Twachtmann-Schlichter, Anke [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 14,1): Stadt Hildesheim: mit den Stadtteilen Achtum, Bavenstedt, Drispenstedt, Einum, Himmelsthür, Itzum, Marienburg, Marienrode, Neuhof, Ochtersum, Sorsum, Steuerwald und Uppen — Hameln, 2007

Page: 93
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dtbrd_nds_bd14_1/0097
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile

Hildesheim, Altstadt, aus: W. Achilles: Das Bild der Stadt Hildesheim, Schriftenreihe des Stadtarchivs und der Stadtbibliothek Hildesheim

Am nördlichen Ende des Pfaffenstieges be-
ziehungsweise auf der südlichen Befestigungs-
mauer findet sich ein Bauwerk besonderer Art.
Das als Gartenhäuschen genutzte, teils in
Fachwerkbauweise errichtete kleine Gebäude
im Pfaffenstieg wurde im Zuge der 1904
durchgeführten Straßenverbreiterung quasi auf
die Mauerkrone gesetzt. Vom Pfaffenstieg aus
schlicht gestaltet, ist das Konglomerat aus
unterschiedlichen Bauteilen, Stilepochen und
reich ornamentierten Steinmetzarbeiten nur von
der Gartenseite aus sichtbar. Der Schlussstein
des Türbogens trägt die Jahreszahl „1739“.
Aufgrund seiner architektonischen Ausprägung
und seiner sozialgeschichtlichen Bedeutung
interessant ist die öffentliche Bedürfnisanstalt
an der Kreuzung Pfaffenstieg/Bohlweg. Bei
dem 1926 in neoklassizistischen Formen errich-
teten kleinen rechteckigen Gebäude mit Sattel-
dach handelt es sich um die so genannte
„Köhler-Hütte“, die ihren Namen nach dem
ehemaligen in Hildesheim tätigen Stadtbaurat
Johannes Köhler trägt.

DIE ALTSTADT
Von einer frühen urbanen Ansiedlung Hildes-
heims ist wahrscheinlich im Bereich südlich der
Michaeliskirche bzw. nördlich des Domes,
möglicherweise entlang des noch heute als
Alter Markt bezeichneten Straßenzuges, aus-
zugehen. Da es sich bei diesem Gelände laut
geologischer Untersuchungen um sumpfiges
Gebiet handelte, entwickelte sich der Straßen-
zug Alter Markt wahrscheinlich erst mit der
Entstehung des ehemaligen Klosters St.
Michaelis und der dazugehörigen westlichen
Mühle als Zufahrtsweg. In diesem Umfeld ent-
stand also in unmittelbarer Nähe der Domburg
eine weitere Keimzelle, ein Kaufmannswyk.
Die sich hier ansiedelnde Kaufmannsnieder-
lassung, der nahegelegene Bischofssitz und die
günstige Verkehrsanbindung waren wichtige
Kriterien bei der mittelalterlichen Stadtwerdung
und trugen wesentlich zu ihrem Entstehen bei.
Die Quellen lassen allerdings über die frühere
Geschichte Hildesheims, also über die Anfänge
einer oder mehrerer Siedlungen in der Nähe des
Domes kaum eindeutige Schlüsse zu. Offenbar
muss man bei der ersten Marktsiedlung von
einer einfachen, entlang der Straße sich ziehen-
den bescheidenen Besiedlung ausgehen, die in
der Folgezeit im Bereich des heutigen Straßen-
zuges „Alter Markt“ prosperierte und sich nach
Osten ausdehnte. Mit der Erweiterung und dem
Bau der eigenen Markt- bzw. Pfarrkirche St.

Andreas, seit 1038 als „ecclesia forensis“
bezeugt, auf der Treibeinsel westlich des „Alten
Marktes“ entstand um diese ein „neuer“ Markt,
der der wirtschaftlichen Entfaltung Vorschub
leistete. Erstmals als Stadt findet Hildesheim in
einer Urkunde aus dem Jahre 1146 Erwäh-
nung.
Für die spätere Entwicklung der Stadt waren
die von den Hildesheimer Bischöfen Bernward
(993-1022), Godehard (1022-38), Hezilo (1054-
79) und später Bernhard (1131 -53) kreuzförmig
um die Altstadt gelegten Kloster- bzw. Stifts-
kirchen mit der Domburg als Mittelpunkt ent-
scheidend.
Ob 1167 die bis dahin getrennten Siedlungs-
elemente bereits durch eine große Mauer voll-
ständig umschlossen waren, ist nicht eindeutig
geklärt, von einer zusammenhängenden Befes-
tigung ist aber auszugehen. Auch wurde das
Michaeliskloster in dieser Zeit in die Stadtbe-
festigung mit einbezogen, wie einer Urkunde
dieser Zeit zu entnehmen ist. Um 1200 um-
fasste die Stadt folgende Bereiche: die
Domburg im Süden, der Alte Markt und das
Kloster St. Michaelis im Norden und St.
Andreas im Osten. Weiter nordöstlich entstand
zu gleicher Zeit der heutige Marktplatz mit
seinem in der 2. Hälfte des 13. Jh. hierher ver-
legten Rathaus und der seit 1204 nachweis-
baren Kapelle St. Jacobi. Im Südosten schloss
sich das ehemalige Kollegiatstift zum Hl. Kreuz

93
loading ...