Sänger, Falk-Reimar [Hrsg.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 21): Landkreis Lüchow-Dannenberg — Braunschweig, 1986

Seite: 170
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PREZELLE-LOMITZ

SCHNACKENBURG

Schnackenburg, Stadtplan vor dem Brand von 1728, Niedersächsisches Staatsarchiv Hannover,
32i Schnackenburg lOpg

Auch in dem nur 2 km südlich von Prezelle ge-
legene Dorf Lomitz fällt dergroße Anteil von Ne-
benerwerbslandwirten auf. Im 19. Jh. fanden
sie hier eine zusätzliche Erwerbsmöglichkeit
im nahe gelegenen gräflich Bernstorffschen
Forst. Die Bevölkerungsstruktur, die damals
entstand, kommt auch im Siedlungsbild des
Ortes zum Ausdruck. Vom alten sackgassen-
ähnlichen Rundling ist nur ein kleiner Rest im
Nordwesten erhalten. Durch Verlegung der
Höfe und umfangreiche Nachsiedlung gleicht
Lomitz heute einem großen Haufendorf mit
einem verwirrenden Wegenetz. Große land-
wirtschaftliche Anwesen gibt es hier nicht.
Typische Gebäude sind bescheidene Vier-
ständer-Hallenhäuser des ausgehenden 19.
Jh., wie sie auf den Höfen Nr. 2, 3,4, 5 und 10
stehen. Das Haupthaus des Hofes Nr. 16 wur-
de bereits 1832 erbaut und dürfte damit das äl-
teste Gebäude in Lomitz sein. Um 1880 wurde
die Kapelle, ein neugotischer Ziegelsteinbau,
als Ersatz für eine ältere Vorgängerin aufge-
führt.
PREZELLE-WIRL

Prezelle-Lomitz, Nr. 2, 3, 4, Wohn-Wirtschaftsgebäude. Ende 19. Jh.

An der Mündung des Aland in die Elbe im
äußersten Ostzipfel des Kreisgebietes liegt
die Stadt Schnackenburg, die mit wenigen
hundert Einwohnern zu den kleinsten städti-
schen Gemeinwesen der Bundesrepublik ge-
hört. Die ersten Ursprünge des Ortes dürfen
im 12. Jh. vermutet werden. Er entstand im
Schatten einer frühen Burg, die im Hochmittel-
alter zur Sicherung der Elblinie diente. Bereits
im 13. Jh. - erstmals 1218 - wird mehrmals
ein Rittergeschlecht von Schnackenburg er-

Die kleine Ansiedlung Wirl liegt im südlichen
Teil des Gartower Forstes und ist heute all-
seits von dichtem Wald umgeben, der durch
Aufforstungsmaßnahmen im 19. Jh. entstand.
Noch im ausgehenden 18. Jh. lag das zur
Gutswirtschaft Gartow gehörende umfangrei-
che Vorwerk Wirl im freien Gelände, so daß
hier sogar eine Windmühle betrieben werden
konnte. Die Felder lagen nördlich des Vorwer-
kes und waren durch ein Wegenetz erschlos-
sen, das noch heute existiert und an den teil-
weise vorhandenen Alleebäumen erkennbar
ist. Als A.G. v. Bernstorff im Jahre 1694 die
Herrschaft Gartow erwarb, war Wirl eine Wü-
stung. Alsbald begann der Aufbau des Vor-
werkes. Zwei Ziegelfachwerkgebäude aus
dieser Zeit befinden sich noch heute in gutem
Zustand. Sie entstanden in den Jahren 1703
und 1725 und haben A.G. v. Bernstorff als
Bauherrn. Das erste Gebäude ist ein großes
einstöckiges Wohnhaus während das zweite
- ein Zweiständer-Hallenhaus - an die ehe-
mals hier betriebene Landwirtschaft erinnert.
Ein drittes, 1744 datiertes Gebäude wurde da-
gegen laut Inschrift nicht von einem Bernstorff
erbaut. Einige neuere Nebengebäude, eine
Zollstation sowie ein Feuerwachturm ergän-
zen die Anlage, die heute nur der Forstwirt-
schaft und zu Wohnzwecken dient.

Prezelle-Lomitz, Nr. 10,
Wohn-Wirtschaftsgebäude, Ende 19. Jh.

Prezelle-Lomitz, Nr. 16,
Wohn-Wirtschaftsgebäude, 1832

Prezelle-Lomitz, Kapelle von Südwesten

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