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heute Bestand hat. Der mit dem Truppen-
übungsplatz verbundene Zuzug von Familien
und der Bedarf an Dienstleistungen, Handel und
Gewerbe wog den Verlust von ca. einem Viertel
der Fläche des Gemeindegebietes auf (ca.
25 qkm).

chen Dorfbereich so zahlreich vorhanden gewe-
senen Hofanlagen. Diese haben sich durch den
Strukturwandel im 19. und 20.Jh. aufgrund von
Umnutzungen und daraus resultierenden Um-
und Neubauten sowie durch Siedlungsverdich-
tungen zumeist stark verändert.

Die Struktur des Kernortes Wietzendorfs wies
schon zur Zeit der kurhannoverschen Landes-
aufnahme zwei Siedlungskerne auf, die nördlich
und südlich der Wietzeniederung zu beiden
Seiten einer Furt entstanden waren. Diese wur-
de später von der Heerstraße und späteren
Postroute als Übergang genutzt.
Der nördliche Siedlungsbereich wurde, wie heu-
te noch, von vier Hofanlagen gebildet, die knapp
hinter der Brücke zu beiden Seiten der Orts-
durchfahrt, der K 10, haufendorfartig angeord-
net sind. Charakteristisch sind die für Heidehöfe
typischen großräumigen Parzellen, so insbeson-
dere die des sog. „Peetshofes“, der in dem
erhöhten Dreieck zwischen Wietze und Aue
angesiedelt ist (Über der Brücke 1). Zusammen
repräsentieren sie die ehemals auch im südli-

Beim „Peetshof“ handelt es sich sicherlich um
einen der bereits 1438 in Wietzendorf erwähn-
ten Höfe (später einer der neun Vollhöfe). Die
parallel zum Straßenverlauf rechtwinklig ausge-
richteten, stattlichen Fachwerkbauten ersetzen
seit der 2. Hälfte des 19.Jh. die ehemals sicher-
lich verstreut gelegenen historischen Hofgebäu-
de und bilden somit eine für ihre Erbauungszeit
typische einheitliche Anlage. Nach umfangrei-
chen, Umbau- und Restaurierungsmaßnahmen
ist der Hof 1990 als Kulturzentrum und Dorfge-
meinschaftshaus in Betrieb genommen worden.
Das hinter einem Vorgarten traufständig zur
Straße stehende großräumige Haupthaus stellt
sich als ein 1874 erbautes, für die Zeit typisches
Vierständer-Hallenhaus mit fast symmetrisch ge-
gliedertem Wirtschaftsgiebel dar, dessen helles

Fachwerk mit den geschosshohen Eckverstre-
bungen sich von den schlichten Ziegelausfa-
chungen abhebt. Es ist im wesentlichen unver-
ändert geblieben, einschließlich der bei Wohn-
wirtschaftsgebäuden ungewöhnlichen quaderi-
mitierenden Holzverkleidung des Wohngiebels
sowie der beiden Schleppgauben über dem
Wohntrakt. Kleine Fensteröffnungen oberhalb
der halbrunden Stallfenster und der Türen er-
gänzen die Belichtung der Hofseite, um den
Wirtschaftstrakt als Saal nutzen zu können. Der
zweigeschossige Wohntrakt wird u.a. als Mu-
seum für die seit 1910 begonnene, heimatge-
schichtliche Sammlung gebraucht. Ergänzend
ist ein Bauerngarten mit regelmäßig aufgeteilten
und von kleinen Hecken umzäunten Beeten
angelegt worden. Die 1876 entstandene Scheu-
ne unter hohem Halbwalmdach mit drei Quer-
durchfahrten und einer jüngeren Einfahrt wird als
Ausstellungsraum aber auch zum Wohnen be-
nutzt. Zu diesem Zweck ist der hintere Giebel
durch Fenstereinbauten verändert worden. Sel-
ten ist das westseitig angesetzte Göpelhaus,
dessen überdachte sechseckige Holzkonstruk-
tion noch einen funktionstüchtigen Pferdegöpel




Wietzendorf, Über der Brücke 4, Ende 19.Jh.

Wietzendorf, Über der Brücke 4, Wohnwirtschaftsgebäude, 1851



Wietzendorf, Hauptstr. 18, Ev. Kirche St. Jakobi, Wietzendorf, Hauptstr. 18, Ev. Kirche St. Jakobi, 1870/71, Arch. C. W. Hase
1870/71, Arch. C. W. Hase

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