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Eine geschlossene, einheitliche Gruppe bil-
den die traufständigen Häuser Kirchstraße 4,
6 und 8, alle aus der ersten Hälfte des 19. Jh.
Haus Nr. 8 und Nr. 6 besitzen bzw. besaßen
Tordurchfahrten zur Erschließung der rück-
wärtigen Höfe. Etwas heterogener wirkt die
Gruppe traufständiger Häuser Kirchstraße 14,
16 und 18. Während das bescheidenere Haus
Nr. 16 wohl noch aus dem Ende des 18. Jh.
stammt, sind die beiden anderen in die erste
Hälfte des 19. Jh. zu datieren. Haus Nr. 14 fällt
durch ein großes mittiges Zwerchhaus -
Haus Nr. 18 durch einen reich durchfensterten
Drempel auf.
Wassermühle
Im Knick der Kirchstraße, die parallel zum al-
ten Dummelauf geführt ist, liegt die Wasser-
mühle mit der Hausnummer 12. Sie ist so weit
zurückgesetzt, daß sie im Straßenbild nicht in
Erscheinung tritt. Die ehemals herrschaftliche
Mühle wird seit 1695 von ein und derselben
Familie betrieben, die sie gegen Ende des 19.
Jh. durch Ablösung erwarb. Der heutige Bau-
bestand in Ziegelfachwerk wurde im wesentli-
chen nach 1872 durch An- und Umbau ge-

schaffen, während der noch klar ablesbare Ur-
sprungsbau bald nach der Brandkatastrophe
von 1691 entstanden sein dürfte. Seit Verlust
des Wasserantriebes durch die Dummeregu-
lierung arbeitet die Mühle bis heute mit Motor-
kraft, nachdem bereits im 19. Jh. eine Dampf-
maschine die Wasserkraft unterstützt hatte.
ORTSERWEITERUNG
Abgesehen von zwei sehr schlichten Gebäu-
den, die gegen Ende des 18. Jh. an der Fehl-
straße entstanden, hat Wustrow bis ins 19. Jh.
hinein seine mittelalterlichen Grenzen nicht
überschritten. Das Haus Lange Straße 16 aus
dem frühen 19. Jh. ist eines der ersten, die au-
ßerhalb der alten Stadt entstanden. Ein Kran-
balken unterm First, Ladeluken in allen Eta-
gen und relativ großflächige, feinversproßte
Fenster weisen es als Werkstatt- oder Lager-
gebäude aus. Ein Ladeneinbau im Erdge-
schoß erhielt nachträglich vergrößerte Schau-
fenster.
Diesem Gebäude gegenüber (Lange Straße
9) wurde im Jahre 1886 ein Haus mit zwei
großzügigen Wohnungen errichtet. In der
Straßenfassade zeigt es üppigen historisie-

renden Dekor am Ziegelmauerwerk des Erd-
geschosses sowie am Zierfachwerk des
Obergeschosses. Das Haus ist heute zur Auf-
nahme des Wustrower Heimatmuseums vor-
gesehen. In der Nähe dieses Gebäudes ent-
standen gegen Ende des 19. Jh. mehrere An-
wesen mit großen, repräsentativen Wohn-
und Bürogebäuden in der Straßenflucht und
hofseitig anschließenden umfangreichen Ne-
bengebäuden, die Raum für größere Hand-
werks- oder kleinere Industriebetriebe boten.
Die Gebäude wurden meist in Ziegelmauer-
werk mit zeittypischen Schmuckformen er-
richtet (Lange Straße 20).
Weiter stadtauswärts entstanden etwa gleich-
zeitig mehrere sehr bescheidene eingeschos-
sige Wohnhäuser in Ziegelfachwerk. Eine ge-
schlossene, gut erhaltene Gruppe bilden die
Gebäude Lange Straße 24, 26, 28 und 30. Ur-
sprünglich dienten sie wohl als Unterkünfte für
Arbeiter und Handwerker der nahegelegenen
kleinen Industriebetriebe. Erst der Kaliberg-
bau löste in Wustrow eine Siedlungstätigkeit
aus, die Rahmen und Grenzen einer beschei-
denen Landstadt endgültig sprengten. West-
lich wie östlich des alten Stadtkerns entstan-
den größere Neubaugebiete mit bescheide-


Wustrow, Lange Straße 9, 20, Bürgerhäuser, Ende 19. Jh.

Wustrow-Blütlingen, Nr. 44,
Wohn-Wirtschaftsgebäude, 1667


Wustrow-Blütlingen, Lachenhof,
Wohn-Wirtschaftsgebäude, 1731



Wustrow-Blütlingen, Rudolphstraße, Blick nach Osten, rechts Nr. 51 a


Wustrow, Lange Straße 30, 28, 26, 24,
Wohnhäuser, II. Hälfte 19. Jh.

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