Die Weltkunst — 11.1937

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4 _ _ DIE WELT KUNST Jahrg. XI, Nr. 52/33 vom 15. August 1937

von künstlerisch-hervorragender und richtung-
weisender Bedeutung, da sich in ihren Werken
der Ablauf dieser ganzen Entwicklung und
Wandlung der künstlerischen Gesinnung von?
Hochbarock bis zum Zopfstil mit aller Deut-
lichkeit gradlinig verfolgen läßt.

Jolninn Georg Ziesenis ist nicht nur einer
der gesuchtesten und fruchtbarsten Hofmaler
seiner Zeit gewesen, sondern er gehört auch
naoh seiner künstlerischen Wertung unbedingt
zu den größten Könnern auf seinem Gebiete.
Die hier vereinten Porträts bilden eine einzige
große Galerie der bedeutendsten deutschen
l'Yirs-leii- und Adelsfamilien im XVIII. Jahr-
hunderl und neben ein abgerundetes JSMd
seines hohen Könnens. „I3ei ihm verbindet
sich die Leichtigkeit des Rokokogeistes mit der
niedersächsischen Tiefgründigkeit.'' An Hand
seiner Gemälde lälil sieh deutlich verfolgen;
wie sieh der Künstler bei seiner Bildgestaltung
immer mehr von der oberflächlichen Pose los-
löst und tiefer in die seelische Haltung des
Dargestellten einzudringen bemüht. Minier der
reinen Repräsentation, der höfischen Pracht
der Uniformen and durch die Schleier der Eti-
kette sucht er das wahre Antlitz des Menschen,■
das in seinen Werken der Reife und des Alters
meisterhaft zu lebendigem Ausdruck gelangt.

- Einem glücklichen Zufall habe ich es übri-
gens zu verdanken, daß ich noch kurz vor der
Eröffnung der Ausstellung aus dem Familien-
besitz Baron von Kronenfeldt 4 cha-
rakteristische Porträts des Meisters aus seiner
besten Schaffenszeit feststellen konnte, die be-
reitwilligst der Ausstellung' zur Verfügung ge-
stellt worden sind. (Das Porträt der Sophie
Charlotte von Haus, geb. von Bennigsen, bil-
den wir auf Seite 3 ab.)

Auch in den plastischen Werken seines
Vettern J o h a n n F c i ed r i cIi Ziesenis
offenbart sich der gleiche geistige Entwick-
lungsprozeß. Von ihm sind mit wenigen Aus-
nahmen nur kirchliche Kunstwerke bekannt,
die für zahlreiche Kirchen in und um Han-
nover geschaffen worden sind: Altäre, Taufen,
Apostelfiguren, Epitaphe. .Hiervon sind fast
sämtliche transportablen Stücke zur Ausstel-
lung gelangt. Obgleich der Meister vom Han-
noverschen Hofe 1747/48 auf 15 Monate nach
Paris geschickt worden war, um sich dort

„unter dem berühmten Bouchardon zu perfec-
tionnieren", weisen seine Plastiken keinerlei
wesentliche französische Züge auf, vielmehr
zeigt sich auch hier überall das Streben, die
Theateratmosphäre des Überladenen fCirchen-
barocks zu durchbrechen und den Blick zum

169 Angeboten, wurde für eine Zeichnung
Rembrandts „Christus and die kanaanäischen
Weiber" 40') Pfund 10 s bezahlt. Die Zeich-
nung kam aus dem Besitz von Major H. E.
Morritt, war ursprünglich in der Sammlung
des Künstlers Thomas Hudson, von dem sie

Old Master Drawings. Band XI, Nr. 44 und 45. Lon -
don, ß. T. Botsford, London, 1937.
Die beiden neuesten Hefto dieses für den Kenner
und Liebhaber von Handzeichnungen unentbehrlidien Or-
gans veröffentlichen u. a. eine Gruppe mantognesker
Zeichnungen, ein Skizzenbuch Panninis im British Museum
und Einzolblätter von Dossi, Leonardo, Pisanello. Heft A5
ist ausschließlich dem Rekonstruktionsvorsuch des „Libro
do'Disegni" Vasaris gewidmet. Otto Kurz hat sich mit
grofiom Erfolg dieser für die Künstlergeschichte und das
Sammelwesen der Renaissance gleichermaßen wichtigen
Arbeit unterzogen, die Im nächsten Hefte von ,,Old
Masler Drawings" abgeschlossen werden soll. C. A. Breuer
Elek Petrovics: Leben und Kunst. B u d a p e s I , 1937.

Der Band enthält eine Sammlung kleinerer Studien
und Artikel, darunter wortvolle Beiträge zur ungarischen
Kunstforschung, sowie unter dem Titel ,,Aus der Museums-
praxis" Auszüge aus Schriften des Verf., die er seinerzeit
als Generaldirektor dos Budaposter Museums der bilden-
den Künste veröffentlicht hatte, und in welchen er für
das umfassendste Sammeln der ungarischen Kunsl als der
vornehmsten und naiurgegobenen Aufgabe eines unga-
rischen Museums, eingetreten war. Dr. Hajos

PREISBERICHTE

LITERATUR

Pavillon im großen Garten

Zur Wiedereröffnung der Herrenhäuser-Gärten Hannover (Foto Landesmuseum)

Menschlichen, zum niedersächsischen Menschen später in den Besitz seines Schülers Sir Joshua
zu öffnen. Reynolds überging. Sie wurde Mr. Watson

Zum Schluß sei noch bemerkt, daß von der zugeschlagen.
Museumsleitung nicht aar die bekannten
„eigenhändigen" Originalgemälde der Ziese-
nisse zur Schau gestellt worden sind, sondern

daneben auch ..... ähnlich wie auf der großen

Cranach-ÄuSStellung in Berlin — zahlreiche Kataloge des Germanischen Nationalmuseums zu Nürn-
Repliken, Copien und ausgesprochene Werk- be'0: Die Gemälde dos 13. bis 16. Jahrhunderls.

stattarbeiten, um dadurch die Frage der Zu-
Schreibung und Qualitätswertung wesentlich
zu klären.

l'Ün ausgezeichneter Katalog, der von Dr.
G. von der Osten bearbeitet wurde, enthält
alle wünschenswerten Angaben über die aus-
gestellten Werke, das Schrifttll...... a.

zum Eintragen in den Katalog

Galerie Fischer, Zürich / 2./r>. J u n i l <>"?
Kunstgewerbe, (iemälde
(Fortsetzung u. Schluß aus Nr. 3()/"il)

Nr.

sfr.

Nr.

sfr,

Nr.

sfr.

785

80.—

1210

350.-

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0500.

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85.—

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1450

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200.—

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250.-

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720,

Versteigerung der Sammlung Comte Greffuhle II

Am 22. und 2~\ Juli wurden bei Sotheby in ten Schnitzerfamilie Tilliard angefertigter Salz
London das alte prächtige Mobiliar und die von 6 Sesseln, dessen Beziige nach Dnrstellun-
.Kunstwerke einer Sammlung versteigert, deren gen von Oudry mit figürlichen und ornamen-
talen Gobelinstickereien geschmückt waren,

B e a u v u I 8 - W a n d S c h 1 r m nach Boucher
Erreichte auf der Versteigerung der Sammlung Comlu
Greflulho bei Sotheby & Co., t o n d o n, am 23. Juli 1937:
£ 2500 — iFoto Sotheby)

Ausbau mich unter einem günstigen Stern
stand. Sie kam in einer Zeit zusammen, wo
die großen Funde noch nicht, zu den Selten-
heilen gehörten und gute Kenner sieh gegen-
seitig uneigennützig unterstützten. Entstanden
isl sie elwa gleichzeitig mit. der berühmten
Wallace-Collection. Der Graf d'Armaille, der
Ratgeber von Richard Wallace, hat auch die
Anfänge der Sammlung Greffulhe betreut.
Später trat ihrem Besitzer George Hoentschel
als Berater zur Seite. Zahlenmäßig nicht groll,
aller durchweg aus gediegenen und erlesenen
Stücken bestehend, war sie jahrzehntelang eine
auch von der Fachliteratur als solche gewür-
digte Sehenswürdigkeit im Pariser Kunstleben
der Yorkriegszeil.

Mit ausgezeichneten Preisen wurden das
zum Teil noch aus allein französischen Köaigs-
besitz stammende Mobiliar und die Tapisserien
bewertet. 4900 Pfund wurde für eine aus zwei
Sophas und einer Kollektion von Sesseln und
Stühlen bestehende Garnitur angelegt. Zwei
nach Bouchers „Italienischem fest" ausge-
führte Gobelins, eine Wirkerei als Wand-
Bchirmbespannung und ein Wandteppich, er-
zielten 2500 und 1750 Pfund. Mit 1400 Pfund
ging ein dreiteiliges Büffet im Slil Ludwig XV.
fort und ein von einem Mitglied der beriihm-

mit 1250 Pfund. Eine mil Einlegearbeiten und
Bfonzeaufschlägen reich verzierte Kommode
ans diu' Zeit Ludwig XV., eint! der seltenen
signierten Arbeilen des Kunsttischlers Lher-
mite, sliog auf IHK) Pfand und der nach einer
Zeichnung von Perol etwa 1750 gewebte, im
Mittelteil des Rahmenornamentes mit einer
Dianadarstellung auf blauem Grunde ver-
sehene Vorhang, von dem sich Wiederholun-
gen in der französischen Staatssammlung und
im Vatikan beiladen, auf K00 Pfund. 440 Pfund
legie man für einen mich einer Vorlage von

Lebrun gestickten Gobelinteppich mil einer
Darstellung des Schlosses Sl. Germain von
etwa 1680 an und 400 Pfund für einen am
1740 entstandenen gestickten Wandbehang mit
der auf eine Zeichnung van Orleys zurück-
gehenden Darstellung eines f'ackeltanzes aus
der Brüsseler Manufaktur. Unter dem Por-
zellan erreichten zwei npfelgrüne Deckel Vasen
mit in Löwenköpfen ausmündenden Metallfas-
sungen 450 Pfund, für eine 1790 entstandene prol. Max Zaopon Die Eiche (Foto Schröder)
Terrakottabüste Houdons, Darstellung Seiner Ausgestellt <i u I der Ersten Großen Deutschon Kunstausstellung, München
kleinen Tochter, gab man 450 Pfund. (Bericht lotzle Ausgabe)

Lieber die Preise der Zeichnungen und Ge- BlIderbandi 407 Abbildungen. Vorlag K. F. Koohlors

mälde wurde bereits in der letzten Nummer Antlquarlum, Leipzig, 1937 (RM 6,i0).

berichtet. Dem vor einem Jahre erschienenen, von E. Lutze und

!:, Wiegancl bearbeiteten ausgezeichneten Katalogband,
der hier angezeigt wurde, folgt nunmehr dor Abbildungs-
tell mit meist sehr klaren, ganzseitigen Autotypien. Bei
dor Bedeutung, dio die Sammlung des Nürnberger Mu-
seums für dio alte deutsche Maleroi bosilzt, braucht hier
nicht besonders aut den Wort dieses längst erwarteten
Auf einer Versteigerung bei Christie in Abbildungsbandes hingewiesen zu weiden, clor die Be-
London, der letzten in dieser Saison, die im stände nach den Gauen Deutschlands, und innerhalb der-
ganzen 2811 Pfund Sterling erbrachte bei selben zeltlich, anordnet, Dr. Deusch

400 Pfund für eine
Rembrandt-Zeich iiung

A«l«M!BllliK-UK« WtlMSIKiK, I. »Ätinr« HSUOM tH. JAIlUtlffl.

4« tili Hl] II 1\\ Jlü Jlü & 25 II m rJP 25

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250,

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1900,

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1899

420 —

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750. -

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700.—

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420.—

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250.—

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155.—

1946

1200.

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280.—

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