei ihrem ersten Einfall in Mittel-
italien im Jahre 390 v. Ehr. fast ganz in Asche gelegt wurde, und daß
nur auf der Burg, dein „Kapitol", ein Rest der Bevölkerung, der sich vor
der Grausamkeit der gallischen Sieger in dies Nationalheiligtum geflüchtet
hatte, dem belagernden Feind Trotz bieten konnte. Der Sage nach sollen
versprengte Teile der römischen Mannschaften sich in dem unweit ge-
legenen Veji gesammelt und zu einem Sturm zur Befreiung der im
Kapitol eingeschlossenen Volksgenossen gerüstet haben. Da jedoch zuvor
das Einverständnis der Senatoren, soweit sie noch am Leben waren,
eingeholt werden mußte, stahl sich ein mutiger Bote, Pontius Lominius,
auf verstecktem Pfad durch bis auf die fünfhundertMeter steil sich erhebende
Burg. Seine Fußtapsen seien aber entdeckt worden, und die Gallier
hätten, aus dein gleichen Weg sich heranschleichend, nachts einen Überfall
gemacht, der den Belagerten zum Verderben geworden wäre, wenn nicht
die Gänse, die für den Opferdienst im Tempel der Juno aufgezogen wurden,
durch ihr lautes Schreien den Anschlag verraten und das Kapitol gerettet
hätten. Die Heraufsteigenden seien in die Tiefe geschleudert worden.
Erst nach mehrmonatiger weiterer Belagerung waren die Belagerten
wie die Belagerer so erschöpft, daß ein Vergleich zustande kam. Gegen
Zahlung von tausend Pfund Gold willigte der Anführer der Gallier,
Brennus, ein, abzuziehen. Mag auch den Günsen auf dem Kapitol die
Ehre, die Besatzung gerettet zu haben, nicht zukommen, so hat die Sage doch
insofern recht, als dies meist als dumm übel beleumdete Vogelgeschlecht zu
den wachsamstenTieren gehört und sich klug gegen Feinde zu sichernversteht.