Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse [Editor]
Die Weltkunst — 5.1931

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. SEPTEMBER 1931

V. JAHRGANG, Nr. 38

LMONDE^AKTS

ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT


INTERNATIONALE ZENTRALORGAN FÜR KUNST / BUCH / ALLE SAMMELGEBIETE UND IHREN MARKT


'^scheint jeden Sonntag im We 11 ku n s t - Ve r 1 a g , G.m.b.H.»
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Herausgeber Dr. J. I. von Saxe

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WERTHEIM: DAS


IBLOGRAPHIKON

Berlin W9, Leipziger Str.

Alte Graphik Seltene Bücher

Moderne Kunst

unstinteresse
und Bildinteresse

Von
Prof. Dr. Hermann Beenken

Bildbedürfnis, Bildprodukfion und Bild-
°nsum sind niemals größer als in unseren
9Sen gewesen. Die Kunst, die den Bild-
öliger früherer Zeiten und anderer Kulturen
^lauf sättigen konnte, wäre heute außer-
milde dazu. Der Bildhunger der Gegenwart
geweckt durch jene ungeheuerlich ange-
achsene Bildproduklion, die durch die neuen
^chniken von Photographie, Film, Reproduk-
°n aller Art ermöglicht wurde. Die Nach-
a9e entstand durch das Angebot. Das An-
fl>ot brachte zugleich mit sich eine Ent-
artung des Einzelbildes, das in immer
Vierem Grade, sei es für das Interesse des
?9es, sei es für das private Interesse des
deinen, geschaffen erscheint.
Wer die eigentümliche Lage der Kunst in
^seren Tagen*) verstehen will, darf diese Zu-
li^rnenhänge nicht übersehen. Denn zu
('n Zeilen sind Plastik und Malerei Produkt

Bildbedürfnisses der Menschen ge-
:5sen. Das isolierte Interesse am Künstle-
s.chen als solchen ist sehr sekundär und, ge-
richtlich gesehen, ist es sehr spät, überall,
? die Kunst um der Kunst willen enlstehi,
I ein natürlicher und ursprünglicher Zusam-
Ctlhang schon zerstört. Heule ist dies der
heute gehen Bildinteresse und Interesse
') Vgl. die unter dem Gesamttitel ..Krise der
Wernen Kunst“ in der „Weltkunst“ er-
it‘enenen Beiträge von Dr. A. G o 1 d, W. Bondy,
f H. W. L e i s e g a n g, Dr. K. K u s e n b e r g,
|.j E. v. Sy d o w , Prof. Dr. J- Baum, Dir. Dr.
•i-' „Schenk zu Schweinsberg und Hofrat
H. T i e t; ze-.



der
zu-

an bildender Kunst (wo es noch da ist) ge-
trennte Wege. Das Bildinleresse bedient sich
so gut wie ausschließlich jener — von der

Kunst her gesehen — Surrogate, die die mo-
derne Technik geliefert hat, aber auch das
Kunstinteresse selbst wendet sich ihnen in
steigendem Maße zu:
statt des Kunstwerks
selber befriedigt die Re-
produktion des Kunst-
werks das Auge
des Kunstfreunds. Der
Kunst selber,
Gegenwartskunst
mindest, wird der Stuhl
vor die Türe geseßt.
Die Spaltung zwi-
schen Kunstinteresse
und Bildinteresse da-
tiert nicht erst seit Er-
findung der Photogra-
phie, sie ist keine Folge
technischer Neuerun-
gen, sie hat sich schon
zu einer Zeit vorbe-
reitet, als es alles dies
noch nicht gab, sie ist
das Ergebnis einer
folgerichtigen Entwick-
lung, die sich in der
europäischen Kunst-
urid Geistesgeschichfe
langsam vollzog.
Gegen Ende des Ba-
rock werden die ersten
Merkmale der Krise
sichtbar. Maler, deren
Interesse der reinen Er-
scheinungswelt zuge-
wendet ist, und Maler,
die in einer völlig
neuen Weise „litera-
risch" interessieren wol-
len, stehen schon im
18. Jahrhundert neben-
einander. In den Bildern

Henri Matisse, Figur
Ausstellung ■— Exposition — Exhibition:
Basel, Kunsthalle

eines Hogarth, eines
Cornelis Troost, eines
Greuze werden roman¬

hafte, anekdotisch zugespißte Situationen ge-
schildert, wobei das Wichtige ist, wie der
Mensch sich in ihnen verhält, auf sie reagiert.
Nicht nur dem seelischen Leben, sondern
mehr noch dem seelischen Erleben der Bild-
gestalten wird nachgespüri. Während am be-
seelten Leben des Menschen beseelte Natur
innerlich teilzunehmen vermag, ist erlebend,
subjektiv reagierend, Subjekt stellungneh-
mender Akte allein der Mensch. Sobald der
Maler dieses Subjektive in den Bereich seines
und des Beschauerinteresses zieht, sobald
gar ein zeitliches Moment, etwa ein Empfinden
der Erwartung, der Spannung von Wichtig-
keit wird, kann das Bild als ganzes an dem
besonderen seelischen Ausdruck, auf den es
jeßf ankommt, nicht mehr teilhaben, es findet
eine formal oft sehr willkürliche Zuspißung
statt; die Form als solche ist seelisch nicht
mehr erfüllt.
Schon in der englischen Anekdotenmalerei
des ausgehenden 18. Jahrhunderts treten Ge-
stalten im Bilde auf, die — ähnliches wird sich
im gleichzeitigen Drama und Roman fest-
stellen lassen — beanspruchen, daß wir uns
mit ihnen identifizieren, indem wir uns in ihre
geistigen Akte hineinleben sollen. Im fort-
schreitenden 19. Jahrhundert — das inter-
essante Zwischenspiel der Romantik im
engeren Sinne sei hier übergangen — ist
diese Nötigung immer zwingender, immer
handgreiflicher geworden. Es entsteht eine
Publikumskunst, die wir heute nicht heben,
die zu ihrer Zeit aber alle empfindenden Ge-
müter zu fesseln verstand. Man muß sich
darüber klar sein, wie sehr diese Malerei
geistesgeschichflich etwas Neues bedeutet,
wie sehr die Interessen, die sie beansprucht,
andererseits dieselben sind, auf .die noch
heute jede bessere Filmhandlung reflektiert.
Wäre die Filmwelt nicht jeden tieferen ge-
schichtlichen Interesses völlig bar, müßte sie
sich jener Bilder als ihrer legitimen Ahnen be-
wußt sein.
über den künstlerischen Unwert der
Sachen sind wir uns heute klar. Die Kunst

'mpressionisten Galsric IVIstthiesen alte meister

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