Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 10.1865

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Zehnter Jahrgang.


Ijmmsgcgtbtn und redigirt


> 13. Januar

M 3.


Dr. Max Schasler.

c

1863.

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Inh

Allhandclndcr Artikel: Studien zur Charakteristik bedeutender
Künstler der Gegenwart. Xl-I. Henry Leys.

Korrespondenzen: Es Düsseldorf, Ende Decbr. (Die Dom-
banlotterie und die deutsche Kunstgenossenschaft. Schluß.) —
f Venedig, Ende Decbr. (Das Brcvariarum des Kardinal
Grimani.)

alt:

Kunstchronik: Lokalnachrichten aus Berlin, Hamburg, Weimar'
Dresden, Nürnberg, Trier, Pompeji.

Kunst-Kritik: Die akademische Kunstausstellung in Berlin. (Frts.)
Kunstgeschichte u. Antiquitäten. Fund bei den Restaurations-
bauten des Domes zu Halberstadt.

AussteUungskalcndcr.

Studien jur Charakteristik bedeutender Künstler der Gegenwart.

daraus

XLI. Henry Lehs.

Sl;4

%.'■ '

i ci)§ gehört zu den
wenigen bedeuten-
den fremden Künst-
lern, die Das, was
sie geworden, blos durch den Ein-
fluß deutscher Kunst wurden, freilich
altdeutscher, nicht moderner. Schon
allein diese Thatsache ist ein merk-
würdiges Unikum, dem sich höchstens
noch Gounod in der Musik zur Seite
setzen läßt. Aber noch viel merk-
würdiger ist es, welch' ein Resultat
hervorging, daß ein einseitig in französischer Rou-

tine geschult gewesener Hochromantiker plötzlich durch Zu-
fall unter den Strahl direkten Einflusses alldeutscher Kunst
gerieth und nun plötzlich inne wurde, was er im dunklen
unbestimmten Drange schon längst gesucht hatte. Nicht
minder endlich ist es merkwürdig, welch' ein neues, ganz
eigcnthllmliches Genre sich durch diese Befruchtung eines
nichtdeutschcnWnstlers durch deutsche Kunst, eines modernen
Geistes durch den Geist des Mittelalters gebar. Auch
die Gegner müssen zugestehen, dies von Leys geschaffene
Genre habe einen ganz ungemeinen, tief gemüthserregen-
den Zauber; aber andererseits können auch die Enthusiasten
für diese Richtung zuletzt nicht leugnen, daß auf dem Grunde
des Ganzen immerhin blos ein nur galvanisch wiederbe-
lebter Frosch zu liegen scheint und daß es gar nicht wnn-
schenswerth sei, wenn eine ganze Schule einseitig und aus-
schließlich diesen Weg weiter ginge, der, oberflächlich be-
nrtheilt, gar keiner weiteren Entwicklung fähig scheint.

Die großen Perioden der Kunst hatten nicht einmal
eine Ahnung vom absichtlichen, nationalen oder chronolo-
logischen Jndividualisiren des Sujets; Das blieb den Ek-
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