Pantel, Etta [Hrsg.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 25): Baudenkmale in Niedersachsen: Landkreis Soltau-Fallingbostel — Braunschweig, 2001

Seite: 222
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bracht. Die ausschließlich nord-süd-gerichtete
Straßenführung bringt Büchten auch heute noch
in eine abseitige Lage zu den überregionalen
Verkehrsbändern der Autobahnen bzw. der
Bahn.
Von Büchten ist bekannt, dass zahlreiche Hoch-
wasser (1736 und 1926) und große Dorfbrände
(1628, 1717, 1812) die alten unregelmäßig be-
bauten Hofstellen vielfach vollständig vernichte-
ten. Dies ist gut erkennbar an der östlichen Hof-
reihe, deren Hauptgebäude aufgrund von Vor-
sichtsmaßnahmen in gleichen Abständen auf
gleichmäßig großen Parzellen in Ost-West-Rich-
tung wieder errichtet wurden.
Gleich nach dem Brand von 1814 ist die Scheu-
ne des Hofes Büchtener Hauptstraße 1 ent-
standen. Durch seine Ecklage prägt der langge-
streckte Baukörper der Fachwerkscheune mit
dem gleichmäßigen auf Sandsteinsockel errich-
teten Gefüge und dem großen Halbwalmdach
diesen Abschnitt der alten Dorflage. Von den
drei Querdurchfahrten ist eine wohl nachträglich
durch einen Stalleinbau mit den typischen halb-

runden Fenstern geschlossen worden. Der
rückseitige, 1816 datierte Speicher mit integrier-
tem Wohnteil ist teilweise aus wiederverwende-
ten Hölzern errichtet worden.
In dieser Dorflage, in der nur wenig von der
historischen Bebauung erhalten geblieben ist,
fällt ein ungenutztes kleines Backhaus auf, das
auf der alten unregelmäßigen Parzelle des Hofes
Büchtener Hauptstraße 8 am ehemals süd-
lichen Dorfrand steht. Es wurde wohl zu Beginn
des 19.Jh. ebenfalls mit wiederverwendeten
Hölzern in Oberrähmkonstruktion errichtet und
zeigt noch zahlreiche Gefache in Lehmgeflecht
und eine historische Verbretterung der Giebel.
Die auffällig starke Siedlungsentwicklung im
Süden und Südwesten des Dorfkerns, fast bis
Grethem bzw. bis zur ehemaligen Bahntrasse im
Westen, hat wohl seinen Ursprung bereits in der
frühen Aussiedlung der sog. Häuslinge (Landar-
beiter) an den Rand des Dorfes. Dies geschah
schon seit dem 17.Jh. Später hat das Arbeits-
platzangebot in der nahen Schachtanlage Gre-
thems zu Beginn dieses Jahrhunderts sowie der

Hademstorf, Hannoversche Str. 16, Wohnwirtschaftsgebäude, 1691


Zuzug von Geflüchteten nach dem Zweiten
Weltkrieg noch ihre Ausdehnung gefördert, die
auch heute noch, trotz der erwähnten abseiti-
gen Lage, voranschreitet.
HADEMSTORF

Die Gemeinde Hademstorf mit derzeit etwa 800
Einwohnern gehört der Samtgemeinde Ahlden
an und liegt östlich der Aller zwischen Hodenha-
gen im Norden und Schwarmstedt im Süden.
Die Landesstraße 190 durchquert die Ortslage
in Nord-Süd-Richtung und bindet sie in kurzer
Entfernung an die Bundesautobahn Hamburg-
Hannover bzw. etwas weiter nördlich an die
Autobahn nach Bremen an. Die verkehrsgünsti-
ge Lage Hademstorfs, die schon ab 1911 mit
einem Haltepunkt an der Bahnstrecke Ham-
burg-Hannover erreicht wurde, ermöglichte zu-
nächst neue Arbeitsplätze, wie in dem inzwi-
schen stillgelegten Torfwerk, das ab 1948
Presstorf aus dem Ostenholzer Moor verarbeite-
te. Auch für die 1941-70 erfolgte Ausbeutung
des Erdölfeldes, das in 1.400 Metern Tiefe unter
der südöstlich verlaufenden Salzstockflanke
Grethem-Büchten gefunden wurde, war der
Bahnanschluss von Bedeutung. Seit dem Nie-
dergang der Industrie ist der Ort zu einer Pend-
lergemeinde geworden.
Am Rande des Dorfkerns bis hin zum Bahnge-
lände ist die umfangreiche Siedlungstätigkeit
deutlich erkennbar, die durch den Bevölke-
rungszuzug besonders nach dem Zweiten Welt-
krieg erfolgt war.
Auch im ehemals ausschließlich landwirtschaft-
lich geprägten Dorfkern selbst mussten beson-
ders in jüngerer Zeit ein Großteil der landwirt-
schaftlichen Gebäude starke Veränderungen
hinnehmen. Durch zusätzliche Wohnbebauung
auf den alten Hofparzellen wurde deren ur-
sprüngliche Struktur verunklärt. Ebenso hat der
verkehrsgerechte Ausbau der Ortsdurchfahrt viel
von der alten Dorfstruktur zerstört. Lediglich die
Parzellenstruktur des ehemaligen Haufendorfes
mit den fast sternförmig in der Dorfmitte zusam-
menlaufenden Wegen ist im Grundriss erhalten
geblieben. Besonders auf der Westseite, wo
sich die Allermarsch teilweise in den Ort hinein-
zieht und bei Hochwasser im Nordosten zwi-
schen den Höfen Seen entstehen lässt, ist darü-
ber hinaus noch die Anlage der großzügigen
lockeren Hofbebauung erkennbar, wenn auch
die meisten Gebäude selbst stark verändert
sind. Von der etwa zwei Kilometer entfernten Al-
ler aus lässt sich der alte Dorfkern aufgrund sei-
ner zahlreichen hofständigen Eichen noch deut-
lich ausmachen.
Hademstorf ist, wie auch die benachbarten Dör-
fer, im breiten Allertal am Rande der Talsanddü-
nen auf einer etwas erhöhten Terrasse entstan-
den. Die bewaldeten Dünen im Osten und die
fruchtbaren Marschwiesen im Westen boten ei-
nen günstigen Siedlungsplatz, belegt durch
frühgeschichtliche Funde wie Hügelgräber aus
der Bronzezeit, Siedlungsfunde aus der vorrömi-
schen Eisenzeit bis hin zu den noch seltenen
Hinweisen von Siedlungskultur des 3.-5.Jh. Der
bereits 1242 genannte „Gieselher von Hadems-
torpe“ hat jedoch möglicherweise auf der 1394
zerstörten Uhlenburg bei Essel in der Samtge-

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