Sänger, Falk-Reimar [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 21): Landkreis Lüchow-Dannenberg — Braunschweig, 1986

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maßnahme, die in jüngerer Zeit das Ortsbild
veränderte, war die Regulierung von Jeetzel
und Dumme im Jahre 1956, bei der mehrere
Wasserläufe trockengelegt und zugeworfen
wurden.
Amtshof
Der Amtshof liegt etwas abseits nördlich der
Stadtmitte und war ursprünglich allseits von
Wasserläufen umgeben. Die Bebauung be-
steht heute nur noch aus dem Amtshaus, zwei
kleinen Nebengebäuden sowie einem größe-
ren, heute zu Wohnzwecken umgenutzten
Wirtschaftsgebäude. Das alte, von Merian
dargestellte Amtshaus mit einem massiven
Sockelgeschoß und zwei Fachwerkoberge-
schossen wurde - kurz zuvor erweitert - ge-
gen Ende des 18. Jh. abgetragen und durch
den heutigen schlichten, eingeschossigen
Ziegelfachwerkbau auf hohem Sockel ersetzt.
Das zugehörige Vorwerk verlor mit Einrich-
tung der Domäne Königshorst 1835-1839
seine Zweckbestimmung und wurde im Laufe
der Zeit völlig abgebrochen. Der aus der ab-
nehmenden Bedeutung resultierende Mangel
an Pflege erklärt die heutige, wenig anspre-

chende Erscheinung des Amtshofes. Verein-
zelter alter Baumbestand erinnert noch an den
ehemaligen parkartigen Garten.
Stadtkirche St. Laurentius
Die Wustrower Kirche steht vor dem Amtshof
nördlich der Stadtmitte und war ursprünglich
ebenfalls durch den Lauf der Dumme von die-
ser getrennt. Der leicht aus der Ost-West-Ach-
se gerichtete, innen flach gedeckte Saalbau
ist in exaktem Ziegelmauerwerk ausgeführt
und besitzt einen polygonen Ostabschluß so-
wie einen quadratischen Turm im Westen.
Das Schiff aus dem Jahre 1518 war beim
Stadtbrand von 1691 beschädigt worden. Bei
der Renovierung, die 1693 abgeschlossen
war, wurde die Kirche nach Osten erweitert.
Der barocke Kanzelaltar stammt aus dem 18.
Jh. Einen Turm gab es zunächst nicht. Erst im
Jahre 1711 wurde ein Glockenturm in Ziegel-
fachwerk errichtet, der 1902 einem neugoti-
schen Ziegelsteinbau weichen mußte. Der be-
deutendste Wustrower Pastor war Christian
Henning von Jessen (1649-1719), der mit
seinem „Vocabularium Venedicum“ die um-
fangreichste Wortsammlung der zu seiner Zeit

aussterbenden wendischen Sprache zusam-
menstellte.
Bürgerhäuser
Zahlreiche Ersatzbauten und Veränderungen
geben dem Straßenbild Wustrows ein sehr un-
einheitliches Aussehen. Die älteren Häuser
sind fast ausnahmslos zweistöckige Gefüge-
bauten. Sie haben häufig einen rückwärtigen
Hof mit Nebengebäuden und sind sowohl
trauf- als auch giebelständig zur Straße ange-
ordnet. Sie besitzen entsprechend eine Quer-
bzw. Mittellängserschließung. Die letztere, äl-
tere Bauform zeigen noch die Häuser Kirch-
straße 10 und Lange Straße 14. Die beiden
Wohnetagen des Hauses in der Kirchstraße
sind noch in Geschoßbauweise verzimmert.
Darüber folgen ein allseits leicht auskragen-
der Speicherstock sowie Speicherböden un-
ter dem Satteldach. Das etwas bescheidenere
Haus in der Langen Straße hat durch Einbau
großer Fenster im Erdgeschoß sowie durch ei-
ne traufseitige Erweiterung Veränderungen
erfahren. Beide Gebäude stapnmen wohl aus
der Wiederaufbauphase nach 1691 und sind
somit die ältesten erhaltenen Bürgerhäuser.

Wustrow, ehemaliger Amtshof, Amtshaus und Wirtschaftsgebäude


Wustrow, Kirchstraße 12,
ehemalige Wassermühle, 17./19. Jh.


Wustrow, Kirche, Blick zum Altar


Wustrow, Kirchstraße 12, ehemalige Wassermühle, 17./19. Jh.



Wustrow, Stadtkirche St. Laurentius


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