Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse [Hrsg.]
Die Weltkunst — 12.1938

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D I E

WELTKUNST

Jahrg. XII, Nr. 7 vom 13. Februar 1938


Poraskewe Bereskine, Bildnis v. B.
Sonderausstellung in der Preuß. Akademie
Berlin
rückt die Berliner Ausstellung in eine beson-
dere Beleuchtung,
Bei Paraskewe Bereskine, die be-
reits vor zwei Jahren in einer Berliner Gale-
rie mit ihren Gemälden Erfolg hafte, fallen
vor allem die Frauenbildnisse auf. Sie vermag
im Gegensatz zu so vielen männlichen Malern
die Eigenart und den Charme weiblicher Er-
scheinungen mit farbigen Feinheiten wieder-
zugeben, in deren eigenartigem Klang sich
alte ererbte und erworbene Kultur ausspricht
('s. Abbildung). Da sie, wie ihre Akte, Land-
schaften. religiösen und mythologischen Sze-
nen zeigen, auch thematisch außerordentlich
wandlungsreich ist. entsprechen ihre verschie-
denen Bildlösungen unterschiedlichen Stilab-
sichten. Aber gleich bleibt bei ihr die male-
rische Grundhaltung. Schönheit der sichtbaren
Dinge in den Wohllaut koloristischer Kon-
traste aufzulösen. Ein Streben nach Bildhar-
monien, das selbst die eindrucksvollen Zeich-
nungen nach Landschaftsformen und Frauen-
gestalten auszeichnet und auch die betont
farbige Einzelheiten zu einem wohlabgewoge-
nen Zusammenklang bringende große Dar-
stellung, auf der drei Slavenfrauen ihre
Gesichter mit einem bilderbemalten Fächer
verdecken (s. Abbildung Nr. 6).
Der Motivreichtum bei Werner Fei-
ner, der vor einiger Zeit du rch den Minister-
präsidenten zum Leiter der neuen Hermann
Göring-Meisterschule in dem Eifeldorf Kro-
nenburg (Abb. in Nr. 49/50, XI) ernannt wor-
den ist, drängt in den letzten Jahren über die
Grenzen des Tafelbildes hinaus. Als er mit
frühen Gemälden durchdrang, weitflächigen
Landschaftsräumen, welche immer von höch-
ster Deutlichkeit in den klar umrissenen Ein-
zelheiten blieben und besonders bei Winter-

stimmungen einen fast
brueghelhaft wirkenden
Glanz hatten, war schon
eine sich vielseitig aus-
übende Technik festzu-
stellen. Diese Technik,
die sich in einer Reihe
der hier ausgestellten
Bilder in einer oft mi-
niaturhaften Feinheit der
Farbengebung erging,
wenige Grundtöne in
eine überlegene Einheit
brachte und in dem
Verblauen weiter Fer-
nen oder in der Be-
grenzung durch Höhen-
linien von Bergeszügen
am Horizont von vorn-
herein unter dem Zeichen
einer rhythmischen Glie-
derung stand, hat im
Dienst einer ungewöhn-
lich bildlichen Erfin-
dungsgabe ihre Möglich-
keiten planvoll erweitert.
Flächige Aufteilungen,
die in einem Triptychon
und anderen afrikani-
schen Bildern eine exo-
tische Welt in eine
eigenartige Form brin-
gen, steigern sich in
Mosaikkartons und mo-
numentalen Teppichen
(s. Abbildung) zu Lösun-
gen, die den unmittel-
baren Zusammenhang
.. . mit Wand. Raum und
der Künste, . , ,
(Foto Privai) Architektur wiederge-
funden haben.
Die bei dieser Ausstellung besonders
schwierige Hängung ist von Dr. K. K. Eber-
lein, der auch die geschmackvollen Kataloge
betreute, in hervorragender Weise gelöst
worden. Hans Z e e c k


Londoner Saisonbeginn

Früher als sonst setzt die Londoner Ver-
steigerungssaison mit einer Reihe hochwerti-
ger Versteigerungen ein, und es wird auch be-
reits von einigen sensationellen Veranstaltun-
gen gemunkelt, die folgen sollen, über die aber
bislang noch keine sichere Auskunft zu erhal-
ten ist.
Christie’s eröffnen den Reigen mit der
Sammlung chinesischer Porzellane, orien-
talischer Teppiche und Möbel des frühen
18. Jahrhunderts am 22. Februar. Das Por-
zellan, meist Ming und K’ang-Hsi, enthält
Stücke von überdurchschnittlicher Bedeutung.
Unter den Möbeln erstrangige Stücke der Stile
Sheraton und Adam. Am 24. Februar folgt
die Sammlung Mrs. George Rasmussen mit
französischem Mobiliar des 18. Jahrhunderts
von ausgesuchter Schönheit. Zu nennen u. a.
ein Louis XV-Bureau aus dem ehern. Besitz
der Könige von Sardinien, ein Beauvais-Wand-
schirm aus dem Besitz von Marie-Antoinette
(s. Abb.) und eine Salongarnitur mit Beau-
vais-Bezügen nach Entwurf von J. B. Monno-
yer. Die Versteigerung am 25. Februar bringt
ausschließlich Gemälde aus verschiedenen
Sammlungen: von hohem Range sind
hier eine Landschaft von Corot, ein
1637 datiertes Seestück von van Go-
yen, das Bildnis von Rembrandts
Vater mit dem Federhut von Rem-
brandt (um 1630, Abb. S. 1), dessen
Kopie sich im Rijksmuseum in Am-
sterdam befindet und das 1929 auf
der großen Holländer-Ausstellung in
London zu sehen war, dann ein 1784
datiertes Bildnis des Architekten
Rodriguez von Goya mit langem
Pedegree, zwei Morlands, englische
Porträts und Jagdbilder.
Zwei Tage vorher, am 25. Februar,
bringt Sotheby & Co. ebenfalls
Gemälde aus verschiedenem Besitz
auf den Markt, darunter unter dem
Namen des Frans Hals ein bisher
unbekanntes Männerbildnis mit
Schlapphut . Historisch wichtig die
Versteigerung von Autographen und
geschichtlichen Dokumenten, größ-
tenteils auf Napoleon I. bezüglich,
aus dem Besitz der Nachkommen des
Marschalls Berthier, am 1. März.
Auf dem Buchmarkt dürfte das
größte Ereignis die Versteigerung
eines Teiles der kostbaren Bibliothek
Mortimer L. Schiff (New York) durch
Sotheby & Co. sein, die für Früh-
jahr angekündigt wird. Neben selte-
nen französischen Büchern des 16.
Jahrhunderts und Erstausgaben von
Montaigne, Moliere, Corneille, Racine
a. a. ragt diese Bibliothek durch ihre
Einbände, z. B. für Diana von Poi-
tiers, Mme de Pompadour gefertigt,
hervor.

rini haben bekanntlich in den letzten Jahren
immer wieder versucht, Teile ihres übergro-
ßen und bedeutsamen Kunstbesitzes abzusto-
ßen. Die Pieta von Palestrina ist bis .1907
Bernini zu geschrieben gewesen. Nach ersten
Untersuchungen dreier Kunsthistoriker der
französischen Akademie in Rom, dann nach
Vergleichungen mit Zeichnungen hat man sich
endgültig entschieden, die Pieta dem Michel-
angelo zuzuschreiben. Das Haus Barberini
hat jetzt einen amerikanischen Käufer gefun-
den. Es lag ein Angebot von 5 Millionen Lire
vor. Aber das Erziehungsministerium hat —
ohne die Ausfuhr zu verweigern — den Ver-
kauf verhindert. Es hat eine Schätzung vor-
nehmen lassen und dabei ist der Preis auf
die zehnfache I löhe gesetzt worden. Die Pieta
ist amtlich auf 50 Millionen Lire geschätzt
worden. Daraufhin ist der amerikanische
Käufer abgesprungen. Das Fürstenhaus Bar-
berini weiß sich nun zwar um 45 Millionen
Lire reicher; aber es liegt, soweit bekannt,
kein Angebot des Staates vor, die Pieta zu
diesem Preise zu erwerben. Vorläufig wird
sie in der alten Kirche in Palestrina bleiben.


Die Pieta
von Palestrina
Die Pieta in der Kirche der Santa
in Palestrina ist wie die ganze Kirche Eigen-
tum des Fürstenhauses Barberini. Die Barbe-
Kaminschirm mit Beauvais-Tapisserie
Ehemals im Besitz von Marie-Antoinette
Versteigerung der Slg. Mrs. G. Rasmussen durch
Christie’s, London, 24. Februar 1938 (Foto Christie)

.Auktion« -‘Vorbericht
Berlin, 17. Febr.
Das Vers teiger u ngshau s Union
löst am 17. Februar eine Wohnungseinrichtung
und den Kunstbesitz Corneliusstr. 4a auf.
Man findet beachtenswerte antike und moderne
Einzelmöbel, Hämische Tapisserien, Gemälde

Werner Reiner, Karton zum Wandteppich der Falkenjagd
Friedrichs II.
Sonderausstellung in der Preuß. Akademie der
Künste, Berlin (Foto G. Schmidt)

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