Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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6q kreis worms

HEPPENHEIM a. d. wiese

Allgemeines jSjÄr^fjmÖMFARRDORF, südwestlich Worms am Eisbach, schon 766 unter dem
S&rjW§^ gleichen Namen vorkommend. Der Ort befindet sich 1467 urkundlich
(*^tmv^") *)e* c'er Pfa^z' welche nach dem alten Weistum, wovon Abschrift im
i^'W1-5-*« Gemeindearchiv sich befindet, 1484 das Gericht inne hatte.
Kirche Die ev. Pfarrkirche stellt sich als ein einschiffiger Bau mit einem schmäleren,

in 5 Seiten eines Vielecks geschlossenem Chor im Osten und einem viereckten
Turm im Westen dar. Das Schiff hat eine flache Decke, während den Chor ein
Kreuzgewölbe überspannt. Vier Seiten des Chors haben spitzbogige Fenster mit
spätgotischem Masswerk; das Schiff" spitzbogige Fenster in zwei Reihen übereinander,
deren obere zur Beleuchtung der Emporen dient. Es sind oben drei Fenster,
unten zwei, die je ein in neuerer Zeit angelegtes Portal im Norden und Süden
zwischen sich haben. Die Fensterscheiben sind in alte eiserne Bänder gefasst.
Der Turm hat drei Stockwerke und ein auf einem Unterdach aufsteigendes spitzes
Helmdach. Die Fenster sind teils spitz- teils rundbogig, jene im ersten Stockwerk
sind nach innen viereckt. Die Kirche wurde zu Anfang der fünfziger Jahre einer
gründlichen Renovation unterzogen; damals wurden das Schiff erhöht, die Portale
angelegt und die innere Einrichtung hergestellt, die wesentlichen Bestandteile aber,
wie die Mauern des Schiffs und Chors mit den Spitzbogenfenstern und das Gewölbe
des letzteren, gehören dem alten Bau an. Derselbe war den Aufzeichnungen des
Weistums nach 1596 errichtet, und damit stimmen auch die zahlreichen an den
Schifffenstern angebrachten Steinmetzzeichen überein. Am Chor ist nur ein solches
Zeichen, und zwar an einem Fenster. Die Kirche bildet gleich anderen im Kreise
Worms ein bezeichnendes Beispiel nir die Fortdauer der gotischen Bauweise bis in
das 17. Jahrhundert hinein.

Von Details ist noch der Schlussstein im Gewölbe des Chors zu erwähnen,
welcher eine Rosette darstellt.

Grabmai Hinter der Kanzel ist das Grabmal von Dieterich von Weier als eine Platte

in der Wand eingemauert. Die Umschrift ist durch den davor stehenden Kirchen-
stuhl teilweise verdeckt.

Kathaus Das Rathaus ist laut der Jahrzahl über der Thüre 1767 errichtet. Ebenda

sind die weiblichen Figuren der Gerechtigkeit und Religion als Steinskulpturen
angebracht. Die Bauformen zeigen den Geschmack jener Zeit. Ein alter Wächter-
spiess mit den in der hellebardenartig gestalteten Eisenspitze ausgeschnittenen
Emblemen einer Hippe und eines Kleeblatts, der Jahrzahl 177. (die letzte Ziffer ist,
da die betreffende Stelle später repariert wurde, nicht mehr vorhanden) und dem
Buchstaben W. wird auf der Grossh. Bürgermeisterei aufbewahrt. Ebenda noch
ein altes Nachtwächterhorn.
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