Twachtmann-Schlichter, Anke [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 14,1): Stadt Hildesheim: mit den Stadtteilen Achtum, Bavenstedt, Drispenstedt, Einum, Himmelsthür, Itzum, Marienburg, Marienrode, Neuhof, Ochtersum, Sorsum, Steuerwald und Uppen — Hameln, 2007

Page: 169
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Seeboeck gefertigt. Einer Hildesheimer Sage
zufolge bedrängten Katzen eines Nachts den
Nachtwächter der Neustadt. Dargestellt ist hier
die Figur des bewaffneten Nachtwächters,
unter ihm die angriffsbereiten Katzen. Die Figur
des Wächters ist eine Nachbildung, gestiftet im
Jahre 1976.

Ev. Kirche St. Lamberti
Trotz starker Kriegsschäden erfolgte in den
Jahren 1950-52 der Wiederaufbau der Pfarr-
kirche St. Lamberti, Neustädter Markt. Auf-
fallend ist der heute mit einem niedrigen,
quergestellten Satteldach abschließende West-
turm, der vormals mit einem polygonalem
Turmhelm des 19. Jh. versehen war. Somit der
ursprünglichen Wirkung beraubt, die der schon
von weitem sichtbare Turm auch für den
Neustädter Marktplatz hatte, setzte man sich
erfolgreich für die Rekonstruktion eines solchen
Turmhelmes ein.
Neben dem Helm gingen auch der gesamte
Dachstuhl, die Barockorgel und die gesamte
Innenausstattung verloren. Seit dem Wieder-
aufbau in den 50er Jahren des 20. Jh. verstärkt
aus statischen Gründen ein Stahlbetonkranz
die Außenmauern. Aus Kostengründen wurde
das 18 m hohe Dachwerk aus Stahl gefertigt.
Mit dem Bau der dreischiffigen spätgotischen
Hallenkirche wurde im Jahre 1474 begonnen.
Als Schutzpatron der Neustadt und der Kirche
wählte man aus naheliegenden Gründen, die
Bevölkerung der Neustadt setzt sich über-
wiegend aus Handwerkern zusammen, den hl.
Lambert, Schutzheiliger der Schuster. Grabun-
gen konnten eine Vorgängerkirche anstelle der
jetzigen Hallenkirche bestätigen. Quadermau-
erwerk und hohe Maßwerkfenster prägen den
mächtigen Außenbau. Das Langhaus wird von
sechs Jochen sowie ein weiteres, schmales
Joch des Westbaues gebildet. Im Osten
schließt der Bau mit einer Fünfachtelapsis. Hin-
gegen werden die bis in den Beginn des Chor-
polygon führenden Seitenschiffe mit einem ge-
raden Abschluss versehen. Achteckpfeiler tra-
gen die Kreuzrippengewölbe.
Vor dem Zweiten Weltkrieg lagen doppel-
geschossige Kapellenanbauten im Süden und
Norden. Auf die spätgotische zweigeschossige
Sakristei im Süden wurde beim Wiederaufbau
1950-52 verzichtet. Einziges überkommenes
Relikt ist die westliche Umfassungsmauer der
Südkapelle, an deren vorhandenem südlichen
Teilstück noch eine Sonnenuhr zu sehen ist. Als
Sakristei dient heute der im Zweiten Weltkrieg
unversehrt gebliebene spätgotische Anbau im
Norden.
Aufgrund der vollständigen Zerstörung des
Inneren und damit auch der Ausstattungs-
stücke soll nur kurz der als Hauptwerk der
Kirche gewertete Peter- und Paul Altar vom Be-
ginn des 15. Jh. Erwähnung finden, dessen
Mitteltafel sich seit den 50er Jahren des 20. Jh.
als Leihgabe des Roemer-Pelizaeus-Museums
in der St. Lamberti-Kirche befindet. Die fünf
Bilder der Mitteltafel thematisieren die Passion


Hildesheim, Neustädter Markt 30/31

Christi. Ausgehend von der Kreuzigung Christi
im Mittelteil ist auf der linken Seite Christus vor
Pilatus und die Kreuztragung zu sehen, auf der
rechten Seite die Beweinung und Grablegung
Christi.

Neustädter Markt. Hier lockern nun Balkone mit
eingestellten Säulen die Fassadengestaltung
auf. Zierformen beleben die Brüstungsbereiche.
Als belebendes Element wurde Sichtfachwerk
bewusst eingesetzt.

Ein zeittypischer und für die Erbauungszeit in
charakteristischen Dekorationsformen errichte-
ter Putzbau ist das Gebäude Neustädter Markt
30/31 aus dem Jahre 1906. Zum Marktplatz
ausgerichtet, zeigt der mächtige, viergeschos-
sige Massivbau sich heute in weitaus schlich-
teren Formen. Als verantwortlicher Baumeister
wird Maurermeister K. Murke angegeben. Aber
auch in seinen veränderten Formen hat der
Eckbau noch eine das Platzbild prägende
Funktion, die durch einen Erker noch einmal
bekräftigt wird. Dies wiederholt sich zum

MORITZBERG
Mit der Gründung des ehemaligen Stiftes St.
Mauritius auf dem Zierenberg westlich der
Domburg zu Beginn des 11. Jh. ist die sich nun
bildende Siedlung auf dem Moritzberg auf das
Engste verbunden. Die exponierte topogra-
fische Lage einer solchen Ansiedlung auf der
langgestreckten Hügelkette westlich der
Innerste führte naturgemäß im Laufe der Jahr-

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