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gen, profilierten Fußdreieck symmetrisch geglie-
dert. Der Wohntrakt unter Mansarddach ist wohl
erst im 20.Jh. anstelle des alten angefügt
worden. In einiger Entfernung von den früheren
Hofgebäuden ist etwa in der 2. Hälfte des
17.Jh. nahe am Fluss das Backhaus des Hofes
aufgebaut worden, Kirchdamm 2, das aufgrund
seiner Größe wahrscheinlich schon immer auch
als Häuslingshaus genutzt worden ist. Der kleine
Wandständerbau mit teilweise vorgezogener
Abseite unter hohem Reetdach besitzt ein viel-
fach verändertes Gefüge mit wenigen Kopfbän-
dern und giebelseitiger Verbretterung.
Viele Hofgebäude sowie andere für die Ortsge-
schichte wichtige Gebäude in der näheren
Umgebung, wie u.a. Schul- oder Pfarrwitwenge-
bäude aber auch die Pensionen, Geschäftsbau-
ten oder Gastwirtschaften des 19.Jh., die
zumeist als ein- bis zweigeschossige zwerch-
hausbekrönte Einzelgebäude im historischen
Ortskern und insbesondere entlang der die
Siedlungsteile verbindenden Hauptstraße und
Allermannstraße erbaut wurden, sind inzwischen
durch nutzungsbedingte Umbauten und Moder-
nisierungen stark verändert worden.
Weitgehend unverändert erscheint das derzeit
als Wohnhaus genutzte frühere Wohn- und
Geschäftshaus aus der Zeit um 1880, Haupt-
straße Nr. 14, in dem zeitweise auch das
Gemeindebüro untergebracht war. Die ausge-
wogene, von einem mittigen Zwerchhaus mit
streng dekoriertem Vorgespärre beherrschte
Fassade des 1 1/2-geschossigen, allseitig ver-
breiterten Fachwerkgebäudes markiert den
ansonsten von Parkanlagen begrenzten nörd-
lichen Straßenabschnitt am Böhmeübergang.
Auch die hölzerne Rahmung und Verdachung
der rekonstruierten Fenster mit Fensterläden
sind typische Merkmale dieses verbreiteten Be-
bauungstyps.
Auf den kleinen Parzellen ehemaliger Abbauer-
höfe des 19.Jh. an der ost-west-gerichteten
Allermannstraße, welche bis zur Mitte des
19.Jh. mit dem Böhmeübergang nach Westen-
dorf den Südrand der historischen Dorflage
bildete, haben sich zwei in schlichter Bauweise

ausgeführte sog. Landarbeiterhäuser erhalten.
Beide Fachwerkgebäude sind typischerweise
traufständig errichtet worden. Das kleinere, älte-
re, Nr. 17, mit rückwärtigem Nebengebäude
wurde wohl 1804 gleich nach einem Brand
errichtet, bei dem etwa neun Häuser der Umge-
bung zerstört worden waren. Die asymmetrisch
aufgeteilte Schauseite weist kräftige, vorstehen-
de Deckenbalken sowie eine zeitgenössische
Haustür und Fenster auf. Bei dem benachbar-
ten, wahrscheinlich erst kurz nach 1850
entstandenen größeren Fachwerkbau unter
Krüppelwalm, Nr. 15, tritt die symmetrische
Gliederung der traufseitigen Straßenfassade
hervor.

FALLINGBQSTEL-DORFMARK/FISCHENDORF
Auch dieser südliche Ortsbereich wird, wie
Westendorf und Winkelhausen, durch die in
einem großen Bogen geführte Hauptstraße an
den zentral gelegenen Dorfmarker Siedlungs-
kern angebunden.
Der historischen Dorfkern (1378 Vissingedorpe)
wird von einigen Hofanlagen gebildet, die sich
am Böhmeübergang in einem Dreieck zwischen
Böhme und dem Zufluss des Fischendorfer
Baches auf erhöhten Flächen in Form eines
Haufendorfes angesiedelt haben. Ihre heute
noch überwiegend großen, unregelmäßigen
Parzellen, die zu beiden Seiten der breiten
Bundesstraßentrasse Fischendorfer-/Einzinger
Straße liegen, grenzen mit ihren bewaldeten
und teilweise ziemlich verwilderten Rückseiten
direkt an das Wasser. Die Gebäude der west-
lichen drei Hofstellen Nr. 3, 5, 6 sind mit ihren
Hofbäumen fast wie bei einem Runddorf auf die
trichterförmig erweiterte und vom Fischendorfer
Bach durchflossene, bewaldete Dreiecksfläche
der Straßengabelung ausgerichtet. Insbesonde-
re die bis 1438 zurückverfolgbare Vollhofstelle
Nr. 3, deren zumeist unveränderte Wirtschafts-
gebäude des 18.Jh. sich locker um das zentrale
Wohn-(Wirtschafts)gebäude mit der feldstein-
gepflasterten Hoffläche gruppieren, stellt durch
ihre Wassernähe eine typische Hofanlage dieser
Heideregion dar. Vor kurzem erst wurde das alte

Dorfmark, Fischendorferstr. 3, Hofanlage, 18.Jh.


Zweiständer-Hallenhaus des Hofes abgebro-
chen, an das um 1900 das heutige Wohnhaus,
wie vielfach üblich, als Quertrakt angesetzt
worden war und das heute mit erneuertem
Giebel im Zentrum der Anlage steht. Es ist ein
schlichter, allenthalben von Zierziegelsetzungen
gekennzeichneter eingeschossiger Ziegelbau
mit traufseitigem Zwerchhaus über dem zeitge-
nössischen Hauseingang. Etwa gleichzeitig und
in gleicher Bauweise ist der benachbarte
Schweinestall erbaut worden. Neben dem freien
Platz des früheren Haupthauses steht eine klei-
ne schmale Scheune/Speicher als verbohlter
Wandständerbau in Oberrähmkonstruktion mit
eingehälsten Ankerbalken aus der 2. Hälfte des
18.Jh. Die von mächtigen Eichen überschattete
Hofzufahrt von Osten wird begleitet von dem
Giebel einer nur wenig jüngeren, größeren
Vierständer-Scheune unter hohem Halbwalm-
dach (2. Hälfte 18. bzw. Anfang 19.Jh), mit
einem verbohlten und auch verbreiterten Unter-
rähmgerüst. Selten ist das durch die einseitige
Kübbung asymmetrische Dreiständergerüst des
vermutlich gleich alten, geschossweise verbohl-
ten Hofschafstalls mit außermittiger Längsein-
fahrt und daneben liegender Schäfertür sowie
einer Speichertür im Trapezgiebel. Er rundet das
Bild dieses schützenswerten, überwiegend
jedoch ungenutzten Hofensembles.
Der 1528 bezeugte, frühere Kothof daneben hat
sich aufgrund seiner verkehrsgünstigen und
trotzdem idyllischen Lage jenseits der Böhme-
wiesen zwischen Bundesstraße und Böhme seit
1954 zu einem Pensions- und Gaststättenbe-
trieb gewandelt (Fischendorfer Straße 5).
Entsprechend sind in dem 1764 erbauten, hinter
Garten bzw. Vorgarten zurückliegenden Vier-
ständer-Hallenhaus Umbauten vorgenommen
worden, wie u.a. der Umbau des Wirtschafts-
traktes und der des Dachgeschosses durch das
Hinzufügen von langgezogenen Gauben. Trotz
einiger weiterer Eingriffe, u.a. Fenstereinbauten
in wichtige Gefügeteile und Vermauerung des
mittigen Einfahrtstores, behauptet sich der stark
vorkragende Wirtschaftsgiebel durch seltene
Gestaltungselemente, wie die von älteren
Renaissancebauten entlehnten Fächerrosetten
in den Fußdreiecken des Trapezgiebels sowie
durch Inschriften in Dach- und Torbalken. Das
traufseitige, durch eine strenge Aufteilung
elegant wirkende Eingangstürelement ist wohl
erst zu Beginn des 20.Jh. eingesetzt worden.
Inmitten der ansonsten 1945 erneuerten Hofge-
bäude steht der kleine 1791 erbaute 1 1/2-
stöckige Treppenspeicher. Sein üblicherweise
verbohltes und in Hochrähmbauweise mit einge-
zapften Ankerbalken aufgebautes Fachwerkge-
rüst mit traufseitiger Doppeltür und giebelseitiger
Treppenanlage unter vorspringendem Sattel-
dach wird von entsprechenden Profilierungen
der unterstützenden Kopfbänder gekennzeich-
net.
Die größte, noch in Betrieb befindliche Hofanla-
ge dieses Dorfkerns ist auch nach dem Verlust
großer Ländereien an den Truppenübungsplatz
die östlich anschließende, von der Hauptstraße
geteilte, ehemalige Vollhofstelle Nr. 65, die seit
1378 auch als Mühlenhof Fischendorfs Erwäh-
nung findet. Südseitig ist neben dem begradig-
ten Bachlauf noch der Rest eines seit dem 18.
und 19.Jh. sehr stark verkleinerten (Mühlen)-
Teiches zu erkennen. Der entsprechend eines

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