Zeitschrift des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins zu München: Monatshefte für d. gesammte dekorative Kunst — 1894

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Vertieftes Email auf Silber; auf dem Schreibzeug von Lans Lencker (Dbertheil).

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J^urj hintereinander bin ich von drei verschiedenen
Seiten um biographische Daten über die Gold
schntiede Lencker angegangeit worden, Ich habe
nicht gesäumt, die mir bekannten Thatsachen
mitzutheilen, fand aber bald, das; dieselben mit den in der
gedruckten Litteratur niedergelegten Nachrichten nicht über-
einstimmten. Das war der Anlaß, die Sache etwas ein-
gehender zu untersuchen. (Es. hat sich dabei herausgestellt,
daß die größte Verwirrung über diese weitverzweigte Familie
herrschte, deren Mitgliedern fast ein Jahrhundert lang die
Führerrolle uitter den Nürnberger, wie unter den Augs-
burger Goldschmieden zugefallen ist, daß die Augsburger
mit den Nürnberger Meistern stets verwechselt werden, daß
die älteren und jüngeren Mitglieder, welche die gleichen
Vornamen tragen, noch nicht deutlich von einander geschieden
sind, und daß man über die ihnen zuzuschreibenden Arbeiten
iin Dunkeln tappt. Deßhalb konnte auch bisher kein richtiges
Bild von ihrer künstlerischen Bedeutung gewonnen werden.

Es würde den Leser ermüden, wollten wir vor seinen
Augen die nothwendigen Feststellungen für die ganze Lippe
vornehmen, wir beschränken uns daher auf den Stammvater
Jans Lencker von Nürnberg, uin an diesen; einen Beispiele
zu zeigen, welche Arbeit noch zu thun ist.

Unter den falschen, über diesen Meister coursirenden
Angaben müssen wir, da wir das künstlerische Interesse
obenan stellen, zunächst Diejenigen kennzeichnen, welche ihm
eine Marke zuschreiben, die er niemals geführt hat. Mit
dieser Marke in Jänden hat man ja versucht, Qualität und
Urnfang seiner Thätigkeit zu bestimmen. Iier ist nun so
ziemlich alles, was in unseren großen und kleinen Nach-
schlagebüchern steht, zu verwerfen. Mas Graeffe in feinem
6uiäe de l'amateur, Demmin in seiner Encyclopädie, was
Nagler in seinen Monogrammiften und neuerdings Ris-
s)aquot in feinem umfangreichen Monogrammlexicon vor-
bringt, das muß Alles ohne Ausnahme gestrichen und ver-
gessen werden. Alle die Eombinationen der Initialen II lind l.,
welche die Jerren ausfindig gemacht haben, gehören den
verschiedensten Meistern, keine einzige davon aber unserem
Jans Lencker an. Trotzdem war fein richtiges Zeichen so

leicht aufzufinden und mit einer Sicherheit festzustellen, welche
den meisten Markenbestimnmngen abgeht. Groß und deut
lich, wenn auch in einer Seitenansicht dargestellt, finden wir

Vera effigies

D. loHANNIS LENCKERI CI VIS ET AVRTFABRI
OLIM NORINBERGÄJ CELEBEATIS.

Hififnus

H. Itkann Lenckers W' Buratvs Vnnd Gtldschmids in


2. Bildniß fjarts Lencker's.

es in seiner Perspectiva literaria, und kleiner, wenn auch
nicht minder deutlich, auf dem berühmten emaillirten Ein-

Zeitschrift des hayer. Aunflgewerbe-vereins München.

\89*. Heft U- (Bg. \.)
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