Wagner, Heinrich
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Oberhessen: Kreis Büdingen — Darmstadt, 1890

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ORTENBERG

2,51

Zu dem ehemals hanauischen Viehhof müssen die
noch erhaltenen Wirtschaftsgebäude der grällich stol-
bergischen Ökonomie-Verwaltung gehört haben. Das
Steinwerk derselben hat die Merkmale des 16. und 17.
Jahrhunderts. In einer Mauernische ist das hier neben
abgebildete Steinbild aufgestellt. Das frühere städtische
Wirtshaus, jetzt Gasthof zur Post, hat einen Treppenvor-
bau, woran das Stadtwappen und che Zahl 1770 ausge-
meisselt sind.

Die Stadt besitzt einen alten tiefen Brunnen (bei 4,
im Plan, S. 233) nächst der Ringmauer an der Nidder,
in dessen Quadermauern bei niedrigem Wasserstand
Jahreszahlen aus frühmittelalterlicher Zeit zu lesen sein
sollen.

STADTBEFESTIGUNG. Ortenberg war 1541 rings ummauert, sowie mit
einem »gebickten Hagen- und Doppelgraben« umfangen. Es hatte drei Pforten mit drei
Pfortentürmen, dazwischen
drei kleinere Türme und H
einen runden hohen Turm,
»bei Rosenbach's Haus«,
darin ein Gefängnis. Von
diesen Siadtbefestigungs-
wetken, die sich an die
Burg anschlössen, stehen
noch ansehnliche Oberreste

der ganzen Ringmauer (Plan, S. 233), mit dem am nördlichen Ende oberhalb der
Nidder befindlichen, viereckigen Turm V, dem südlichen runden Gefängnissturm II, dem
Pfortenturm 1 und Trümmern des kleinen Rund-
turmes VI an der südöstlichen Ecke. Die der öst-
lichen Ringmauer vorgelegten Graben und Dämme
sind deutlich wahrnehmbar und hieroben im
Profil dargestellt. Auch der Wehrgang der Ring-
mauer ist an einzelnen Stellen, z. B. am Garten
der gräflichen Oberförsterei noch zum Teil er-
halten. Unter den Wehrgängen sind der Mauer
nach innen halbkreisförmige Blendbogen in Ax-
weiten von ungefähr 4 m vorgelegt. Einschliess-
lich dieser Vorlagen beträgt die Mauerstärke
1,90 m.

W

Ein sehr bemerkenswertes Bauwerk ist der Turm der Oberpforte, der in Turm

t*. ■.. , ■ , . • t^- i •' 1 * t~.* . . . 'der Oberpforte

hig. 131 m äusserer Ansicht, in big. 133 im Grundnss und in rig. 132 in mehreren
Einzelheiten dargestellt ist. Die frühgotische Formbildung derselben lässt erkennen,
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