Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse [Editor]
Die Weltkunst — 5.1931

Page: 31 1
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/wk1931/0343
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
D I E

2-AUGUST 1931

V. JAHRGANG, Nr. 31

WF

NST



LMONDEfcAKTS

/ ALLE SAMMELGEBIETE UND IHREN MARKT

NEW • YORK
a p t

sein.
zwei


jj^rnlung alten Kunstgewerbes aus dem Be-
b? des 1929 verstorbenen Herrn Alfred
t^'sehi-Ziirich zur Versteigerung gelangt,
s/.^dem bereits vor einem Jahre an der-
---- — '
*sen einzigartige Sammlung von Werken
L^erner Künstler wie Hodler, Amief, Giaco-

Bisheriger Titel:
Redaktion, Verlag und Lese

ART»/*WORLD IL L U S T R T E R T E WOCHENSCHRIFT
&AS INTERNATIONALE ZENTRALORGAN FÜR KUNST / BUCH
^'scheint jeden Sonntag im Weltkunst-Verlag, G. m. b. H.,
^edin \V62, Kurfürstenstr. 76-77. Telegramm-Adresse: «Weltkunst Berlin».
jAnkkonto: Deutsche Bank u. Disconto - Gesellschaft, Depositen-Kasse ,
?edin w 62, Kurfürstenstr. 115. Postscheckkonti: Berlin 1180 54; Den
x’Ag 145512; Paris 118732 ; Prag 59283; Wien 114783; Zurich 8159
ARlSER BÜRO: 5, rue Cambon, Paris Ier, Telephone: Louvre 4444

arbeiten des Mittelalters und der Renai
Als eines der kunsigeschichflich

führen konnte und unter denen wir nur Namen
wie Cardon-Brüssel, Peytel, Finoelsf und Du-
catel-Paris, Trivulzio-Mailand. Carmichael-
London, Engel-Gros in Ripaille u. a. nennen.
Die Bestände dieser ersten Versteigerung
trennen sich deutlich in drei geschlossene
Gruppen, die der Emailarbeiten aus Limoges
und aus der Maasgegend, der Goldschmiede-
■ j... - issance.
i wert-

WERTHEIM: »AS BIBLOGRAPHIKON

Berlin »9. leionger str. Alte Graphik Seltene Bücher Moderne Kunst



Man abonniert beim Verlag, bei der Post oder bei den Buchhändlern.
Einzel-Nummer 50 Pfennig. Quartal für Deutschland inklusive Postzustellung
Mark 4,50: Lieferung durch den Verlag im Umschlag Mark 5,50; für das
Ausland (nur im Umschlag) Mark 5,50; oder: Oesterreich ö. S. 9; Tschecho-
slowakei Kc 45; Frankreich und Belgien fr. Frs. 35; Holland hfl. 3,25: Eng-
land £ /5/6; Schweiz und die nicht angeführten Länder sfrs. 7; Übersee $ 1,50

i. Hälfte 14. Jahrhundert
fran£ais, XIVe siede
3 — Gilded silver
- Kat. Nr. 70
— 5. September 1931

Galerie Matthiesen

NEUE ADRESSE: BERLIN W 10, VI KTO RIASTRASSE 33
&RUMMER aflLLE'*v l
55, East 57,h Street

Kopfreliquiar (St. Januarius). Italien oder Frankreich,
Chef reliquaire de St.-Januarius. Tiavail italien ou
Silber getrieben und teilvergoldet — Argent dore
H. 25 cm — Collection A. Rütschi, Zürich —
Versteigerung — Vente — Sale: Galerie Fischer, Luzern,

-———— —aw—wwi
a a l:
Berlin W62, Kurfürstenstr. 76-77 • Tel. B5 Barbarossa 7228
Herausgeber Dr. J. I. von Saxe

vollsten Stücke der ersten Abteilung bilden
wir hier auf Seite 2 den kleinen Limousiner
Reliquienkasfen aus dem zweiten Viertel des
13. Jahrhunderts mit Darstellung des Mar-
iyriums des heiligen Thomas a Beckett ab; ein
weiteres verwandtes, jedoch etwas lrüheres
Werk mit der gleichen Darstellung, das sich
früher in der Sammlung Trivulzio befand,
zeichnet sich durch die besonders schöne Er-
haltung der Vergoldung und des Politurglan-
zes aus. Man erinnert sich, daß im leisten
Jahre bei Sotheby zwei ähnliche Reliquien-
kasten Preise von £ 9000 und £ 4800 er-
zielten (vgl. „Weltkunst“, 4. Jahrg., Nr. 30), und
man kann die Bedeutung dieser Abteilung der
Sammlung Rütschi ermessen, wenn man be-
denkt, daß hier, abgesehen von einer Reihe
wundervoller Grubenschmelzplatten, noch eine
größere Anzahl solcher Stücke vertreten ist.
Auf ein besonders schönes sei hier noch die
Aufmerksamkeit gelenkt: den beinahe 40 cm
langen Schrein mit in Relief auf blauen Ran-
kengrund aufgelegten Heiligenfiguren aus der
Pariser Sammlung Ducatel. Einige Krumm-
stabspißen, Hostienbüchsen, Altarkreuze,
Leuchter und die künstlerisch hervorragende
Reliquien-Statuette der thronenden Mutter-
gottes um 1250 vervollständigen das Bild der
Limousiner Kunsttätigkeit während des
13. Jahrhunderts. Das späteste Stück dieser
Gruppe, ein sechsseitiges Hostienciborium,
wird von Falke in die Zeit um 1325 datiert.
Unter den romanischen Gold-
schmiede - Arbeiten des 11. bis
13. Jahrhunderts fällt vor allem die sitzende
Marienfigur in Holz, mit Silber beschlagen,
auf, eine wahrscheinlich alpenländische Arbeit
um 1100 von starker künstlerischer Wirkung
Hier ist vor allem die Maas-Schule mit bedeu-
tenden Werken vertreten: der Godefroid-
Werkstatt des späteren 12. Jahrhunderts kön-
nen ein Armreliquiar, eine bedeutsame Gru-
benschmelzplatte mit Darstellung der Kreuzi-
gung und mehrere kleinere Arbeiten zuge-
wiesen werden. Ein wundervoll erhaltenes
Werk der Maas-Schule, das Reliquienkreuz in
Silber und Kupfer der 1. Hälfte des 13. Jahr-
hunderts, bilden wir mit der die Inschrift tra-
genden Rückseite auf Seite 3 ab. Eine turm-
förmige Reliquienmonstranz aus vergoldetem
Silber und Bergkristall steht stilistisch der
Richtung des Nicolaus von Verdun nahe und
dürfte in Tournay in der Werkstatt des
Eleuliheriusschreins um 1240 entstanden
Den Beschluß dieser Abteilung bilden
prächtige Einbände: der einer wahrscheinlich
I oberrheinischen Evangelienhandschrift des
späten 12. Jahrhunderts mit Darstellung Christi
und der Apostel, und der mit Elfenbeinreliefs
gezierte Einband eines Sacramentars, das
wahrscheinlich um die Mitte des 11. Jahrhun-
derts für S. Apollinare in Classe in Ravenna
geschrieben, später im Kloster Avellana in
Umbrien auf bewahrt wurde und das auch als
Handschrift durch die Initialmalerei von Be-
deutung ist (Abbildung Seite 3).
Hauptstücke der gotischen Gruppe sind
das u. E. wohl doch französische, lebensgroße
Kopfreliquiar des heiligen Januarius in getrie-
benem Silber (Abbildung nebenst.), ein
Meisterwerk hochgotischer Goldschmiede-
kunst um 1330 und der etwa 20 cm hohe,
außen und innen auf schwarzem Grunde in
Grisaillemalerei emaillierte Silberbecher, der

Kunstgewerbe des Mittelalters
Die Sammlung Alfred Rütschi, Zürich
| Wenn in den nächsten Wochen, am 5. Sep- I auch die ausgezeichneten Provenienzen, auf
ierhber, durch, die G a I e r i e F i s c h e r in die der Sammler neben glücklichen selb-
CZern der erste Teil der weltberühmten | ständigen Entdeckungen seine Schüße zurück-
_mit- «4 m R - •
h? des lvz.-
^^schi-Zürich
Rehdern bereits voi eurem juiuc uu u«.«-
?lben Stelle mit außerordentlichem Erfolge
Jssen einzigartige Sammlung von Weiken
J°derner Künstler wie Hodler, Amiet, Giaco-
\$hi u. a. zur Auflösung gekommen war (vg .
Reitkunst“, Jg. JV, Nr. 38), so wird der Blick
k.^rster Linie nochmals auf diese geniale und
( kräftige Sammlernalur, auf diesen Mäzen
p.bßlen Stiles gelenkt, den die an kulturellen
Lederern so reiche Schweiz in den lebten
[.'“{''Zehnten aufzuweisen hatte. Alfred Rütschi
V^örte zu den enthusiastischsten, positivsten,
,) 11 innerster Berufung getriebenen Sammlern
Neuzeit, und nicht zuleßt sind der Schwei-
nischen Öffentlichkeit, die ihm mehr als eine
f.-Vße Ausstellung, mehr als durchschnittliche
n^erung moderner Kunstbestrebungen, mchi
C einzelne Museumsstiftungen zu verdanken
|S die Früchte dieses schöpferischen und
pendigen Sammlerfums zugute gekommen.
Flr,e Äußerung des Sammlers, die Theodor
tJ'seher dem Vorwort des Kafaloges der mo-
wii-en Gemälde angefügt hat, nachdem Rüt-
JG1' selbst in dem großen, 1929 von Otto von
herausgegebenen Katalog der alten
L/dschmiedewerke ein sammlerisches Glau-
ij|J'sbekenntnis von nicht -alltäglicher Färbung
iiih9e>egt hatte, kennzeichnet am besten die
ii'^Ten Triebkräfte dieses wahren Künst¬
elndes: „Die Beschäftigung mit Kunst
|* lr'9t ja solche Förderung, Vertiefung und
Ureicherung des ganzen Lebens, daß die ge-
$Jr|nene köstliche innere Befriedigung allein
°n das Sammeln lohnt.“ Ein Wort, das
td9de in unseren Tagen aus dem Munde
V,es Mannes, der die tiefsten Fäden zwischen
Raffendem und Aufnehmendem zu ent-
di cken wußte, zur Ermahnung und Besinnung
Tin sollte.
^i\Per vorzüglich illustrierte Katalog des
V en Teiles der Sammlung Rütschi, der, wie
C bereits in Nr. 27 der „Weltkunst“ vermcl-
d(. n, die Email- und Goldschmiedearbeiten
tj, s Mittelalters und der Renaissance umfaßt,
Ü bisher als ständige Leihgabe im Züricher
bt (’Mhaus ausgestellt waren und somit der
p^'.i'en Öffentlichkeit wie der Wissenschaft
(mögend bekannt sind, ist auf Grund des
1-C|'en Verzeichnisses 1929 von Otto von
bearbeitet worden, über die Quali-
litl .dieser 120 Werke, die Stücke von absolut
hJkalem Werte wie, um nur ein Beispiel zu
tijpen, den 1903 mit der Sammlung Thewalt
(V Q8 000 M. versteigerten, ehemals im Besiß
^1 Piero di Cosimo Medici befindlichen und
in der Morgan Collection bewahrten
U’enbecher" enthalten, brauchen hier
Worte verschwendet zu werden: Er-
.n9 ur|d künstlerischer Wert sind einwand-
^^be^i]]^?weife^rhaberk Dafür bürgen
^^RESSIONISTEN

■ ■ . "i
. A
loading ...