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bildet mit ihren rechtwinklig zueinander ausge-
richteten, fast einheitlichen Hofgebäuden ein
eindrucksvolles Hofensemble. Dieses ist, bis auf
das kleine Häuslingshaus von 1809, anstelle von
Vorgängerbauten in der 2. Hälfte des 19.Jh.
entstanden. Der langgestreckte, rechtwinklige
Hofplatz mit teilweise noch alter Feldsteinpflas-
terung wird am Ende der von Süden kommen-
den Hauptzufahrt mit einseitiger Baumreihe von
dem 1859 gebauten Wohnwirtschaftsgebäude
gesäumt. An dieses restaurierte, umgebaute
und anderen Nutzungszwecken zugeführte
Hallenhaus, in der seltenen Bauart eines gestaf-
felten Vierständerbaus bzw. überhöhten Zwei-
ständers, ist 1908 im Winkel ein Stall mit massi-
vem Ziegelunterbau und Drempel mit Zierfach-
werk angesetzt worden. Wahrscheinlich ist
gleichzeitig eine Verlängerung des Wohntraktes
sowie der mächtige, vorkragende Zwerchgiebel
über dem südlichen Hauseingang, jeweils mit
Giebelgespärre angefügt worden. Einige Neben-
gebäude werden zur Zeit renoviert. Der frühere
Schweinestall mit den regelmäßig angeordneten
halbrunden Stallfenstern hat zu Beginn des
20.Jh. ebenfalls einen massiven Anbau mit
Drempelgeschoss zum Wohnen erhalten. Ledig-
lich der verbohlte Schafstall im Norden der Anla-
ge mit Oberrähmkonstruktion ist bis auf seitliche
Anbauten unverändert.
Auf dem weiter südlich gelegenen, bereits 1483
erwähnten „Vehnenhof“, Zur Beeke 5, ist der
südliche, etwas abgelegene Mühlenspeicher
und spätere Stall/Scheune von dem 1935
wütenden Großfeuer auf dem früheren Vollhof
verschont geblieben. Es ist ein 1816 auf Find-
lingssockel errichteter langgestreckter, vermut-
lich nachträglich verlängerter und verbohlter
Fachwerkbau unter Satteldach mit giebelseitig
zwei Eingangstüren.
Der kleine Treppenspeicher auf dem großen,
offenen, von altem Baumbestand und Feldstein-
pflasterung gekennzeichneten Hofgelände des
„Meyernhofes“, Rieper Straße 6, wird durch
eine gewundene Zuwegung, die von der alten
Straße abzweigt, getrennt. Der schmale aber
langgestreckte 1 1/2-geschossige Fachwerk-
baukörper mit üblicher vollständiger Verbohlung

Bommelsen, Bommelser Str., Kapelle, 1929/30


mit den beiden unter Dachüberständen ange-
brachten Treppenanlagen ist laut Inschrift in
einem der drei geschweiften Türstürze 1767
errichtet worden und somit ältestes Hofgebäu-
de. Die östliche Treppe ist incl. der Verbohlung
im 19.Jh. erneuert worden. Ein Hochrähmge-
rüst mit wohl eingezapften Geschossbalken
sowie ein auf profilierten Kopfbändern überste-
hendes Satteldach unterstreichen die Besonder-
heiten des kleinen Baukörpers, der traufständig
auf erhöhtem Terrain am südlichen Waldrand
steht.
Der ebenfalls 1 1/2-geschossige und in ähn-
licher Hochrähmkonstruktion erbaute Treppen-
speicher, Bommelser Straße 3, ist 1768
entstanden. Sein verbohltes Fachwerkgerüst mit
traufseitig zwei Eingangstüren und einem auf
profilierten Kopfbändern vorgezogenen, neueren
Reetdach ist auf einzelnen Findlingen gegründet
worden. Eine Innentreppe führt zum Drempelge-
schoss. In den achtziger Jahren des 19.Jh. ist
die Hofanlage durch den langgestreckten, in
massiver Ziegelbauweise auf Granitquadersockel
erbauten Schweinestall mit winkelförmig ange-
setzter Kartoffelküche ergänzt worden. Neben
den Ziegelsteinsetzungen im Bereich des Traut-
gesimses werden die zahlreichen flachbogigen
Stalltüren von einem vorstehenden Ziegelband
betont. Hier, wie u.a. auch auf der das Dorf im
Norden abschließenden Hofanlage Bommelser
Straße 11, sind die meist stattlichen Wohnwirt-
schaftsgebäude durch jüngste Ausbauten stark
verändert worden. Ein datierter fünfteiliger Brun-
nen von 1723 sowie der erst 1852 erbaute 1
1/2-geschossige reetgedeckte Speicher bzw.
Stall mit jüngerem Verandaanbau sind unverän-
derte Bestandteile der alten Hofanlage. Er unter-
scheidet sich von üblichen Speichern durch fünf
Eingangstüren auf der nördlichen Traufseite und
zwei Kellereingänge.
Die Ortschaft Kroge bestand 1778 aus drei
Hofanlagen, deren bewaldete Anwesen am
Zusammenfluss der Riesbeek mit der von
Norden kommenden Bomlitz lagen, heute
südlich der Straßenkreuzung der K 131 aus
Bomlitz mit der B 440. Eine hier im Kreuzungs-
bereich der alten Handels- und Verkehrswege

gelegene Hofstelle mit einem „Krug“ war sicher-
lich namengebend für den Ort. Neben der
jüngeren, straßenbegleitenden Bebauung, die
vielfach für Beschäftigte der Fabrik in Bomlitz
entstanden ist, aber auch schon früh zahlreiche
Gewerbebetriebe aufnahm, fällt die alte, von der
Straße über eine Zuwegung erreichbare Hofstel-
le, Am Riesbach 6, ins Auge, mit ihrer vor der
südlichen Waldkulisse sichtbaren ziegelroten
Bebauung des 19.Jh.Jenseits der Bachbrücke
am Eintritt zum Hof steht unmittelbar am Wege-
knick das kleine Stallgebäude der Anlage.
Bemerkenswert ist seine Fachwerkkonstruktion
unter hohem 3/4-Walmdach. Der profilierte
Sturz über einer der Stalltüren bezeugt die
Erbauungszeit von 1752. Im übrigen ist der von
eingehälsten Ankerbalken gehaltene Wandstän-
derbau in Oberrähmkonstruktion mit rundbogi-
gen Stallfenstern in den Gefachen voll unterkel-
lert.

BOMLITZ-BORG/CORDINGEN

Das 1413 urkundlich erwähnte „Borgh“ wird im
17.Jh. mit vier Halbhöfen und zwei Kothöfen
aufgeführt, zu denen zwei Cordinger (1410
Cordinghe) Vollhöfe gehören. Die Besitzer des
freien Cordinger Hofes Hogreve hatten das erbli-
che Amt des mittelalterlichen Gogreven inne. Ein
solcher wurde 1410 im Zusammenhang mit
dem Kloster Walsrode erstmals urkundlich
erwähnt und war Leiter des Gogerichts Cordin-
gen im Amt Rethem (mit 9 Dörfern im 17.Jh)
und später Unterbeamter des von den Lünebur-
ger Fürsten eingesetzten Amtsvoigts. Flur-
stücksbezeichnungen, wie „auf dem Tie“ erin-
nern an einen frühen Versammlungsort als Ge-
richtsstätte.
Die beiden Bauerschaften liegen bis auf einen
Hof auf der Westseite der Warnau, die
ursprünglich die historische Grenze zwischen
dem westlichen Amt Rethem und der Amtsvog-
tei Fallingbostel im Osten darstellte. Sie sind in
Walsrode (Cordingen) bzw. Meinerdingen (Borg)
eingepfarrt und fügen sich seit 1974, wie die
anderen Ortsteile, zur Gemeinde Bomlitz. Die
freien Flächen zwischen den verstreuten Hofan-

Bommelsen, Zur Beeke 5, ehern. Mühlenspeicher, 1816


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