Wagner, Heinrich
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Oberhessen: Kreis Büdingen — Darmstadt, 1890

Seite: 266
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KREIS BÜDINGEN

ist erkerartig die Kapelle ausgebaut. Sie ist nach ihren architektonischen Merk-
malen in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts zu setzen; und die über Fig. 145,
sowie hierneben abgebildeten Steinmetzzeichen, die „ „

sich an den Werksteinen der mit Steinbänken ver-
sehenen Fensternischen dieser Säle vorlinden, haben
das Gepräge der ersten Jahrzehnte desselben Jahr-
hunderts.

In dieser Zeit, 1328, verbauten Johann von Rockenberg und dessen Sohn Werner 1610 Pfund
Heller in der Ronneburg und 1371 gab Erzbischof Gerlach von Mainz dem Ritter Frank von
Kronberg die "Weisung, die notwendigen baulichen Veränderungen am Schlosse vorzunehmen gegen
Ersatz der entstehenden Unkosten.*) In die Kapelle des Hauses Ronneburg, welche unter dem
Abt von Selbold stand,**) stiftete Bechthold Menger zu Gelnhausen und Katarine seine Ehefrau
1396 einen Altar, dessen Verleihung sie an Walter von Kronberg und dessen Erben verbrieften.

Aus früherer mittelalterlicher Zeit scheinen auch die an der Westseite vor-
gelegten Befestigungswerke, die aus Basalt-Bruchsteinen gemauert sind, herzurühren.

Ausserhalb des Hauses Ronneburg standen laut Verzeichnis um 1570 das
Brauhaus,***) dessen Giebel man noch in Hoeck's Abbildung von 1790 (S. 260,
Anm.*) bemerkt, ferner zwei Scheuern. Ausserdem umfasste der Viehhof zu Wieder-
mus »Plaus, Scheuern und andere Gebeue«, die zum Teil noch erhalten sind. An
einem derselben bemerkt man die eingemauerten Wappen von Ysenburg-Ronneburg
und von Gleichen, mit den Anfangsbuchstaben Heinrichs von Eysenburg, Grafen
zu Büdingen und dessen Gemahlin Elisabeth von Eysenburg, Gräfin und Frau zu
Büdingen, geborne Gräfin zu Gleichen.

SCHWICKARTSHAUSEN

Allgemeines

FARRDORF am Laisbach, nordwestlich von Büdingen, wird in der
Form Suigereshusen, zuerst in einer Urkunde von 1020 genannt,!) inhalts-
deren der dortige Zehnt der Kirche des h. Udalrich zu Krainfeld
zugeteilt ist. Schwickartshausen bildete seit dem Anfang des 13. Jahr-

hunderts einen Bestandteil des Gerichtes Lissberg und der gleichnamigen Herrschaft
(S. 197), dessen Geschicke es teilte, somit 1450 an Hessen kam.
Kirche Die Pfarrkirche zu Schwickartshausen kommt erstmals 1344 urkundlich vor,ff)

Sie war die Mutterkirche des Gerichts Lissberg und stand unter dem Archidiakonat
des Marienstifts zu den Greden in Mainz. Patronatsherr war der Abt zu Fulda.

*) Kaur, Hess. Urk. I S. 511, No. 736 u. Reg. Boica IX, S. 254.
**) Simon, a. a. O. I, S. 36. — Baur, a. a. O. I, S. 834, No. 1250.
***) Auch in der Beschreibung von 1619 (a. a. O.) heisst es: »Ausserhalb bei der Brucken das Brauhaus und
2 Boden darauf, an dem Brauhaus 2 Türme u. s. w.«
t) Dronke, Trad. et Ant. Fuld. S. 58.
tt) Guden. Cod. Dipl. III, S. 331 u. 332; — Würdtwein, Dioec. Mog. III, S. 178.
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