Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse [Editor]
Die Weltkunst — 12.1938

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25. Januar 1958

XIL JAHRGANG, Nr. 4


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LMONDEaARTS

EINZIGE ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST / BUCH / ALLE SAMMELGEBIETE UND IHREN MARKT
ANERKANNTES ZENTRALORGAN FÜR SAMMLER, MUSEEN, BIBLIOTHEKEN, KÜNSTLER UND KUNSTHÄNDLER

^scheint jeden Sonntag im Weltkunst-Verlag,
eriin W 6z, Kurfürstenstr. 76-77. In den Monaten Mai bis Oktober jeden
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reich ffrs. 38; Holland hfl. 3.25; Schweiz sfrs. 7.70; Österreich öS. 9.—;
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Galerie Haberstock
Berlin W9, Bellevuestraße 15

sucht ständig zu kaufen:

Meisterwerke der Malerei
des 15. bis einschließlich
19. Jahrhunderts

Europäische Barock-Kunst in London

Die große Ausstellung im Burlington
House in London hat dieses Jahr, wie be-
reits an dieser Stelle kurz mitgeteilt wurde,
dire Fortsetzung mit einer Ausstellung des
D. Jahrhunderts aus englischem Besitz ge-
funden. Die Erwartung war groß: die reichen
englischen Sammlungen haben ihren Anfang
jn der Zeit der Stuarts; die Maler des 18. Jahr-
hunderts beweisen das starke Verhältnis zur
Hämischen und holländischen Kunst des Hoch-
barock und diese Liebe findet bei den reichen
Sammlern des 19. Jahrhunderts ihre Fort-
setzung. Es kann nach all dem nicht verhohlen
"'erden, daß das Gesamtbild der Ausstellung
etwas enttäuscht. Die Zahl der wirklichen
Meisterwerke ist recht gering. Vermutlich ist
das weniger der Ausstellungsleitung zur Last
zu legen, als vielmehr dem in der Nachkriegs-
zeit doch wohl bedenklich fortgeschrittenen
Ausverkauf englischen Kunstbesitzes. Im übri-
gen muß bedacht werden, daß man sich schein-
bar zur Aufgabe stellte, vor allem Werke aus
allgemein nicht zugänglichen Sammlungen zur
Ausstellung zu bringen, und nicht so sehr den
Besitz der Provinz-Museen, von denen aller-
dings auch einiges hergeliehen wurde, heran-
zuziehen.
Die ersten beiden Räume sind der engli-
schen Malerei gewidmet. Ihr ist damit zahlen-
mäßig, wie nur verständlich, ein Platz einge-
i’äumt, der ihrer künstlerischen Bedeutung
nicht entspricht. Für den Kenner hat es ein

gewisses Interesse, die verschiedenen Maler,
die in der Gefolgschaft van Dycks arbeiteten,
vergleichen zu können. Die künstlerische
Physiognomie von Malern wie Lely, Dobson,
Gerard van Soest ist allerdings kaum vonein-
ander geschieden. Sie sind reine Epigonen
van Dycks, der mit seiner höfischen Eleganz
sie alle in den Bann zieht. Die Porträtisten
des ersten Viertels des Jahrhunderts, d. h., die
vor seiner Uebersiedlung nach England hier
arbeiteten, weisen häufig eine naive Einfach-
heit und eine manchmal ans Volkskunsthafte
grenzende Unbeholfenheit auf, die durch den
weltmännischen Einfluß des Flamen ver-
schwindet. Jansson van Ceulen zeigt diese
Wendung in seinen Arbeiten aus den dreißiger
und vierziger Jahren gut auf.
Die große Galerie ist fast ausschließlich
den beiden für England so wichtigen Flamen:
Rubens und van Dyck gewidmet. Van Dyck
ist, wie verständlich, vor allem mit Portraits
aus seiner englischen Epoche repräsentiert,
unter denen das große, ganzfigurige Porträt
Scaglias aus dem Besitze des Lord Camrose
hervorgehoben werden muß. Seine Jugend-
Epoche ist durch das große Bild aus Dulwich,
Samson und Delila und ein im Katalog als
Rubens aufgeführtes Salome-Bild (ex. castle
Howard Coll.) vertreten. Die Auswahl der
Rubens ist u. E. nicht sehr glücklich. Das
Schönste ist die helle Landschaft aus dem
Buckingham Palace, und die große Anbetung


Süddeutsche Trinkstube, Zirbelholz, datiert 1699
Ausgestellt bei Fischer-Böhler (Inh. Karl Fischer), München (Foto Fischer-Böhler)

PAUL TIECKE
Berlin 11' 62, KurfUrslenstr. 104 - Telefon: 2417 68
Rahmen . Restaurierungen aller art

Rembrandt. Admiral Tramp. 1667 (Ausschnitt)
Sammlung Viscount Cowdray
Ausstellung: London, Burlington House (Foto Archiv!


der Könige vom Duke of
Westminster. Die drei
anderen Bilder aus
den Königlichen Samm-
lungen: das bekannte
Selbstporträt aus Wind-
sor, das Porträt der
Helene Fourment (eben-
daselbst), und die große
Landschaft mit der Ge-
schichte des Hlg. Georg
sind nur Schatten von
Rubens’ Kunst. Die
Landschaft hat stark ge-
litten, die Echtheit der
Fourment hat bereits
Oldenbourg bezweifelt,
das Selbstbildnis ist in
seiner Durchführung
überraschend lahm. Von
den übrigen Flamen ist
Teniers mit einigen rei-
zenden Bildern gut ver-
treten. Von Jordaens ist
vor allem eine vor eini-
gen Jahren vom Museum
in Bristol erworbene,
kleinfigurige Anbetung
zu nennen.
Die nächsten Räume
beherbergen die hollän-
dische Malerei. Es sind
7 Gemälde Rembrandts
ausgestellt, unter denen
ein 1667 datiertes, in der
fast skizzenhaften Weise
der letzten Jahre hinge-
setztes, sog. Porträt des
Tromp (s. Abbildung),
und eine ganzfigurige
Studie eines alten Mannes aus den fünfziger
Jahren (Coll. Duke of Devonshire) die größten
Attraktionen bilden. Das Flora-Bild vom Duke
of Buccleuch ist aus der letzten Amsterdamer
Rembrandt-Ausstellung bekannt. — Daneben
zieht am meisten der Raum mit den Genre-
Bildern an. Hier fallen vor allem zwei sehr
schöne Maes und einige bekannte Pieter de
Hoochs auf. Steen schneidet besonders gut ab
mit einem kleinen, intimen Bild einer Bauern-
familie um den Tisch (Coll. Morrison) und
einer reicheren Komposition, die in der freien
Bravour des Vortrags eine Brücke zur flaemi-
schen Malerei schlägt. Von Franz Hals ist das,
auch auf der letztjährigen Ausstellung in Har-
lem gezeigte sog. Hamlet-Porträt eines Jungen
mit Totenkopf (Coll. Proby) zu sehen. Das
andere Bild des Meisters: eine Malle Babbe,
hängt leider zu hoch, so daß ein Urteil nicht
möglich ist. Die Landschaftsmaler hätte man
besser vertreten erwartet. Die Repräsentation
Cuyps und Hobbemas entspricht nicht der
Vorstellung, die man von dem Reichtum eng-
lischer Sammlungen an Werken ihrer Hand
hat. Auch von den Seemalern, die hier stets
besonders geschätzt waren, weist die Ausstel-
lung so gut wie nichts Ueberraschendes auf.
Kunstgeschichtliche Ueberraschungen gibt es

aus der Zahl der kleinen Meister nicht zu
melden. Sehr reizend ist ein Winterbild in
der Art Avercamps von dem nicht sehr häufig
vorkommenden Adam v. Breen. Unter einigen
Bildern der frühen Utrechter Schule befinden
sich zwei Terbrugghen. Eines jener Rätsel
der Rembrandt-Schule ist ein großes dreifigu-
i'iges Bild, das mit den beiden Fabritius
nächste Beziehungen hat.
Bei der Auswahl der Zeichnungen hat man
sich im allgemeinen auf die Großmeister
Rubens, van Dyck und Rembrandt beschränkt.
Hier wird es vor allem deutlich, wie sich die
Besitzverhältnisse in den letzten 20 Jahren ver-
schoben haben: es sind 5 oder 4 Sammlungen,
die man heranziehen konnte, vor allem die des
Duke of Devonshire mit der Serie der berühm-
ten Landschaftsblätter Rembrandts, die Samm-
lung von Oxford und Cambridge, welch Letz-
tere die Rubenszeichnungen von Ricketts und
Shannon als Vermächtnis erhielt, daneben ist
die Sammlung Fennwick zu erwähnen, deren
Schätze bereits vor kurzem von Popham publi-
ziert wurden.
In der folgenden Nummer werden wir einen
kurzen Bericht über das, was von den roma-
nischen Schulen zu sehen ist, folgen lassen.
G. D.

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