Twachtmann-Schlichter, Anke [Hrsg.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 14,1): Stadt Hildesheim: mit den Stadtteilen Achtum, Bavenstedt, Drispenstedt, Einum, Himmelsthür, Itzum, Marienburg, Marienrode, Neuhof, Ochtersum, Sorsum, Steuerwald und Uppen — Hameln, 2007

Seite: 226
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DIE NÖRDLICHEN
STADTERWEITERUNGSGEBIETE
SEIT DEM 19. JAHRHUNDERT

Zwischen Kaiserstraße und Hauptbahnhof
Städtebaulich interessant ist die um 1900 von
G. Schwartz gebaute Schule, Kaiserstraße 43,
ehemalige Bahnhofsschule, an der Kreuzung
Kaiserstraße/Lüntzelstraße, die heute von der
Fachhochschule genutzt wird. Der Eckposition
wird durch die besondere Grundrissdisposition
Rechnung getragen, indem die spitzwinklig
zueinander verlaufenden Fassaden ihre Er-
schließung von der stumpf ausgeführten
Gebäudeecke erhielten. Schwartz wendet sich,
ähnlich wie bei seinen anderen Schulbauten in
Hildesheim, dem neogotischen Formenkanon
zu. Typisches Merkmal seiner Gebäude sind die
spitzbogigen Blendnischen, die dem Baukörper
eine starke Plastizität verleihen und mit den
Fensterformaten und Lisenen die Fassaden ver-

Hildesheim, Kaiserstraße 43, ehemalige Bahnhofsschule, Fachhochschule

Hildesheim, Bahnhofsallee 4



tikal strukturieren. Ein ähnliches Gliederungs-
motiv sind die Ziegelziersetzungen unter
Verwendung von Formsteinen. Charakteristisch
für die Bauten der „Hannoverschen Schule“,
man denke an die Hohnsenschule (ebenfalls
Schwartz), sind die meist an die Eckfassade
platzierten Eingangsportale mit bekrönenden
Wimperg. Durch Zerstörungen im Zweiten
Weltkrieg ist das Gebäude vor allem in der
Dachzone stark verändert.
Ist von der geschlossenen Bebauung der
Bahnhofsallee kaum etwas durch die Zerstö-
rungen des Zweiten Weltkrieges erhalten, so
zeigen sich die Gebäude Bahnhofsallee 4 und
16 unverändert und von ungestörtem Über-
lieferungswert, wenn auch recht unterschiedlich
in der Ausprägung. Von hohem Gestaltungs-
wert ist der auf annähernd quadratischem
Grundriss für den Bildhauer P. Zöpfgen 1881
errichtete zweigeschossige Rohziegelbau unter
Walmdach (Nr. 4). Stilistisch homogen gelöst
und in Anlehnung an Stilformen der deutschen
Renaissance gliedern vor allem die Fenster-
achsen, vorspringende Eckquaderungen und
umlaufende Gesimse den Baukörper an der
Ost- und Südfassade. Im Gegensatz dazu erin-
nert der dreigeschossige traufständige Roh-
ziegelbau Nr. 16, entworfen 1870 von Architekt
W. Gieren für F. Berking, mit seinen reichen
Dekorelementen eher an spätbarockes For-
mengut.
Verbunden mit dem Ausbau und der Verlegung
des Bahnhofes nach Norden 1884 erfolgte
auch die nördliche Erweiterung der Bahnhofs-
allee. Aufgrund dessen erhielt die vorhandene
Abzweigung nach Westen den Namen Kaiser-
straße. Mit dem vierspurigen Ausbau der
Fahrbahn nach dem Zweiten Weltkrieg ist die
Kaiserstraße Teilstück einer der Haupttan-
genten, die den Westen der Stadt mit dem
Osten verbinden. In markanter städtebaulicher
Lage liegt an der Ecke zum Almstor das neun-
geschossige Hochhaus Kaiserstraße 38 mit
abschließendem, zurückgesetztem Attikage-
schoss. 1954/55 wurde das Gebäude in
Stahlbetonskelettbauweise durch den Architek-

Hildesheim, Bahnhofsallee 16

ten Heinz Giese errichtet. Der Ecksituation wird

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