Die Weltkunst — 11.1937

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Jahrg. XI, Nr. 42/43 vom 24. Oktober 1937

DIE WELTKUNST

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und Kulturen, wobei die führenden Stücke
stets besonders herausgestellt wurden. Pläne
und Tafeln in jedem Saal unterstützen die
geschichtliche und geographische Orientierung.

Dr. E. M. II a j ös

Englands Kunst- und
Antiquitäten-Messe

Im Grösvenor-House, Park Lane, also im
elegantesten und verkehrsreichsten Zentrum
des westlichen London wurde die „Vierte An-
tiquitätenhändler-Messe und -Ausstellung" un-
ter dem Protektorat der Königin Mary abge-
halten. In einer der großen Mallen dieses
Luxushotels und auf der beeilen dazugehören-
den Galerie zeigen nicht weniger als 108 eng-
lische Firmen ihre Schätze und erlauben da-
mit nicht nur einen einzigartigen Qeberblick
über die verzweigte Vielfalt des englischen
[Cünsthandels, sondern auch über den Ge-
schmack der kunstinteressierten kreise in Kur-
land.

Der erste Eindruck beim Betreten der Aus-
stellung isl: Fülle. Fülle sowohl des Darge-
botenen als auch des Publikums, bei dem —<
wie es bei dem königlichen Protektorat nicht
anders zu erwarten ist die „society" Uber-
wiegt. Während diskrete aber deshalb nicht
weniger sichtbare Schilder von Zeit zu Zeit
darauf aufmerksam machen, daß Kauflustige
sich nicht abschrecken zu lassen brauchen
etwa ans Furcht, Lücken in die Auslagen der
Aussteller zu bringen, da Verkauftes sogleich
durch Entsprechendes ersetzi werden könne (!).
bleiben die Stücke, die Queen Mary auf der
Messe erworben hat. bis zum Schluß der Ver-
anstaltung ausgestellt. (Jebrigens jrill die
Königin-Mutter als eine der besten Kenner
und eifrigsten Kunstenthusiasten Old-Englands.
Und man kann kaum ein Museum Londons
durchwandern, ohne auf ihren Namen als Stil-
ler /u stoßen, gleich ob es sich um Familien-
Erinnerungen an „Victoria the Great" im Mu-
seum von Kensington-Palace handelt, um die
Kinderschuhe ihres ältesten Sohnes, die dem
London-Museum überwiesen winden, oder
etwa Ostasiatica von einzigartiger künstleri-
scher Qualität in einem der Londoner Museen.

Aul' der Messe im Grosvenor-House uber-
wiegen die englischen Möbel der Chippendale-
Shefaton-, llcpplcwile- und Adam-Perioden so-
wie Spiegel, Wandleu'chter und andere Einrich-
tungsgegenstände dieser Stile. Daneben aber
sieht man auch gute frühere Möbel, Kamine,
Wandverkleidungen des Elisabethanischen und

des Jacob-Zeitalters usw. und einige ....... aber

wenige mittelalterliche Plastik Deutschlands
und Frankreichs (besonders bei John lluiil).
Englisches Silber wird in einer last unüber-
sehbaren Fülle ausgeboten. Der kühle schim-
mernde Glanz dieses Edelmetalls und seine
distinguierten, bisweilen etwas anämischen
Formen entsprechen scheinbar dem englischen
Charakter und seiner Vorstellung von Wohl-
habenheit so vollkommen, dal! Gebrauchs-
gegenstände dieser Art ebenso wie Früher so
auch heule noch ihr „großes Publikum" haben.
Ans dem ausgiebigen Angebot an Tafelge-
schirr, Schalen, Platten. Leuchtern, Kannen
USW. in Silber und Piated vom Jacob- bis Vic-
torianischen Zeitalter, lallen ein Paar silhcr-
vergoldete, mit Bergkristall montierte Doppel-
becher besonders in die Augen (Straßburger
Arbeil um 1580; bes. J. Philipps) sowie ein
te^VergÖIdeter Silberhumpen (deutsch um
1575; bes. Mallei and Soul. Europäisches
und chinesisches Porzellan, kunstgewerbliche
Arbeilen aller Zeilen und Länder und in allen
Materialien, wie Gläser, Dosen. Jadosehalcn
usw.. weiter englische Zeichnungen und Stiche,
französische und vlümische Gobelins (hier
bleibt ein großer Louis-Quinze Teppich mit
den Wappen von Frankreich und Navarra im
Mittelspiegel als besonders eindrucksvoll in

Ein neuentdecktes Meisterwerk Jan Steens

Min neuentdeckter Jan Steen ...... und was dieser Meinung anzuschließen? — Pinsel hat

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an die Expedition der Weltkunst

für ein Jan Steen! isl, es, den wir heule sich kaum Je besser der Hand und dem Willen
als Erstveröffentlichung im Bilde vorführen des Meistern gefügt als hier. In der eigen-
können; Man übertreibt nicht, wenn man das artigen Komposition, in der sonnendurch-
Bild eines der lieblichsten Kinderbildnisse Jan strahlten Lull, in dem Eingehen auf die
Steens nennt, der, wie Frans Hals, ein großer Kinderseele, aber auch in Kleinigkeiten wie
Kinderfreund gewesen sein muß, um Kinder den Haarbändern oder dem Lichtspiel auf der
immer wieder so malen zu können, wie er es Schürze, zeigt Jan Steen, was er geben konnte,

Jan Steen, Bildnis seiner Tochter Catharinct. 52 : 41 cm. Erstveröffentlichung ernes neuentcleckten
Bildes. Im Besitz der Fa. Gebr. D o u w e s , A m s t e r d a m [Foto Frequin)

tili. Und, man übertreibt auch nicht, wenn wenn er mit Liebe und ganz bei der Sache war.
man sagl. dal! dieses Werk eines der lieb- Das schöne Bild, das Hofstede (Ii! Croot
reizendsten Kimlerbildnisse isl, die die hollän- nicht kannte, stammt aus einer holländischen

(tische Malerei, kennt. Privatsammlung, und zeigt Spüren einer Sig-
Der Kenner des Werkes von Jan Steen natur. Aber trüge es diene auch nicht, und
wird auch sofort die Dargestellte nennen hätten nicht die besten Kenner des Werkes
können: es isl Jan Steens Töchterchen ('atha- Jan Steens — Bredius und Dr. Martin, ebenso
rina. das hier noch als Kind und doch auch Dr. Valentiner — das Werk ausdrücklich und
mit dem zutraulichen Emst, der oft die mit rühmend anerkannt, es bliebe doch ein Jan
der häuslichen Sorge für jüngere Ge- Steen in jedem Pinselzuge, und ein Bild wie
schwister betraute Aelteste auszeichnet, vom es selbst dieser begnadete Meisler nicht zu oft
Meisler in einer seiner besten Stunden dar- gemalt hat. Nach dem Aller der Dargestellten
gestellt ist. Iis isl ein Jan Steen, wie man ihn und nach der Malweise muH das Bild um die
nur ganz, selten findet; nur eine einzige Per- Mille der sechziger Jahre, also in des Meisters
son, keine unruhige Gruppe, und erst recht bester Zeil, entstanden sein. 1660 ist der be-
käme zechende und ausgelassene Genreszene, rühmte „Hühnerhof" mit der kindlichen
führt er uns vor. Das Bild isl schlechthin ein Schloliherrin Jacoba Maria van Wassenaar im
Meisterwerk. Des grollen Könners Jan Steens Haager Mauritshuis datiert, deren kindlichen
sagt nicht Bredius von ihm, dal! er nach Ernst das Töchterchen des Meisters im neuent-
Rembraridt doch der größte aller holländischen deckten Werke teilt, das sich seil kurzem bei
Meister sei, und ist nicht Bode geneigt, sich Gebr. Douwes befindet. Dr. Mir.

N.V. KUNSTHANDEL

P. DE BOER

Georg Flegel

AMSTERDAM ♦ HEERENGRACHT 474

Gemälde alter Meister

Zahlbar in Deutschland in Reichsmark (auf Ausländersonderkonto)

der Erinnerung haften) vervollständigen das
Bild dieser umfangreichen Schau, bei der Je-
doch Gemälde, die über das Niveau des Deko-
rativ-Möblierenden hinausragen, und Bronze-
oder Steinplastiken von bedeutender Qualität
durchaus fehlen. Gr.

Auktions nachherichie

Die Versteigerung Heukelom bei
Frederik Muller

Amsterdam, 12. Okt.

Wer die Abhängigkeil des Kunstmarktes
von Konjünktureinflüssen kennt, hatte nach
den Börsenstürmen der letzten Tage der Ver-
steigerung der ausgezeichneten Sammlung
van Heukelom bei Erederik Müller mit nicht
ganz iinerschütlerler Zuversicht entgegenge-
sehen, Ihr Verlauf bewies aber, dal! ausge-
zeichnete Qualitäten stets ihre Käufer und
zu hohen Preisen, — finden Den höchsten
Preis des Tages erzielte mit II. 8400 erwar-
tungsgemäß ßreitners imposantes Amster-
damer Stadtbild, das von Dr. A. F. Philips er-
worben und sogleich dem Städtischen Museum
zu Amsterdam geschenkt wurde. Sehr hohe
Preise erzielten auch die Werke Bosbooms,
dessen kleine „Synagoge" es auf II. 7000
brachte, während die große ..Neue Kirche zu
Amsterdam" mit II. 6800 nicht viel dahinter
zurückblieb (Abb. in Nr. 38/39). Vier Aqua-
relle des Meisters wurden mit II. 3000. 1350,
823 und 1250 bezahlt. Breitners andere Werke
erreichten II. 2100, und das feine Aquarell „Der
Dam zu Amsterdam" II. 4100. Israels' Fischer-
Bild, das die Größe seines Formates als Han-
dicap halte, erzielte 11. 4100: andere Werke
des Meisters brachten II. 925, SOO und 725.
Eine frühe Abendlandschaft von Jongkind
wurde mit 11. 2000 sehr gut bezahlt. Von den
drei Brüdern Maris erzielten zwei kleine
schöne Oelgemälde von Jakob Maris II. 2100
und 2700: Matthijs Maris" Zeichnung „Die
Königskinder" brachten II. 5000; Willem Maris
erzielte für drei Landschaften mit Kühen
II. 2100, 900, und 975 und für zwei solche mit
Enten 11. 525 und 250. Das winzige Bildchen
„Die Hirtin" von Maure wurde mit 11. 2800
und sein Aquarell ..Der Schafhirte" mit fl,2600
bezahlt. Der oftmals reproduzierte Dante-Kopf
von Toorop (Pastell) brachte es auf fl. 1500.
Für die leinen, wie Aquarelle anmutenden Oel-
gemälde von Voermän wurden II. 2000, 1200
und 475 angelegt. Eine TJeberrasöhung bilde-
ten die Preise, die für die — freilich meistens
erlesenen — Werke des iiileren Weißenbruch
bewilligt wurden: II. 4100. 4100, 7600, 2100,
1050, 825 und 340.

Von den Werken ausländischer Meisler er-
zielte ein wundervoller, lichter Monticelli
11. 6000 und die Schafschererin Millets fl. 3000.

Restbestände van Diemen

Berlin, 15. Okt.

Auf der Versteigerung der Restbestände
der Galerie van Diemen-Berlin durch das
Auktionshaus Dr. Walt her Achenbach
wurden u. a. folgende Preise erzielt: Tiepolo.
Gottvater, Zeichnung (Nr. 42): 540 RM: ders.,
Apoll und Venus, Zchng. (Nr.-44): 215 RM;
G. B. Franco, Zwei Papstbildnisse, Zchng.

Ausstellung
chinesischer Kunst

Frühkerarnik
Ming- und Kanghsi-Porzellan
Bronzen-
Plastik
Halbedelsteine
Eljcn bein -Arbeiten
usw.

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sowie ganzen Sammlungen

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i[j ^ Iii/ e^-i-^M LHeren bei Arnheim (Holland) , , M.. . , D - .4>.

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K Standig wechselnde Ausstellungen
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