Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse [Editor]
Die Weltkunst — 12.1938

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6. Februar 1958

XIL JAHRGANG, Nr. 6


EINZIGE ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST / BUCH / ALLE SAMMELGEBIETE UND IHREN MARKT

ANERKANNTES ZENTRALORGAN FÜR SAMMLER, MUSEEN, BIBLIOTHEKEN, KÜNSTLER UND KUNSTHÄNDLER

p
Scheint jeden Sonntag im Weltkunst-Verlag,
eriin W 62, Kurfürstenstr. 76-77. In den Monaten Mai bis Oktober jeden
Seiten Sonntag. Bankkonti: Deutsche Bank u. Diskonto-Gesellschaft, De-
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f-, I . y | | Meisterwerke der Malerei
vJctleKie lla.berstock ständig zu kaufen: des 15. bis einschließlich
Berlin W9, Beilevuestraßel5 19. Jahrhunderts

Erste Deutsche Architektur- und

Kunsthand werk-Ausstellung M iinchen

Man weiß, daß in früheren Zeiten Fürsten
Städte kunstvoll ausgeführte Modelle ihrer
aUvorhaben machen ließen. Man denke nur
?a die schönen Modelle zum Augsburger Rat-
äus des Elias Holl, die heute im dortigen
' aximilansmuseum stehen. Es geschah dies
"lcht nur, um sich eine Vorstellung von der
dPchitektonischen Wirkung machen zu kön-
i1®11, — dazu wären so kostbare Miniatur-
aUten nicht notwendig gewesen — sondern
geschah auch aus Selbstbewußtsein, aus
Ü()lz auf die eigene Baugesinnung. Dieses
' eibstbewußtsein, dieser Stolz sprechen auch
c,tls der Architekturschau, die sämtliche Par-
®rreräume des Hauses der Deutschen Kunst
’ lrüiinimt: diese gewaltigen Bauten eigener
.1 schuf das neue Deutschland aus seinem
'Medererrungenen Machtgefühl heraus. Der
egriinder dieses Gefühls, Adolf Hitler, war
auch der 1 nspirator des neuen Stils, der bei

allen diesen Bauten in Erscheinung tritt. In
den Parteibauten, den Fest- und Kongreß-
hallen, den Kasernen und Ordensburgen, den
Flughäfen, im Stadion und in der Brücke. Es
erscheint kein leerer Formalismus, sondern
lebendige, gestaltende Kraft. Sei es der luxu-
riöse Empfangsraum, der feierliche Fest- oder
Versammlungssaal, seien es die Mannschafts-
stuben oder die Säle des KdF.-Schiffes „Wil-
helm Gustloff“.
Auf Einzelheiten einzugehen, muß der Fach-
presse vorbehalten bleiben. Aber es muß her-
vorgehoben werden, daß hier nicht wie in
früheren Ausstellungen die Architekturwerke
verschiedenster Gattung einfach aneinander-
gereiht sind, sondern daß hier Höheres ge-
boten wird: der Geist eines neuerwachten
Volkes, das sich seinen Körper schafft.
In der Abteilung Kunsthandwerk in den
oberen Räumen des Hauses der Deutschen
Kunst sind rund .1.000


PAUL TIECKE
Berlin IV 62, Kurfiirsienslr. 104 - Telefon: 2417 68
H M E N . RESTAURIERUNGEN ALLER ART

Aussteller vertreten. Grö-
ßere Objekte sieht man
in prachtvollen Licht-
bildvergrößerungen. von
denen auch bei der Ar-
chitektur, ein bisher nicht
gekannter einprägsamer
und geschmackvoller Ge-
brauch gemacht ist. Im
übrigen wählte man die
Aufteilung in Wohn-
räume, die die Möglich-
keit boten, die einzelnen
Stücke — Möbel, Be-
leuchtungskörper, Por-
zellan, Glas, Edelmetall,
Zinn, Fayencen etc. —
wirkungsvoll aufzustel-
len. Auch hier ist es uns
nicht möglich, auf ein-
zelne Leistungen einzu-
gehen. Nur soll gesagt
sein, daß man bei Mö-
beln gerne wieder die
Formen des frühen und
späten 18. Jahrhunderts
aufleben läßt und Wert
auf schöne Hölzer und
Vergoldung legt. Sehr
erfreulich und voll guter
Bedeutung für die Zu-
kunft ist die hochwertige
Beteiligung der Fach-
schulen.
Ludwig F. Fuchs

Ambrosius Benson,
Männerbildnis.
Sammlung E. L, Berlin
Versteigerung: Kunstauktions-
haus Hans W. Lange,
Berlin, 30./31. März 1937


Paraskewe Bereskine, „Drei Fächer". Sonderausstellung in der Preuß. Akademie
der Künste, Berlin (Bericht in folgender Ausgabe) (Foto Privat)

Kunst der romanischen Völker
auf der Londoner Barock-Ausstellung*)

Der glänzendste Anziehungspunkt der gan-
zen Ausstellung ist das große dem König von
Rumänien gehörende Altargemälde der An-
betung der Hirten von Greco, das letzten Som-
mer in der Pariser Greco-Ausstellung gezeigt
wurde (s. Abb. Nr. 5). Man tat recht daran,
die Gelegenheit, das Bild nach London bekom-
men zu können, wahrzunehmen, obgleich es
ja in den eigentlichen Rahmen der Ausstel-
lung nicht hineingehört. Die frappante Wir-
kung dieses Meisterwerkes des Manierismus
inmitten einer Versammlung barocker Bilder
bringt es deutlich heraus, wie stark unsere
Zeit der subjektiv betonten Form zuge-
tan ist. Es ist amüsant, zu erfahren, daß
das Gemälde, als es im Jahre 1853 bei Chri-
sties versteigert wurde, nicht mehr als L. 10.—
brachte. Der Gegenpol spanischer Kunst -
Velasquez ist durch das frühe, noch ganz cara-
vaggeske Bild des Wasserträgers (Coll. Duke
of Wellington) und das reife Halbfiguren-Por-
trät des Mulatten-Gehilfen des Malers (Coll.
Earl of Radnor) vertreten. Daneben gibt es
einige große Murillos zu sehen.
Erstaunlich ist es, daß keine besseren Ge-
mälde Claudes zusammengebracht werden
konnten; was jedoch in dieser Hinsicht zu
wünschen übrig läßt, ist auf dem Gebiete der
Zeichnungen reichlichst aufgewogen. Auch von
Poussin, von dem einige bedeutende Bilder
(Coll. Morris, Viscount Harcourt) ausgestellt
sind, werden Beispiele aus allen Phasen sei-
ner Zeichenkunst gezeigt. Die naturalistische
Strömung in der französischen Malerei der
Epoche ist durch einige Le Nains angedeutet,
unter denen das kleine helle dreifigurige Bild

der Bauernfamilie von der Hand des Louis
besonders hervorsticht (Coll. Duke of Leeds).
Die Auswahl des italienischen Seicento ist
recht armselig. Hervorzuheben wäre ein erst
kürzlich im „Apollo“ von Voss veröffentlichtes
großes, sehr dekoratives Gemälde einer Szene
aus Tassos „Befreitem Jerusalem“ eines Mei-
sters C. G., das mit seiner sachlichen Bunt-
heit dem Italienischen Saale den entscheiden-
den Akzent gibt: weiterhin eine Neuerwerbung
der Dubliner Gallery, eine Vision des Hierony-
mus von Jan Lys, ähnlich dem bekannten Bild
in Venedig. In diesem Zusammenhänge muß
auch die m. W. einzige in England befindliche
Großplastik Berninis erwähnt werden, die der
Earl of Yarbrough von seinem Landgut in
Brocklesby sandte. Die anziehendste Seite der
Italienischen Barockkunst stellen jedoch ohne
Zweifel die Zeichnungen dar. Eine ganze
Reihe der sonst im Bridgewater House leider
nur schwer zugänglichen Blätter der Carracci
zeigen Annibale in einem Lichte, daß man die
außerordentliche Schätzung, die ihm bis in den
Beginn des 19. Jahrh. zuteil wurde, sehr wohl
versteht. Neben dieser Sammlung und der-
jenigen in Oxford, wo sich eine Reihe der
einst zur selben Serie gehörenden Carracci-
Blätter befindet, ist vor allem die Königliche
Sammlung in Windsor herangezogen worden.
Von dort kommen die Blätter Berninis, die
Reihe der Castiglione und der effektvollen
Guercino, unter denen einige sehr schöne Bei-
spiele auch aus der Collection R. Witt stam-
men. G. D.

*) vgl. den ersten Bericht in Nr. 4.

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