Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse [Editor]
Die Weltkunst — 12.1938

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-■ Januar 1958

XII. JAHRGANG, Nr. 1


ART»n/,f WORLD



LMONDEfcAKIS

19. Jahrhunderts

EINZIGE ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST / BUCH / ALLE SAMMELGEBIETE UND IHREN MARKT
ANERKANNTES ZENTRALORGAN FÜR SAMMLER, MUSEEN, BIBLIOTHEKEN, KÜNSTLER UND KUNSTHÄNDLER

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a 1 ßk * I I K j_ 1 Meisterwerke der Malerei
D naberstock MC^t stänclig zu kaufen: des 15. bis einschließlich
erlin W 9, Bellevuestraße 15

Rückblick und Ausschau

bildung des Kunstmarkts zu geben. War be-
reits das Jahr 1956 in seiner Preis- wie in
seiner Absatzentwicklung von steigender Ten-
denz gekennzeichnet, so hat sich dieser Pro-
zeß, vor allem in der zweiten Jahreshälfte 1957,
eher noch verstärkt. Das Preisniveau, wie wir
es auf den Versteigerungen der letzten Monate
verzeichnen konnten, entspricht den Verhält-
nissen einer wirtschaftlich wiedergesundeten

Wenngleich die Jahre .... _
liehen Einschnitt in die Auktionstätigkeit bil-
det, die von September bis Mai einen wesent-
lichen Faktor des deutschen Kunstlebens
bildet, so gestattet die kurze weihnachtliche
Ruhepause doch, einen Rückblick auf die all-
gemeinen Pendenzen und die spezifische Preis-


Weibliche Heilige. Oberrhein um 1480. Samm-
'un9 Georg Schuster f, Mönchen — Versteigerung:
-L Böhler, München, März 1938 (Foto Böhler)

Zeit und läßt sich am ehesten mit den konsoli-
dierten Verhältnissen der Vorkriegsjahre ver-
gleichen, die wieder vielfach den Normalmaß-
stab für die Bewertung von Kunstwerken ab-
gibt. Dabei ist es kennzeichnend, daß alle Ge-
biete des Kunstschaffens, insbesondere auch
die lange vernachlässigte handwerkliche
Kunst, von dieser Bewegung ergriffen ist, so
daß der beinahe hundertprozentige Absatz, den
die in diesem Jahre verhältnismäßig zahlrei-
chen und schwerwiegenden Auktionen zu ver-
zeichnen hatten, auf eine neuerwachte Sam-
melfreude auf den verschiedensten Gebieten
schließen läßt. Dabei darf allerdings nicht un-
berücksichtigt bleiben, daß ein großer Teil die-
ser Sammler allem Anschein nach noch aus-
schließlich „Auktionskäufer“ sind, denn die
Umsätze im freien Kunsthandel scheinen, allen
vorliegenden Aeußerungen nach, keineswegs
gleichen Schritt mit denen der Versteigerungen
zu halten, und vielfach hört man die Meinung,
daß das Aufnahmevolumen der deutschen
Sammlerschaft durch das Versteigerungsange-
bot gedeckt ist.
Es kann nicht verkannt werden, daß bei
dem Vorliegen eines gleichmäßigen und schö-
nen Materials, wie es etwa z. B. die Sammlun-
gen Budge-1 lamburg (für Kunstgewerbe) oder
Stroefer-Nürnberg (für Gemälde) waren, Preis-
spannungen erreicht werden konnten, die auf
dem freien Kunstmarkt undenkbar sind. Sicher-
lich hat es die allgemeine Verknappung auf
dem Markt zusammen mit der fortschreiten-
den wirtschaftlichen Konsolidierung mit sich
gebracht, daß im Laufe der letzten drei Jahre
die Preise im allgemeinen von einem ziemlich
trostlosen Tiefstand immer weiter wieder zu
einer vernünftigen Basis angestiegen sind, sel-
ten haben sie aber wie hier mit einemmal, in
einer einzigen ruckartigen Bewegung, so stark
angezogen. Und es darf auch nicht übersehen
werden, daß viele Dinge, für die auf Auktio-
nen „Illusionspreise“ angelegt wurden, auch
heute noch im Laden zu vielfach niedrigeren
Preisen zu haben sind, daß also doch der Nim-
bus der Provenienz zusammen mit der Atmo-
sphäre des Auktionsraums noch manchen an-
gehenden oder auch bereits versierten
Sammler zu „Sonderaktionen“ hinreißt. Es

PAUL TIECKE
Berlin IV 62, Kurfiirslensfr. 104 - Telefon: 2417 68
Rahmen Restaurierungen aller art

wäre trotzdem falsch,
aus diesen Tatsachen auf
eine Divergenz zwischen
freiem und Versteige-
rungs-Handel zu schlie-
ßen, denn letzten Endes
kann es sich hier nur um
eine vorübergehende,
mehr oder weniger zu-
fällig bedingte Konstella-
tion handeln, die sich
mit der Gesundung des
Marktes und dem An-
wachsen des Interesses
für alte Kunst früher
oder später ausgleichen
muß. Denn daß gerade
die „große Ware“ auch
im freien Handel unbe-
schränkt und rasch ihren
Liebhaber findet, ist
kaum wegzuleugnen, und
für manchen Händler ist
die Frage des Einkaufs
zum schwierigeren Pro-
blem gegenüber der
Frage des Verkaufs ge-
worden.
Erinnern wir uns der
Hauptereignisse. Am 24.
bis 26. Februar erwies die
Versteigerung der Samm-
lung Geheimrat W.-Dres-
den bei Lepke in Berlin,
daß für die gute deutsche
Malerei des 19. Jahrhun-
derts wieder ansehnliche
Preise angelegt werden,
— eine Tatsache, die
auch durch eine kürz-
liche Auktion bei Lem-
pertz-Köln wieder belegt
wurde. So waren Preise


Friedrich Wasmann, Garten in Meran
Ausstellung: Ludwigs-Galerie, München
(Bericht in Nr. 51/52, Jg. XI) (Foto Ludwigsgal.)

wie 15 000, 5100 und 5000 M. für Gemälde von
Grützner bemerkenswert, und deutsche Gläser
und Porzellane begegneten, wie auf allen wei-
teren Auktionen des Jahres, lebhaftem Inter-
esse. Die Versteigerung einer Grunewaldvilla,
die das Auktionshaus Dr. Achenbach in Berlin
am 10. März durchführte, zeitigte Preise von
8000 M für ein Damenbildnis und 7000 M für
einen Hieronymus aus dem Cranach-Kreis,
4100 M für eine Ruisdael-Landschaft, 5500 und
2700 für Gemälde von Dou und Isaack Ostade.
Ein erstes großes Frühjahrsereignis bildete
dann das Ausgebot der Sammlung Hauth-Düs-
seldorf durch Math. Lempertz in Köln. Bei
den Gemälden erzielten hier eine Kreuzigungs-
tafel von Bruyn 28 000 M, ein Greco 22 500 M,
eine Altartafel des Meisters des Frankfurter
Altars 11 500 M, ein niederländisches Bildnis
Maximilians I. 10 000 M, und Qualitätsstücke

deutscher Plastik wie zwei Heiligenfiguren um
1460, eine schwäbische Ursula derselben Zeit
oder eine Figur im Stile Riemenschneiders
wurden mit 14 500, 6000 und 4700 M ebenso
hoch bewertet wie die angebotenen deutschen
Möbel der Gotik und Renaissance. Diesen
Preisen schloß sich etwa in der Bewertung das
Material an. das bei Julius Böhler in München
im Juni aus den Beständen der Berliner Mu-
seen, d. h. aus dem durch die Erwerbung ver-
schiedener Privatsammlungen entbehrlich ge-
wordenen Material, veräußert wurde.
Ein noch stärkerer Auftrieb machte sich in
der Herbstsaison geltend. Den Auftakt bildete
die Versteigerung der Sammlung Frau Emma
Budge-Hamburg bei H. W. Lange in Berlin,
die ein ausgesprochenes „Sammler-Material“
vereinigte. Hier überschritten die Silberpreise
teilweise um ein Vielfaches die Taxpreise, drei

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