Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 59.1943-1944

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Hände -wartet. Die Menschen des Forums sind nicht
mehr, und wir sind nicht für das Forum geschaffen.
Sicher werden wir sie immer wieder bewundern. Die
Schicksalsrunen sind so erschütternd. Aber um so stär-
ker erhebt das eigene Gesetz seine Stimme. Ich kann
auch nicht darum trauern, daß es damals mehr gab
und heute weniger. Es gibt heute eine Aufgabe, das
genügt."

Wie er dieser großen Aufgabe diente, wie ernst er
sie nahm und wie sehr er von seiner hehren Berufung
überzeugt war, davon zeugen seine Werke, von denen
einige Abbildungen dem Leser eine Vorstellung ver-
mitteln mögen.

Unter den Händen des 22jährigen entstand 1950 ein
..Jünglingstorso11 aus bläulichem Granit, der das pla-
stische Empfinden des Künstlers und seine Verehrung
für die Meister des Altertums ahnen läßt. Günter
von Scheven, der seine Lebensaufgabe darin sah, den
menschlichen Körper zu verherrlichen, ihn formvoll-
endet und ausdrucksvoll darzustellen, besaß selbst
einen urwüchsigen, frischen, sportlichen Körper, der
ihn in vielen Sportzweigen zu staunenswerten Lei-
stungen befälligte. Aus Liebe zum Sport und aus
genauer Kenntnis des feinsten Muskelspiels und der
Statik und Dvnamik des Sports erwuchsen seine schö-
nen Sportplaketten und olympischen Figuren wie
„Skiläufer11 (Relief), „Staffellauf11 (Relief), „Kugel-
stoßer11 (Bronze) und „Diskuswerfer11 (Bronze), die
zum Teil als Preise für die deutschen Studentenmei-
sterschaften in Bonn und Mannheim bestimmt waren.
Alle Figuren des Künstlers sind, unserer Zeit ent-

Foto R. Grimm, Berlin

Günter von Scheven. Bildnis eines jungen Mediziners

Foto R. Grimm, Berlin

Günter von Scheven. Bildnis R. G.

sprechend, wirklichkeitsnah, frei von unwahrem, über-
triebenem Pathos, geboren aus einem klassischen
Schönheitssinn. Zum Nachdenken zwingen seine
edlen Frauengestalten: das Menschliche spricht aus
ihnen, der Hauch herber Anmut umgibt sie. Seine
„Hockende11 (1952), „Trauernde11 (1. Fassung 1955,
2.Fassung 1956), „Stehende" (1959), „Sibylle" (1959)
und seine Bildnisbüsten, insbesondere die seiner Mut-
ter (1955) und Schwester (1956). ein ..Männerbildnis1"
(1952) und ein „Mädchenbildnis11 (1958) zeigen seine
Kunst in höchster Form und sagen uns, was wir von
ihm noch alles hätten erwarten dürfen. Während er
aus seinen Frauengestalten sein Gemüt sprechen
läßt, führt er uns in seinen Reliefs „Drachenkampf"1
und „Richtende Engel" (1958) auf das Gebiet des
Dramatischen. Theunissen wies 1956 in der „Kölni-
schen Zeitung" zweifellos mit Recht darauf hin. es
sei von Bedeutung, daß von Scheven, bevor er zur
Plastik kam. einige Dramen geschrieben hat.
In seinen vielen Zeichnungen hat uns der Künstler
ebenfalls einen köstlichen Schatz hinterlassen. Seine
Architekturzeichnungen und Aktstudien haben schon
oft die Besucher seiner Ausstellungen erfreut. Es sind
hauptsächlich plastische Zeichnungen, in denen die
Form herausgearbeitet ist. Man fühlt, daß sie von
einem Bildhauer stammen.

Der Krieg kam, und von Scheven legte Meißel und
Zeichenstift aus der Hand. Wie Millionen Männer
unseres Volkes folgte er dem Ruf der Waffen. In den
Feldzügen gegen Frankreich und Rußland hat sich
der Künstler Günter von Scheven als vorbildlicher

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