Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse [Editor]
Die Weltkunst — 12.1938

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20. November 1958

XII. JAHRGANG, Nr. 47

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LMONDErfaARTS


ANERKANNTES ZENTRALORGAN FÜR SAMMLER, MUSEEN, BIBLIOTHEKEN, KÜNSTLER UND KUNSTHÄNDLER
VERÖFFENTLICHUNGS -ORGAN DER FACHGRUPPE DES KUNST- UND ANTIQUITÄTENHANDELS, LAND OESTERREICH

Erscheint jeden Sonntag im Weltkunst-Verlag,
Berlin W 62, Kurfürstenstr. 76-77. In den Monaten Mai bis Oktober jeden
zweiten Sonntag. Bankkonti: Deutsche Bank, Depositen-Kasse M,
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Galerie Haberstock
Berlin W9, Bellevuestraße 15

sucht ständig zu kaufen:

Meisterwerke der Malerei
des 15. bis einschließlich
19. Jahrhunderts




Sammler (Geus v. d. Heuvel) für den schönen
„Winter in der Umgebung" Amsterdams“ (frü-

(Nachf. A. Weinmüller), Wj e n , 24.—26. November 1938
(Foto Kende)

her bei Huldschinsky) anlegte, kamen dem im
Jahre 1925 bezahlten Preis immerhin einiger-
maßen nahe. Das ganz vortreffliche Bildnis
einer jungen Frau von Nicolaes Eliasz Picke-

Wandteppich („Isolde zu Pferd") aus der sechsteiligen Tristanserie, ehem. Slg. Fürst Collalto. Um 1570.
Versteigerung : Kunstversteigerungshaus S. Kende

Ein holländisches Versteigerungsereignis
Die Versteigerung des Gemäldenachlasses
A. W. M. Mensing war ein unbestrittener Erfolg.
Nicht daß jedes Bild große oder gar Fantasie-
preise gebracht hätte, aber fast alles wurde zu
sehr anständigen und teilweise ausgezeichneten
Preisen verkauft: nur weniges blieb hinter den
Erwartungen zurück, und so war das Ergeb-
nis, das der Qualität des Angebotes entsprach,
unter Berücksichtigung der Zeitverhältnisse
eine posthume Verbeugung vor dem Manne,
der diese Bilder in seiner langen Laufbahn als
Auktionator und Kunsthändler zusammen-
gebracht hatte.
Am besten bezahlt wurden, wie üblich, die
holländischen Meister, und zweifellos herrschte
bei der Beurteilung des Angebotes und bei den
bewilligten Preisen Sachkunde vor. Verhältnis-
mäßig wenig beliebt scheinen große Porträts
zu sein, die sich den heutigen Wohnräumen
nicht gut einfügen. Allzu großes Format ist,
wie es scheint, überhaupt ein Handikap.
Die Spannung galt vor allem der Frage, was
der „Marten Looten“ von Rembrandt (s. Abb.
Nr. 52/35) bringen würde. Die Schätzungen be-
wegten sich um fl. 100 000 oder etwas darüber,
was zwar angesichts des Preises, den Herr
Mensing dafür bezahlt hatte, und verglichen
etwa mit dem letzten Rembrandt, der in
Amsterdam zur Versteigerung kam, dem
Frauenbildnis aus der Sammlung van den
Bergh, für das fl. 65 000 geboten worden war,
wenig erscheinen mag. Man darf aber hier-
bei und bei Beurteilung des Preises von
fl. 102 000, den schließlich ein amerikanischer
Privatsammler für das Bild anlegte, nicht ver-
gessen, daß es seit Jahren als käuflich im
Kunsthandel bekannt war. Auch das zweite
Hauptstück der Sammlung, „Antonius und
Cleopatra“, von Jan Steen brachte mit fl. 26500
einen Preis, der einem angemessen, aber nicht
hoch erscheinen mag (Kunsthandel). Vermut-
lich spielte hier das sehr große Format des
Bildes mit. Das ausgezeichnete Bauerninte-
rieur von Adriaen van Ostade (Nr. 76) er-
brachte mit fl. 17 500 einen seiner Qualität ge-
recht werdenden Preis (Lugt). Die beiden Bild-
nisse Augusts von Sachsen und seiner Frau
Anna von Dänemark wurden mit fl. 15 800 sehr
gut bezahlt (Kunsthandel). Mit fl. 15 500 wurde
der eindrucksvoll große Jacob Ruysdael, die
Küste von Egmond aan Zee, erworben (Kunst-
handel); die fl. 12 200, die ein großer Privat-

noy ging für fl. 10 000 nach New York.
Knapp unter der fl. 10 000-Grenze blieb mit
fl. 9800 der ausgezeichnete Kalf, der bei Reini-
gung noch sehr gewinnen wird. Ausgezeichnet
bezahlt wurden mit fl. 5500, 7400 und 5000 die
drei Berckheyde, die Herr Mensing aus der
Sammlung J. und A. Hope 1917 zusammen mit
vielen anderen Werken des Meisters erworben
hatte. (6 und 7 Kunsthandel; 8 van Dam.) Er-
freuliches Zeugnis für das Qualitätsgefühl der
Bietenden legte der Preis von fl. 6000 ab. der
für die Landschaft von Gerbrand van den
Eeckhout gegenüber einem Erstruf von nur
fl. 800 bewilligt wurde.
Von sonstigen bemerkenswerteren Preisen
seien genannt: fl. 1650 für den feinen „Winter“
(Fortsetzung auf Seite 2)
Unbekannte Wandteppichfolge:
Die Tristan-Serie
Nach den systematischen Forschungen und
Veröffentlichungen von ■ E. Göpel gehört es
wohl zu den größten Seltenheiten, daß noch
irgendwelche Werke der Wandteppichkunst
von einiger Bedeutung neu ans Tageslicht
treten, vor allem gleich eine geschlossene Serie
von der Kostbarkeit wie die sechs Tristan-
teppiche aus dem ehem. Besitz des Fürsten
Collalto, die am 24.—26. November durch das
Kunstversteigerungshaus S. Kende in Wien
versteigert werden und von denen wir zwei
auf den Seiten 1 und 2 abbilden. So unge-
wöhnlich das Thema von Tristan und Isolde
im 16.—18. Jahrhundert ist, so kostbar ist die
technische Verarbeitung mit einer überreichen
Verwendung von Seide sowie eingewirkten
Gold- und Silberfäden und so charaktervoll ist
der Stil der Darstellungen, der die Arbeiten
um 1570 datieren läßt. Nicht alle Signaturen
der Wandteppiche sind eindeutig zu lösen:
neben denen des Meisters Pasquier und des
Andreas de Necke findet man andere, die auf
Estienne Peppermann oder Georg van der
Becke gedeutet werden könnten. Jedenfalls
handelt es sich um eine ganz einzigartige Serie,
die gleichermaßen durch die wunderbare Be-
handlung des ansprechenden Themas wie die
Schönheit der Ausführung und die außer-
gewöhnlich dekorative Flaltung besticht.
Die genannte Versteigerung umfaßt außer-
dem noch wertvolle Juwelen und Perlen, ferner
schöne antike Möbel, Teppiche, Silber und eine
Reihe von interessanten Gemälden.

PAUL TIECKE
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