Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse [Editor]
Die Weltkunst — 5.1931

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5- APRIL 1931

V. JAHRGANG, Nr. 14

D I E


LMONDE^AKTS

ARTo/theWORLD ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT

ÖAS INTERNATIONALE ZENTRALORGAN FÜR KUNST / BUCH / ALLE SAMMELGEBIETE UND IHREN MARKT

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WERTHEIM=DAS BIBLOG RAPHI KON

Berlin W 9, Leipziger Straße
Alte Graphik ■ Seltene Bücher

Sonderausstellung Alte Landkarten

Sammlung
W.v. Dirksen

aie Sammlung des ehemaligen Gesandten
' v- Dirksen, die in Rudolph Lepke’s
d ""st - Auction s-Haus in Berlin in
lagen des 28. und 29. April zur Auf-
^s,|ng gelangt, trägt, wie alle älteren Berliner
s,ah;rnlungen, das Gepräge der geistigen Ein-
ße*mng Und des Kennertums Wilhelm von
r-2^es< der neben J. Lessing fördernd und be-
bAfHd den Dirksenschen Kunstbesiß zu jenem
f)/l‘ang und auf jenes Niveau brachte, das jeßt
t ? dem von Otto v. Falke bearbeiteten statt-
ql . n Katalogbande erkennbar wird. Wenn-
[/lch manches repräsentative Werk wie das
ß°9enbildnis Tizians (jeßt Schloß Rohoncz)
früher aus dem Verbände dieser ein-
'‘liehen Sammlung gelöst wurde und ein
ei’1“ wie das Deckengemälde aus dem
\v;e'Se Mantegnas nicht zum Verkauf gestellt
So bleibt ein stattliches Ensemble von
(i-w'len öer italienischen Renaissance, wie es
'Vth ^er Auflösung der Sammlungen Becke-
ln ”> Von Kaufmann, Ed. Simon u. a. in Berlin
"rn mehr anzutreffen sein wird.
tilrA,tn wichtigsten sind zweifellos die skulp-
jq a‘en Werke der Hochrenaissance, Arbeiten
hijB^arrnor> H°lz> Terrakotta und Wachs, die
ra|-erordentlich interessante und in der Lite-
IJr vielfach gewürdigte Kollektion der
^.Onzeplastiken und die schöne Medaillen-
9rfurn!un9- Sie bilden zusammen das Rück-
djp dieses künstlerischen Besitzes, an das sich
Gemälde, Möbel, Majoliken und kunst-
Q] v'"'blichen Arbeiten in Elfenbein, Email,
$ Und Silber angliedern.
vör öer italienischen Plastik verdient
h;- , a^em e'ne Reihe von Bildnis-Büsten
A^ste Beachtung: die Terrakottabüste eines
bi]jn.es in Zeittracht, die von Planiscig als
VOas des Malers Jacopo Palma und Arbeit
Alessandro Vittoria identifiziert wurde,
kofl'-lem Pietro Bracci zugeschriebene Terra-
öi|sIaJ)üste des Papstes Benedikt XIV. und die
dr„ bolognesisch um 1560 bezeichnete aus-
rtgf ssiarke Büste eines bärtigen Mannes,
Wieen stilistisch stark deutscher, an Meister
Ch Gregor van der Schardt anklingender
le^i^kier wohl nicht unwidersprochen mit der
fen Bezeichnung in Einklang gebracht

werden kann. Außerordentlich reizvoll zwei
Wachs-Reliefbüsten Christi und Mariae, spa-
nische Arbeiten um 1700, eine süddeutsche
trauernde Maria des 17. Jahrhunderts und eine
kleine, holzgeschnißte Jünglings-Büste der
zweiten Quattrocentohälfte. Von einer Aus-
stellung des Kaiser-Friedrich-Museums-
Vereins 1906 bekannt ist das polychrome flo-
rentinische Wachsrelief
einer Beweinung Christi
unter dem Kreuz (um
1600).
Unter den Klein-
bronzen sind zwei
Hauptmeister dieser
Gattung in Venedig
und Florenz besonders
vertreten: Alessandro
Vittoria und Giovanni
Bologna. Ein Meister¬
werk des ersteren ist
die ganz auf male¬
rische Helldunkel-Kon¬
traste angelegte, stark
bewegte Figur eines
Neptun auf Delphinen;
äußerst charakteristi¬
sche Erzeugnisse dieses
bedeutenden Plastikers
bilden eine Adonis-
Statuette und eine
Venus mit Amor. Von
Gianbologna finden wir
als Haupfstück neben
anderen zugeschrie¬
benen Arbeiten wie
der Gruppe „Herkules
tötet den Lichas“ und
den Figuren eines Mer¬
kur, eines Vogelfängers
und eines nackten
bärtigen Mannes die
berühmte Gruppe „Ve¬
nus und Dejanira". Aus
dem reichen, teils ano¬
nymen Material heben
wir hier als ein Glanz¬
stück der Sammlung
besonders das Bronze-
Tintenfaß des Consiglio
dei Dieci in Venedig,
eine Arbeit der Sanso-
vino-Werkstatt, die Bode
1896 als besonders
glückliche Erwerbung
erlangen konnte, hervor

[Abbildung unten); daneben von frühen
Stücken die sicheren Werken des Bertoldo di
Giovanni nahe verwandte Figur eines sißenden
bärtigen Mannes und die Kleopatra eines dem
Bellano nahestehenden Paduaner Meisters
vom Ende des 15. Jahrhunderts (Abbildung
Seite 2), ferner die dem Tiziano Aspetti zu-
geschriebene Dianen-Statuefte (Abbildung


Bronze-Tintenfaß des Consiglio dei Dieci in Venedig
Werkstatt des Sansovino, um 1550
Encrier en bronce du Consiglio dei Dieci, Venice
Atelier de Sansovino, vers 1550
Ink-stand of the Venetian Consiglio dei Dieci
Workshop of Sansovino, about 1550
H. 40 cm — Collection W. v. Dirksen, Berlin — Kat.-Nr. 457
Versteigerung — Vente — Sale:
Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus
Berlin, 28.—29. April 1931

Seife 2), das Bronze-Schreibzeug mit Satyr-
figur aus der Riccio-Werkstatt, den inter-
essanten Herkules des in Venedig tätigen
Camelio und die im Guß sehr schöne Löwen-
Statuette des 16. Jahrhunderts. Ein prächtiges
spätes Werk des 18. Jahrhunderts, in seiner
Entstehung in Frankreich oder Italien nicht
sicher festgestellt, ist die große Bronzestatue
einer Venus; als Kunstwerk äußerst eindrucks-
voll eine Bronzebüste des Papstes Alexan-
der VII. nach einem Modell von Bernini um
1680.
Die Bronzegeräte umfassen sehr gute
Serien von Tintenfässern und Mörsern des 15.
und 16. Jahrhunderts. Die Sammlung der
Plaketten und Reliefs zeichnet sich
durch Umfang und große Qualität aus. Neben
frühen Reliefs des 15. Jahrhunderts, die den
starken Einfluß der Antike besonders deutlich
belegen, finden sich bekannte Arbeiten von
Frapcesco Antonio da Brescia, Donatello,
Bertoldo, Riccio, Moderno, Valerio Belli und
Gio. Bernardo da Casfelbolognese, daneben
aber auch wichtige nordische Arbeiten, von
denen hier das Flachrelief einer Taufe Christi
von Peter Flötner, die prächtige Medaille mit
der Allegorie auf Zeit und Wahrheit von Hans
Jamnißer, das Halbrelief einer Dornenkrönung
Christi von einem Augsburger Goldschmied
des frühen 17. Jahrhunderts und das zu der
sog. Reformaforenserie gehörige Bildnis-
Medaillon Dürers von Georg Schweigger, das
nur in wenigen Exemplaren in Museumsbesiß
bekannt ist, genannt seien.
Die Gemälde umfassen an erster Stelle
einige repräsentative Hochrenaissance-Bild-
nisse wie Tizians Porträt der Laura de Dianti
mit einem Mohrenknaben, Paris Bordones
Bildnis des Andrea Dolfin und das stattliche
Doppelporträt eines bärtigen Edelmannes mit
seinem Sohne von Tintoretto. Weiter sind zu
nennen eine gute, im Katalog auf Vicenza be-
stimmte Madonna um 1500, eine Muttergottes
von Piazzetta, ein Bildnis einer Dame als
Caecilie von Sir Peter Lely und das ganz aus-
gezeichnete Porträt eines stehenden Jünglings
von dem seltenen Abraham Wuchters.
Das Mobiliar bringt ein vortreffliches
Material an Arbeiten der Renaissance, unter

Dr.ALFRED GOLD
IMPRESSIONISTEN
BERLIN W 10 5,VIKTORIASTRASSE

l|V,pRESSIONISTEN

Antiquitäten

I. Franziskaner Platz b

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