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Pantel, Etta [Hrsg.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 25): Baudenkmale in Niedersachsen: Landkreis Soltau-Fallingbostel — Braunschweig, 2001

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https://doi.org/10.11588/diglit.43924#0246
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de wurden in der Art eines Hallenhauses als
breit gelagerte massive Rohziegelbauten mit
knappen Ziersetzungen auf unterschiedlich ho-
hem Ziegelsockel unter Halbwalmdach aufge-
führt und weisen einige nachträgliche Verände-
rungen auf. Das im Dachraum mittels einiger
Gauben ausgebaute, queraufgeschlossene
Wohnhaus ist heute verputzt. In jüngerer Zeit
haben die segmentbogigen Fensteröffnungen zu
beiden Seiten der zeitgenössischen, zweiflügli-
gen Haustüren einige moderne Flügel erhalten.
Auch die Scheune mit der historisch mittigen,
segmentbogigen Toreinfahrt ist durch zusätzli-
che Garageneinfahrten und einen südseitigen
Wohnungseinbau etwas verändert worden.
Obwohl der in älterer Literatur ursprünglich als
„kreisrund“ beschriebene Kirchhof um das alte
Kirchengebäude 1848 durch einen Teil des
Pfarrhofes erweitert worden war, musste er auf-
grund häufigen Hochwassers in seinen Randbe-
reichen schon 1859 auf ein erhöht liegendes
Grundstück am südöstlichen Ortsrand verlegt
werden (Auf dem Horn). In der Nordwestecke
dieses von hohen Hecken eingefassten nörd-
lichen Friedhofsabschnitts ist ein Familiengrab
mit einer Gruppe von fünf seit 1874 aufgestell-
ten, unterschiedlichen Grabkreuzen erhalten ge-
blieben, die in Gusseisen bzw. Sandstein herge-
stellt worden sind. Ganz in der Nähe steht ein
vermutlich um 1900 auf einem Feldsteinsockel
errichteter Grabstein der Neuenkirchener Müller-
familie in Form eines Obelisken. Neben zahlrei-
chen historischen, aber oftmals überformten
Grabstellen ist noch das schlichte, gusseiserne
Kreuz des Pastors Arfkens von 1894 erwäh-
nenswert, das an der ost-west-gerichteten Kopf-
lindenallee im Süden dieses Friedhofbereiches
liegt.
Der Siedlungsstamm des Bauerndorfes Neuen-
kirchen ist in dem sog.Jördebuch von 1680 mit
fünf sog. Meyerhöfen aufgeführt, die wohl vor
allem im Nordosten des Kirchengeländes in
Bachnähe entstanden waren. Zwei von ihnen
mussten schon zu einem früheren Zeitpunkt
geteilt worden sein; denn im Jahre 1650 und
1692 wurden zwei Voll- und sechs Halbhöfe
verzeichnet sowie schon um die 20 Kleinbau-

ernstellen, sog. Brinkkaten. Einer späteren Quel-
le zufolge gab es 1739 insgesamt neun sog.
Höfner (mit einem grundherrenfreien Hof), zwölf
Kötner sowie fünf Neubauern. Durch Teilungen
und Nachsiedlungen zwischen Hoffläche und
Feld, aber auch durch Neuansiedlungen von
Kleinbauern am Ortsrand waren die alten Sied-
lungsflächen schon früh verdichtet und erweitert
worden.
In seiner historischen Parzellenstruktur noch
erkennbar ist der Bereich östlich der Bahnhof-
straße, welcher aufgrund seiner etwas erhöhten
Lage am Bachrand sicherlich schon sehr früh
besiedelt war. Zahlreiche Bäume überschatten
heute die alten Hofstellen mit den nord-süd-
gerichteten Wohnwirtschaftsgebäuden sowie ei-
nigen Nebengebäuden aus dem 18.Jh. Sie sind
bei der verheerenden Feuersbrunst von 1828
verschont geblieben, bei der im historischen Be-
reich um den Marktplatz herum 15 Gebäude,
darunter acht Haupthäuser, zerstört worden wa-
ren. Auch bei den zum Kriegsende 1945 geführ-
ten, erbitterten Kämpfen gegen den Vormarsch
englischer Truppen blieb dieser im Hintergrund
liegende Bereich weitgehend verschont, wäh-
rend im Dorfbereich viele Gebäude von dem
entfachten Feuer vor allem zu beiden Seiten der
Bahnhofstraße und weiter südlich ganz oder in
Teilen zerstört worden sind. Die Gebäude auf
zwei inzwischen durch Teilung eingeengten Par-
zellen historischer Hofstellen, die über die nach
Süden abknickende Stichstraße Auf dem Horn
erreichbar sind, mussten aber auch im Laufe
der Zeit zahlreiche Veränderungen hinnehmen,
u.a. aufgrund von Zerstörung, Umnutzung oder
Modernisierung.
Noch heute begrenzt der Hahnenbach die hinte-
ren Bereiche dieser alten Hofgrundstücke. Der
sog. Vollhof „Möhringhof“ (Bahnhofstr. 12), auf
dem vor seiner Umsiedelung nach Schneverdin-
gen auch der Neuenkirchener Amtsvogt unter-
gebracht war, wird vielfach als die ehemals
reichste Hofstelle Neuenkirchens dargestellt.
Möglicherweise war sie als einer von drei er-
wähnten Höfen bereits im Mittealter mit einer
der ältesten, bereits 1337 urkundlich erwähnten
Wassermühlen des Altkreises Soltau verbunden.

Neuenkirchen, Bahnhofstr. 11, Speicher, 1686


Diese stand sicherlich damals direkt an dem
ehemaligen Mühlenstau (und zeitweiligen Bade-
see), der direkt nördlich an die alten Hofflächen
anschließt. Die weiter westlich errichteten Nach-
folgebauten der Kornmühle waren ab 1863 bis
1986 als Sägemühle in Benutzung.
Im Hintergrund des vom Krieg teilweise zerstör-
ten und erneuerten Hallenhauses, mit einem
Kern von 1764, steht der ungenutzte große
Speicher des früheren Mühlenhofes. Heute ge-
hört das bewaldete Grundstück zu einer weitaus
jüngeren, westlich der Bahnhofstraße liegenden
Vollhofstelle, Nr. 11. Das kräftige, wie üblich voll-
ständig verbohlte Fachwerkgerüst des früheren
Kornspeichers in Dachbalkenkonstruktion ist
bereits 1686 aufgebaut worden und gehört
somit zu den ältesten und, aufgrund seiner
ungewöhnlichen Grundrissgröße und Zweige-
schossigkeit, zu den imposantesten Gebäuden
innerhalb der Gemeinde. Es stellt einen gegen
Ende des 17./Anfang des 18.Jh. entstandenen
Speichertypus dar, mit allseitigen Auskragungen
auf gerundeten Balkenköpfen und ebensolchen
Füllhölzern, die im kräftig vorkragenden Dachge-
schoss giebelseitig von profilierten Knaggen
unterstützt werden. Die Türstürze der etwas ver-
setzt übereinander liegenden giebelseitigen Zu-
gänge enthalten jeweils Inschriften und eine
Datierung. Hier ist die Außentreppe abgebro-
chen und durch eine Innentreppe ersetzt
worden.
Die aus Wohnwirtschaftsgebäude und Scheune
bestehende, nachbarliche Hofstelle des ehema-
ligen Schmeershofes, Auf dem Horn 11, bildet
die einzige denkmalwerte Hofgruppe im Kernort
Neuenkirchen. Die ebenfalls sicherlich im 18.Jh.
entstandenen Gebäude weisen trotz einiger
Veränderungen ein jeweils intaktes Gefüge auf,
wie bei dem tragenden Gerüst des breitgelager-
ten Zweiständer-Hallenhauses unter Halb- bzw.
Dreiviertelwalmdach. Es wird jedoch durch eini-
ge Fenstereinbauten und Zusetzungen im
Wohngiebel sowie durch die nachträglich von
einem Rolltor geschlossene, mittige Toreinfahrt
des verbreiterten Wirtschaftsgiebels und einer
Welleterniteindeckung beeinträchtigt. Der auf
einem Feldsteinsockel aufgestellte Wandstän-

Neuenkirchen, Bahnhofstr. 11, Speicher, Detail


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