Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 59.1943-1944

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Foto Setita Grünivg, München

Der Bildhauer Hans Albrecht Graf Von Harrach. Von Günther Freiherr von Pechmann

Im Frühsommer des Jahres 1904 sandte ein in Flo-
renz lebender deutscher Bildhauer sein plastisches
Erstlingswerk, die lebensgroße Bronzebüste einer
jungen Frau, an die Münchener Sezession. Diese Ver-
einigung bildender Künstler Münchens unternahm
in jenem Jahr gemeinsam mit dem kurz vorher in
Weimar gegründeten ,,Deutschen Künstlerbund" die
Durchführung einer größeren Sommerausstellung.
Der Einsender der Büste hatte keine persönlichen Be-
ziehungen zu den Veranstaltern der Ausstellung, er
war als Bildhauer in München unbekannt, er hatte
auch keine Einladung zur Beteiligung erhalten. So
war es ihm durchaus ungewiß, ob sein eingesandtes

Werk Aufnahme in die Ausstellung finden würde.
Als er einige Wochen später in München eintraf und
die Austeilung am Königsplatz besuchte, sah er zu
seiner freudigen Überraschung, daß die eingesandte
Büste eine vorzügliche Aufstellung vor der Mittel-
wand des großen Plastiksaales erhalten hatte. Der
Schöpfer der Büste war Hans Albrecht Graf Harrach,
ein Sproß des alten standesherrlichen Geschlechts,
das der Donaumonarchie viele Generationen hindurch
Staatsmänner und Feldherren gegeben hat und dem
die Stadt Wien eine ihrer schönsten Privatgalerien
verdankt. Sein Vater, Graf Ferdinand Harrach
(1852—1915), hatte sich als Historienmaler und

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