Wagner, Heinrich
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Oberhessen: Kreis Büdingen — Darmstadt, 1890

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I 20

KREIS BÜDINGEN

1620 eingehauen, und über dieser Thüre bemerkt man im oberen Teil der Mauer
eine achteckige steinerne Tafel mit zwei Wappenschilden, darauf rechts eine
springende Ziege, links drei Kugeln. Der Schlussstein des Hofthores hat noch
Spuren eines früher vorhandenen, jetzt abgehauenen Wappens.

In der Gartenmauer der Hofreite steckt eine zugemauerte profilierte Thür-
umrahmung mit der Jahreszahl 1585 im Schlussstein.

Im unteren Teile von Echzell nahe der Horloff steht die sogenannte Burg,
ein Gebäude neueren Ursprungs, das aber auf den Grundmauern eines alten, von
Wassergräben umgebenen Schlosses erbaut ist. Keinerlei Reste desselben sind er-
kennbar an dem jetzigen Bauwerk, dein Eigentum des Herrn von Harnier, das
vordem seinem Onkel, dem letzten Herrn von Pretlack gehörte.

Das »Burggut zu Echzell und der Häusser Hof« waren Bestandteile der liegenden Güter,
welche Johann Rudolph von Pretlack, Königl. Kaiserl. General-Feldmarschalls-Lieutenant von
der Cavallerie, Gouverneur der Stadt und Festung Giessen, Obrist und Commandant über die
fürstliche Leibgarde zu Pferd u. s. w. in seinem 1737 errichteten Testament*) seinen Söhnen
verschrieb. Vordem war es im Besitz des Dr. Wilhelm Kornacher, welcher die »Adelige frey
Hoffreitt die Burk genannt« mit allen In- und Zugehörungen, worunter »Häuser, Scheuern,
Stallungen und andere Gebäu, Wassergräben, Acker u. s. w.« genannt sind, »sambt einem Wald
beym Heusser Hof von 500 Morgen« von Herrn Ludwig von Brambach und seiner Ehefrau,
geb. Hack, 1693 gekauft hatten.**) Sichere Nachweise über die früheren Inhaber der Burg
fehlen. Der Gedanke, dass einst die Herren von Echzell darin ihren Wohnsitz hatten, ist
naheliegend.

An einem alten, hübschen Holzhaus, das die Nr. 73 hat, bemerkt man ein-
fache, aber wirksame Schnitzerei.

Der vorerwähnten Apotheke gegenüber steht das Pfarrhaus, das von dem
Gesindehaus durch den üblichen Thorbogen und die Einfahrt getrennt ist. Darin
liest man das in einer Holzschwelle eingeschnittene Distichon: ÄiDIßVS . HIS .
CVM . CHORTE . BONVS . BENEDICAT . IOVA . FRVMENTA . AC . HOMINKS .
PROTEGAT . ET . PECORA . ANNO . \663 . \8 . Jun. Auf deutsch: Dieses Haus
mit dem Hofe segne der Herr! Er schütze Getreide und Menschen und Vieh.
Anno 1663. 18. Juni.

Taufstein Im Pfarrgarten steht ein alter schöner Taufstein aus Basalt-Lava ganz ähnlich

den in Grossenlinden, ***) Heuchelheim und anderen Orten der Umgegend von
Giessen erhaltenen Taufsteinen aus dem Ende des 12. und der ersten Hälfte des
13. Jahrhunderls. Der Stein hat die Form eines nach unten etwas verengten
Kegelrumpfes von 1,45 m äusserem Durchmesser, 0,22 m Wandstärke und 0,75 m
Höhe. Der breite obere Rand ist mit einem Rinnleisten unterschnitten. Darunter
umzieht ein flacher, romanischer Bogenfries die Wandung und läuft nach unten in
Lisenen aus. Der zum Teil in der Erde steckende Stein dient jetzt als Brunnentrog.

Ziehbrunnen Ein steinerner Ziehbrunnen steht am westlichen Ende des Ortes in der

Lindenstrasse. Die kreisrunde Brunneneinfassung, so wie die zwei Steinpfosten und

*) Grossh. Haus- u. Staats-Archiv zu Darmstadt.
**) Ebendas. Fase. Gemeinde-Eigentum Echzell.
***) Arch. f. Hess. Gesch. VI, S. 230 mit Abbildung.
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