Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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KREIS WORMS

liehe Friedhöfe in Worms, der katholische bei der Amanduskirche (S. 146), der
reformierte an der Gaustrasse und der lutherische (sog. Pestkirchhof) zwischen der
inneren Stadt und der Liebfrauenkirche. Der reformierte Friedhof wurde schon
bei Einführung der Union geschlossen; von da an bis zur Anlage des gemeinsamen
Friedhofs benutzten, die Reformierten den lutherischen. Die archäologisch interessanteren
Monumente von dem letzteren sind jetzt in das Paulusmuseum verbracht ; ebenso
wenig enthalten die anderen heute bemerkenswerte Objekte,
israelitischer Links von der Andreasstrasse, vor der Stätte des ehemaligen Andreasthors

tnedhof °

liegt der alte israelitische Friedhof. Die in dem mehrerwähnten Werk von Lewy-
sohn publizierten Grabschriften rühren von ihm her. Wir haben einiger schon
gedacht. Von den andern erwähnen wir noch diejenigen zum Andenken an die
bei der Judenverfolgung des Jahres 1016 umgekommenen 12 Vorsteher, die Grab-
schrift des Baruch a. d. J. 1275, und diejenige des gelehrten Rabbi Meier aus
Rothenburg a. d. J. 1307. Der Friedhof hat auf dem westlichen Teil die ältesten
Grabsteine.

ÖFFENTLICHE PROFANGEBÄUDE

Hospital Das HOSPITAL in der Haardtgasse, ein Gebäude in Hufeisenform mit zwei

längeren Flügeln und einem kürzeren Mittelbau, wurde gegründet im Jahre 1772 und
stammt in seiner jetzigen Gestalt aus dieser Zeit. Alter ist von den noch erkennt-
lichen Bestandteilen das Treppenhaus in der Nordostecke des Hofes. Ein zierliches,
im Stil der guten Renaissance gehaltenes rundbogiges Portal führt zu der steinernen
Wendelstiege, deren Steinlehne zur Linken in die Mauer eingetieft ist. Rechts und
links der Thüre tragen zwei kannelierte Pilaster mit antikisierenden Kapitellen ein
aus Architrav, Fries und Kranzgesims bestehendes Gebälk. Der Fries sowohl, als
auch die Pilasterpostamente und die Thürlaibung zeigen im Metallstil aus Voluten,
bezw. Kreisen und Halbkreisen gebildetes Ornament. Ueber dem weit ausladenden
Kranzgesims ist eine runclbogig geschlossene Nische angeordnet.

Eine perspektivische Abbildung des Gebäudes befindet sich auf dem Avers der zum Gedächt-
nis an die Errichtung geschlagenen Medaille und zwar mit der Umschrift: Neves Spital Waysen-
vnd Armenhavs. Darunter: Fvnd • d ■ X • Dec • MDCCLXXII. Auf dem Revers ist eine Ansicht
der Stadt mit der Umschrift: Libera Wormatia S. R. L fidelis filia. Darunter das von Drachen
gehaltene Wappen mit Schlüssel und Stern.

Das GROSSH. KREIS AMTSGEB AUDE war früher che Dompropstei. Es
ist ein Haus mit Mansardendach, erbaut 1718 vom Kanoniker A. F. von Betten-
dorf. Die Jahrzahl ergiebt sich aus folgenden zwei Chronogrammen, die über der
Thüre stehen: InCenDIarIo Marte In Igne eXtInCta perII und Laeta paCe
reDeVnte e bVstIs MeIs refLorVI. Darunter befindet sich die den Erbauer

Kreisamts-
gebäude
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