Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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KREIS WORMS

Liebfrauenstrasse LIEBFRAUENSTIFT. Am Hause Nr. 44 ein gotisches Muttergottesbild in

einer Nische.

Lindenplatz In der engen Strasse, die vom LINDENPLATZ nach der Horngasse führt,

zeigen die Gewände einer Thüre Renaissanceformen; die Sockel haben stilisierte
Löwenköpfe im Relief, welche Ringe im Rachen haben; oben die Jahrzahl 1600.
Mähgasse MA HG ASSE. Am Ecke der Rheinstrasse ein Haus im Rokokostil mit zier-

lichem Ornament unter den Fenstern des oberen Stocks. Am Eck ein grosser
Anker mit den verschlungenen Buchstaben C und J. Das zweistöckige Haus Nr. 5
(Fig. 135) stammt laut angeschriebener Jahrzahl aus 1716. Die Facade desselben
springt um die Breite einer Vorhalle, zu welcher eine Freitreppe hinaufführt, gegen
die Flucht der benachbarten Häuser zurück. Die Vorhalle öffnet sich mit zwei
auf einem freistehenden Eckpfeiler ruhenden Rundbögen und trägt einen erkerartig
ausgebauten Teil des Obergeschosses. Dieses wird durch ein reiches Holzgesims
gekrönt, dessen geschnitzter grosser Eierstab besonders wirkungsvoll ist.

Martinsgasse In der MARTINSGASSE liegt das alte Tanzhaus, nun Magazin. Nach-

dem es im Mittelalter dem seinem Namen entsprechenden Zwecke gedient, war
es in der Reformation kurze Zeit Gotteshaus der Evangelischen und ward zu Ende des
1 7. Jahrhunderts Kommunpredigthaus, während die andern Kirchen verwüstet waren.
An einem Eckquader des zweiten Stockwerks der Schluss einer Inschrift von Minuskeln
aus dem 15. Jahrhundert. Wir lesen noch: .... bön PÖ lyfbercf .... Bumeyfter
. . . ar>f. Roller.

Mathildenstrasse MATHILDENSTRASSE. Nr. 11 hat noch einen gotischen Thorbogen. Das

Haus zur Trommel (Nr. 16) zeigt über der Hausthüre einen die Trommel schlagenden
Engel. Die Hausthüre hat einen Schlussstein mit verschlungenen Buchstaben und
ein hübsches eisernes Gitterwerk. Die Jahrzahl 1712 zeigt die Erbauung an. Der
Thürschluss, ein Triller, über den ein Strick läuft, ist noch alt. Nach dem Hof
zu eine zweistöckige Galerie, unten von einem, oben von drei Holzpfeilern getragen
und von einem Stiegenhaus flankiert. An einem Hintergebäude: 1724.

Das rote Haus (Fig. 136) neben der Friedrichskirche fällt schon durch seine
Facade nach der Strasse zu auf. Dieselbe zeigt zwei in guter Spätrenaissance mit
Gesimsen und Halbsäulen geteilte und mit Voluten geschmückte Giebel, auf den Schmal-
seiten Treppengiebel, und als Eingang ein gutes Portal. Die Bauzeit ist 1624, gegeben
durch die in sehr grossen Ziffern eingehauene Jahrzahl am Fenster neben der inneren
Öffnung der Thorfahrt; zur Seite der Jahrzahl sind ein Humpen und eine Kanne

eingemeisselt, das Zeichen des Gewerbes des Erbauers; denn zu allen Zeiten hat
der Weinhandel in Worms eine grosse Rolle gespielt. Links der Thorfahrt erhebt
sich ein hoher Stiegenturm mit schön gearbeiteter Wendelstiege, deren Steingeländer
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