Sänger, Falk-Reimar [Hrsg.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 21): Landkreis Lüchow-Dannenberg — Braunschweig, 1986

Seite: 107
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beladenen Erntewagen die Einfahrt zu ermög-
lichen.
Im alten Dorfkern sind sonst nur noch Relikte
der ehemaligen Bausubstanz erhalten. Sie
befinden sich auf den Höfen Nr. 16,17,18,19,
20 und 21. Das 1786 entstandene Haupthaus
des Hofes Nr. 19 kann hier als Beispiel für ein
durch Umbau verändertes Gebäude stehen.
Auch der alte Baumbesatz der Höfe ist we-
sentlicher Bestandteil des Dorfkerns.
Am Nordostrand des alten Ortskernes steht
auf dem höchsten Geländepunkt die zur Kir-
che in Trebel gehörende Gorlebener Kapelle.
Der schlichte Gefügebau erhebt sich über
rechteckigem Grundriß und trägt einen Dach-
reiter über dem Westgiebel. Der Bau geht
ebenso wie Teile seiner Ausstattung auf das
17. Jh. zurück und erfuhr im Jahre 1873 eine
gründliche Renovierung.
GORLEBEN-MEETSCHOW

Meetschow liegt 2 km östlich von Gorleben di-
rekt am Seegedeich und zeigt heute ein unre-
gelmäßiges haufendorfartiges Siedlungsbild.
Die Höfe des Dorfes waren ursprünglich um
ein Wegekreuz gruppiert, dessen nordwestli-
chen Quadranten die Kirche einnahm. Durch
Um- und Nachsiedlung sowie durch ergän-
zende Veränderung der Wegeführung wurde
der Ort, mit Ausnahme der Deichseite, allseits
ausgedehnt. Die jüngste Veränderung war ei-
ne teilweise Verlegung des Seegedeiches,
auf dem heute streckenweise die Verbin-
dungsstraße nach Vietze verläuft. Außerhalb
des Deiches befindet sich unweit des Dorfes
im Überschwemmungsgebiet der Seege eine
Geländeerhöhung, die sowohl durch Grabung
als auch anhand alter Karten als die ehemali-
ge Burg Meetschow identifiziert wurde. Nach
1300 erfuhr diese Holz-Erde-Burg keine ur-
kundliche Erwähnung mehr.
Im Dorf Meetschow haben sich nur wenige,
stark veränderte Hallenhäuser erhalten, so
daß das Ortsbild heute überwiegend durch
traufständige Gefügebauten bestimmt wird. In
gutem Zustand befindet sich nur das vollstän-
dig erhaltene Querdielenhaus Nr. 25.
Die Kirche, ein schlichter Saalbau in Ziegel-
fachwerk, erhebt sich über rechteckigem
Grundriß und trägt einen quadratischen Dach-
reiter über dem Westgiebel. Am Ostgiebel ist
eine kleine Sakristei angebaut. Über den In-
nenraum mit Orgelempore im Westen und
Kanzelaltar im Osten spannt sich eine flache
Holzbalkendecke. Das Gebäude entstand
wohl im Jahre 1731, wie eine Datierung aus-
weist und dürfte sein heutiges Erscheinungs-
bild im Jahre 1864 erhalten haben. Weitere
Datierungendes 18., 19. und20. Jh. beziehen
sich wohl auf Renovierungen.

GUSBORN-GROSS GUSBORN

GUSBORN-KLEIN GUSBORN

Groß Gusborn liegt am Fuß des steilen Süd-
randes der Langendorfer Geestinsel 8 km
südöstlich der Stadt Dannenberg. Der heute
aufgelockerte und erweiterte Ort zeigt im Kern
noch die Parzellenstruktur eines regelmäßi-
gen Rundlings anhand erhaltener Hofbegren-
zungen. Die traditionellen Gebäude fehlen
aber infolge eines Brandes im Jahre 1914 fast
völlig. Zeitbedingt war auch der Wiederaufbau
zögernd und blieb bis heute unvollständig. In-
folge seines etwas abseitigen Standortes am
nordwestlichen Ortsrand hat ein undatiertes
Zweiständerhaus (ohne Hausnummer Flur 2,
17/7) den Brand unbeschädigt überstanden.
Das qualitätvolle Gebäude dürfte um 1700
entstanden sein. Verschont blieben auch zwei
vollständige Hofanlagen mit traditioneller
Bausubstanz (Nr. 3, Nr. 14), die offenbar be-
reits im ausgehenden 19. Jh. ausgesiedelt
worden waren. Sie stehen nördlich bzw. süd-
lich des Dorfkerns.
In jüngster Zeit hat Groß Gusborn nach Nor-
den und Westen hin eine erhebliche Erweite-
rung mit Ferienhausbebauung erfahren.

Klein Gusborn liegt etwa 7 km östlich der Stadt
Dannenberg südlich der nach Gartow führen-
den Landstraße. Der Ort zeigt in seinem älte-
sten Kern noch einige Rundlingsmerkmale,
geht aber nach Westen entlang der Landstra-
ße sowie nach Osten entlang der Parallel-
erschließung zur Landstraße jeweils in reihen-
dorfartige Form über. Das gesamte Ortsbild
wird überwiegend von Bausubstanz des 19.
Jh. - wenngleich auch teilweise verändert -
getragen. Nach Osten schließt sich noch eine
Ortserweiterung an.
Ein nur durch Hausinschrift überlieferter
Brand im Jahre 1846 führte zur Aussiedlung
des Hofes Nr. 6 aus dem alten Rundling an
seinen jetzigen Standort im Westen, während
der Hof Nr. 7 weit nach Osten verlegt wurde.
Auf beiden Parzellen entstanden damals iden-
tische Vierständerhäuser. Die größte Verän-
derung aber bewirkte ein ebenfalls nur durch
Hausinschriften bekannter Großbrand im Jah-
re 1858, der den gesamten südlichen Teil des
Dorfes zerstörte. Beim Wiederaufbau wurde
der Ortsteil bis zum Hof Nr. 7 ausgedehnt; auf

Gorleben, Forsthausweg 1,
ehemaliges Wohn-Wirtschaftsgebäude, 1772


Gusborn-Groß Gusborn (ohne Hausnummer,
Flur 2,17/7), Wohn-Wirtschaftsgebäude, um 1700


Gorleben-Meetschow, Kirche, 18. Jh.


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