Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse [Editor]
Die Weltkunst — 12.1938

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6. März 1958

XII. JAHRGANG, Nr. 10


ART.ffc WORLD

NST
LMONDEtfeARTS

EINZIGE ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST / BUCH / ALLE SAMMELGEBIETE UND IHREN MARKT
ANERKANNTES ZENTRALORGAN FÜR SAMMLER, MUSEEN, BIBLIOTHEKEN, KÜNSTLER UND KUNSTHÄNDLER

Erscheint jeden Sonntag im Weltkunst-Verlag,
Berlin W 62, Kurfürstenstr. 76-77. In den Monaten Mai bis Oktober jeden
zweiten Sonntag. Bankkonti: Deutsche Bank u. Diskonto-Gesellschaft, De-
positen-Kasse M, Berlin W 62, Kurfürstenstr. 115. Barclays Bank Ltd. 262,
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Berlin W 62, Kurfürstenstr. 76-77
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Ausland (nur im Umschlag) RM 4.40; oder Tschechoslowakei Kc 50; Frank-
reich ffrs. 38; Holland hfl. 3.25; Schweiz sfrs. 7.70; Österreich öS. 9.—;
und die nicht angeführten Länder RM 440; Übersee $ 1.80

Galerie Haberstock
Berlin W9, B e 11 e v u e s t r a ß e 15

sucht ständig zu kaufen:

Meisterwerke der Malerei
des 15. bis einschließlich
19. Jahrhunderts

Verlagerung des
Berliner Kunsfhandels
Der Zug nach dem Westen der Stadt hat
im Berliner Kunsthandel schon vor vielen
Jahren eingesetzt; zuerst verlor die Straße
Unter den Linden ihre Bedeutung, wenig
später auch die Wilhelmstraße. Dafür begann
in Kurfürsten-, Schill- und Nettelbeckstraße



erst zögernd, dann in einem überraschenden
Maße ein Teil des Berliner Kunsthandels sich
ein neues Zentrum zu schaffen, das heute be-
reits den ganzen Lützowplätz und die gleich-
namige Straße mit ihren Abzweigungen um-
faßt. Ein gut Teil der größten Kunsthändler
jedoch blieb bis jetzt noch jenem Viertel um
den Potsdamer Platz treu, in dem vor dem
Umbruch der internationale Handel und die
großen Auktionen sich abzuspielen pflegten.
Doch auch die noch dort verbliebenen Kunst-
häuser und Galerien werden nunmehr vor die
Initiative gestellt, sich nach neuen Geschäfts-
räumen umzusehen, denn die großartigen
neuen Stadibaupläne bringen es mit sich, daß
auch der Kunsthandel langsam aus diesem Stadt-
viertel abgedrängt wird, das z. T. dem neuen
Nord-Süd-Straßendurchbruch weichen muß.
Schon sind zwei bekannte Galerien nach dem
alten Westen in die Kurfürstenstraße über-
gesiedelt, und hie und da hört man auch von
anderer Seite die Erwägung solcher Pläne. Es
bietet sich also nunmehr, obwohl weite Weide-
plätze bereits besetzt sind, zum erstenmal die
Gelegenheit, daß sich der Berliner Kunst-
handel geschlossen in einem eigenen, mehr
oder weniger weitläufigen Zentrum vereint.
Denn da die Gegend des Kurfürstendamms
aus vielen Gründen heraus nicht in Betracht
kommen dürfte, werden voraussichtlich doch
die dem Lützowplätz benachbarten Straßen-
züge des alten Westens in erster Linie den
neuen Zustrom aufzunehmen haben, was eine
Konzentration nach sich zieht, die sowohl im
Interesse der Käufer und Sammler zu be-

Das Pommersche L a n d e s m u s e u m
in Stettin, das vor einiger Zeit einen in-
teressanten Ueberblick über die Kunstpflege
am pommerschen Herzogshof geben konnte,
stellt nunmehr in einer neuen, bis 31. Mai zu-
gänglichen, höchst sorgsam vorbereiteten Son-
derausstellung den berühmten Kamminer
D o m s c h a t z mit Urkunden und Drucken
zur heimischen Kirchengeschichte zur Schau.
Das bauliche Wahrzeichen des kurz vor 1176
von Wollin nach Kammin verlegten pommer-
schen Bischofsitzes ist der Anfang des 13. Jahr-
hunderts begonnene große Backsteindom..
Mehrjährige Instandsetzungsarbeiten an die-
Kokosnuß-Ziborium. Rheinisch (?), um 1350
Ausstellung des Domschatzes von Kammin im
Pommerschen Landesmuseum, Stettin
(Museums-Foto)

Kordula-Schrein. Wikingisch (Lund), um 1000.
Pommerschen Landesmuseum, Stettin
grüßen wäre wie im Sinne einer gesunden Kon-
kurrenz, die uns eines der förderlichsten
Mittel des Kunstabsatzes zu sein scheint. Es
wäre jedenfalls bedauerlich, wenn durch ein
neues Außenseitertum die Möglichkeit, einen
eigentlichen Mittelpunkt für den Kunsthandel
zu schaffen, wie ihn andere Großstädte, sei es
nun Paris oder London, Rom oder Wien be-
reits besitzen, wieder versäumt würde.

sem hervorragenden Baudenkmal der mittel-
alterlichen Zeit im deutschen Nordosten führ-
ten auch zu Maßnahmen, die Sicherung, Wie-
derherstellung und Neuordnung seines wert-
vollen Kunstgutes bezweckten. Nach dessen
Herrichtung bot sich die Möglichkeit, den ge-
samten Domschatz in Stettin öffentlich zu
zeigen. Unter seinem aus dem Dänemark der
Wikingerzeit, Niedersachsen, dem Harz,
Königsberg und Danzig, aus Italien, Frank-
reich, England, Südrußland, China und Indien
stammenden einzelnen Teilen befindet sich als
Glanzstück der mit plastischen Tierköpfen
versehene ovale K o r d u 1 a s c h r e i n (siehe
Abbildung), dessen aus 22 flachen Elch-
schaufelplatten bestehendes und von vergol-
deten Kupferbändern zusammengehaltenes
Gehäuse mit Tier-, Masken- und Flachband-

Ausstellung des Domschatzes von Kammin im
(Museums-Foto)
Ornamenten in Tremolierstichtechnik verziert
ist. Dieser prachtvolle Schrein, zu dem es
einzig in dem jetzt in München befindlichen
Bamberger’ Kunigundenkasten ein ähnliches,
wenn auch gröber ausgeführtes Gegenstück
gibt, ist eine um 1000 anzusetzende Wikinger-
arbeit, trotz stilistischer Zusammengehörigkeit
mit dem Jellingestein nicht in Jütland, son-
dern wahrscheinlich in Schonen entstanden,
wo Lund das künstlerische Zentrum des da-
mals noch "dänischen Gebietes war. Als wikin-
gische Umformung darf die vermutlich aus
Asien herübergewanderte Ornamentik auf einem
vorromanischen Reliquienkasten mit Knochen-
auflage gelten. Ein frühmittelalterliches deut-
sches Bergkristallreliquiar, Grubenschmelz-
arbeiten aus Limoges, eines der höchst selte-
nen Kokosnußziborien (s. Abbildung) mit ver-
goldeter Silberfassung in eleganter Form-
gebung, das um 1550 vermutlich im Rheini-
schen entstand, ein etwa gleichzeitiges nord-
deutsches Pazifikalkreuz aus 18karätigem Gold
mit einem aus früher römischer Kaiserzeit
stammenden Achatkameo, das in Nottingham
zu Anfang des 15. Jahrh. gearbeitete Alabaster-
relief mit dem Haupt Johannis des Täufers, die
1518 datierte kleine Stolper Madonna, eines
von den wenigen erhaltenen Beispielen deu tscher
Bernsteinplastik atls dem Mittelalter, pracht-
volle Textilien und andere kirchliche Gegen-

Der Kamminer Domschatz

PAUL TIECKE
Berlin IV 62, Kurfiirstensfr. 104 - Telefon: 2417 68
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