Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse [Editor]
Die Weltkunst — 12.1938

Page: 9 2
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/wk1938/0046
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
o

DIE WELTKUNST

Jahrg. XII, Nr. 9 vom 27. Februar 1938

Diese durch eine Beihilfe des Dresdener
Altertumsvereins ermöglichte Erwerbung der
Dresdener Galerie ist umso wertvoller, weil
der große nordische Landschaftsmaler bisher

in keiner seiner Bedeutung entsprechenden
Weise vertreten war und weil dieses herrliche
Nachtbild einen Höhepunkt seines malerischen
Schaffens bezeichnet.

Holländisches Mäzenatentum

Die großzügige Unterstützung holländischer
Sammler und Kunstliebhaber hat cs dem
rührigen Direktor des Rotterdamer Boymans-
Museums ermöglicht, soeben zwei der bedeu-
tendsten, jemals für dieses Institut getätigten
Ankäufe durchzuführen. Im ersten Falle han-
delt es sich um Rembrandts Gemälde „Der
Buchhalter“ (Abbildung Nr. 28/29/XI), dessen
Erwerbung wir verfrüht bereits im letzten
Sommer gemeldet hatten. Das aus der letzten
Periode des Meisters stammende, fast ganz mit
dem Palettemesser in bräunlichen und roten
Farbtönen gemalte Bild, das auf vielen Aus-

durch die immer geschmackvolle Farben-
wahl nicht aus. Im Mittelpunkt dieser
Ausstellung stehen die Arbeiten, die Boehland
seit 1955 im amtlichen Auftrag geschaffen hat.
Das neue preußische Hoheitszeichen, die ge-
drungenen Schriftformen in der Staatsrats-
urkunde und anderen Dokumenten und die
Formgebung in den Drucksachen für die
Olympiade sind ebenso wie die für die Staat-
liche Porzellanmanufaktur und die Sparkasse
der Stadt Berlin ausgeführten Graphiken ge-
haltvolle Beispiele einer künstlerischen Art.
die vom Inhaltlichen der Aufgaben ausgehend
immer wieder neue, über-


Ausschnitt aus Vermeers

Neuerwerbung

des Museum

B o y m a n s ,

Stellungen die Bewunderung der Besucher er-
regte, ist als Geschenk der „Vereeniging Rem-
brandt“ und von nicht weniger als hundert
Kunstfreunden in das Museum eingezogen. Es
befand sich zuletzt im Besitz der Firma D. Katz
(Dieren).
Auch über die zweite, soeben offiziell vom
Bürgermeister von Rotterdam bekannt ge-
machte Neuerwerbung, die des kürzlich von
Bredius entdeckten Emmaus-Bildes von Ver-
meer van Delft (Abb. Nr. 47 XI.) konnten wir
bereits berichten. Die bei der Kunsthandlung
D. A. Hoogendij.k getätigte Erwerbung wurde
durch die Großzügigkeit eines bekannten Rot-
terdamer Kunstfreundes ermöglicht, der dabei
von der Rembrandt-Vereinigung und Dr. Bre-
dius persönlich namhaft unterstützt wu rde.

zeugende und unmittel-
bar wirkende Lösungen
findet. In dem den Boeh-
landschen Lehrergebnis-
sen gewidmeten Raum
fallen vor allem Plakate
und andere dekorative
Flächenlösungen auf.
Hans Ze eck
Auklions
Torschau
Berlin, 8. März
Am 8. März findet bei
R u d. Lepke eine Ver-
steigerung von Antiqui-
täten und Gemälden
alter und neuerer Mei-
ster statt. Der erste Teil
der Versteigerung bringt
eine ganze Anzahl sehr
reizvoller Einzelmöbel,
darunter Renaissance-,
Barock- und Louis XVI-
Schränke, ebenso Sitz-
möbel. darunter einzelne
mit Pointbezügen, prunk-
voll geschnitzte Konsol-
tische, Kommoden und
Boudoirmöbel. Ferner
sind zu erwähnen einige
sehr schöne Aubusson-
Teppiche und Tapisse-
rien des 17. Jahrh. so-
wie persische Teppiche,
Porzellane, Fayencen,
Silber, Miniaturen, Klein-
kunst u. a. Von den
Gemälden ist in erster
Linie ein Flügelaltar
des Wolf Traut zu nennen
(s. Abbildung). Auch, sind zu erwähnen inter-
essante Bilder der flämischen Schulen von
Virrckeboons, Verhaegt, Lucas van Uden u. a.
Holländische Figurenbilder und Landschaften
sirrd mit vielen Beispielen vertreten: wir nen-
nen u. a. van de Velde, Neyts, Booth. Mole-
naer. Quast und eine vortreffliche Reihe hüb-
scher Stilleben. Von den Vlamen erwähnen
wir ein großes Bild von Jacob Jordaens und
eine reizvolle Bacchus-Darstellung. Unter den
Landschaften des 18. Jahrhunderts erwähnen
wir eine große Hochgebirgsdarstellung von
Hackert. Das 19. Jahrhundert beginnt mit
den Malern Dörner, F. Meyerheim, Brücke.
Hosemann: im Mittelpunkt steht eine hervor-

aus dem Kreise

Emmaus-Bild
Rotterdam
(Foto Frequin)

Die beiden Gemälde, von deren einem
wir- heute mit Genehmigung des Boy-
mans-Museums zum erstenmal einige
wunderbare Details veröffentlichen kön-
nen, werden erst im Sommer auf der
großen Ausstellung, die anläßlich des
Regierungsjubiläums der Königin der
Niederlande die schönsten, in den letz-
ten vierzig Jahren in Holland gesam-
melten Kunstwerke vereinigen wird,
dem Publikum gezeigt werden.

Johannes Boehland

Im Sc h r i f t m u s e u m R u d o If
Blanckertz wird ein Ueberblick
über das Schaffen des seit einer Reihe
von Jahren als Lehrer an der Schule
der Reichshauptstadt Berlin für das
graphische Gewerbe und an der Reichs-
werbeschule tätigen Zeichners und
Schriftkünstlers Johannes Boeh-
land gegeben. Empfindsame und ein-
drucksvolle, zuweilen auch farbig ge-
tönte Blätter nach Kinderköpfen, alten.
Städten, Flachlandschaften und Schiffen
zeugen von einem Talent, das un-
befangen aufnimmt und mit spar-
samen Mitteln charakterisiert. Bei aus-
gezeichneten Zcitschriftentiteln, Buch-
umschlägen und Einbänden schließt
Einfachheit der Zeichensprache leben-
dige und kraftvolle Wirkung auch


Hans Thoma, Oelgemälde, 67 : 85 cm
Versteigerung: Ferdinand Weber, Mannheim,
8.-9. März 1938 (Kl. Weber)

ragende Zeichnung von
Böcklin; Arbeiten von
Laub, Scholderer, wich-
tige Werke von Buchholz
und Kühl schließen sich

an.

Köln, II.—12. März

Am 11./12. März findet
bei Math. Lempertz
eine bedeutende Verstei-
gerung von Werken alter
Kunst statt, deren Be-
stände sich aus einer
bekannten süddeutschen
Privatsammlung, aus
rheinischem, sowie aus
sonstigem Besitz zusam-
mensetzen. Unter den
alten Gemälden seien be-
sonders hervorgehoben:
Madonna mit dem Jesus-
kinde von Cranach d.
Ae., zwei signierte Land-
schaften von Hobbema,
ein Gesellschaftsbild von
Mieris d.Ae., ein Greisen-
kopf von Rembrandt, den
A. Bredius zwischen 1640
und. 1650 datiert, ein
Dreikön igenzug aus Nord-
italien um 1450, ein
großer Flügelaltar der
Antwerpener Schule um
1520, zwei feine Land-
schaften von Teniers
d. J., eine Darstellung
der neun Musen mit
Apollo von Ludovico


Carracci und Bildnisse Ausschnitt
von Miereveldt. Rave- Neuerwerbung
steyn, Victors, G. Flinck,
Santvoort, Eylert, de Baen, Nie. Maes, Lar-
gilliere u. a. Unter den Holzplastiken befinden
sich hervorragende deutsche Werke des 15. bis
18. Jahrhunderts. Wir nennen: Zwei kleine

polychrome Statuetten (Adam und Eva) aus
der schwäbischen Schule (Abb. Nr. 5), einen
St. Florian von Erasmus Grasser in originaler
Vergoldung, eine Mariengruppe aus der Um-
gebung des Veit Stoß, einen Leuchterengel von
Christian Rodt, einen Engelskopf von Ignaz
Günther, eine holländische Magdalena von

aus Vermeers Emmaus-Bild (Foto Frequin)
des Museum Boymans, Rotterdam

nisten Delacroix nahesteht, eine Sitzmöbel-
garnitur mit zeitechten La Fontaine-Bezügen
von Aubusson, mehrere frühe gotische Truhen
u. v. a.

Mannheim, 8.—9. März
Das Kunst- und Auktionshaus Ferdi-
nand Weber veranstaltet in seinen Räumen
am 8.—9. März eine große Versteigerung, die
Kunstwerke aus allen Gebieten umfaßt. Unter
den Gemälden findet man einerseits Werke


Kreis des Wolf Traut, Flügelaltar
Versteigerung : Kunst-Auctions-Haus Rudolph Lepke, Berlin, 8. März 1938 (Kl. Lepke)

1490, einen St. Christophorus aus der Boden-
seegegend um 1470, einen polychromierten
Turnierritter aus Landshut um 1510, einen
Tiroler St. Balthasar um 1470. Besondere Be-
deutung haben die alten Silberschmiedearbei-
ten des 16. bis 18. Jahrhunderts aus Augsburg,
Nürnberg, Lüneburg, Salzburg und sonstigen
deutschen Werkstätten. Unter den
Tapisserien heben wir- einen signier-
ten Beauvais-Teppich und einen fran-
zösischen Donquixote-Teppich von 1660
hervor. Manches Beachtliche' findet
sich unter den italienischen Figuren-
bronzen der Renaissancezeit und unter
den sonstigen Metallarbeiten. Von den
keramischen Erzeugnissen verdienen die
schönen rheinischen Steinzeugkrüge
des 16. Jahrhunderts, einige norditalie-
nische Majoliken, eine prächtige große
Yung-Tscheng-Vase, eine Anzahl Früh-
meißener und sonstige deutsche Por-
zellane Erwähnung. Die Abteilung der
alten Möbel verzeichnet eine Reihe
charakteristischer Sitzmöbel aus Nord-
italien, einige Lack- und Marketerie-
Möbel aus Pariser Werkstätten, des
18. Jahrhunderts, darunter signierte
Stücke von M. Criaerd (s. Abb. S. 4)
und Pierre Garnier, ein Bonheur du
jour, das den Erzeugnissen des Ebe-

von Bogaert (s. Abbildung), Storck. Molenaer,
Jordaens, de Momper u. a., andererseits von
Thoma (s. Abbildung), Achenbach, Lessing,
Dill. Zumbusch usw. Dazu kommen über 100
antike Möbel, eine Sammlung von Holzskulp-
turen und Porzellan, Kleinkunst und orienta-
lische Teppiche.


Hendrik Bogaert, Bauernszene. 54 : 72 cm
Versteigerung: Ferdinand Weber, Mannheim,
8.-9. März 1938 (Kl. Weber)

GEGRÜNDET 1899


sucht zu kaufen: gutes Kunstgewerbe, silb. Pokal und Humpen, gotische Plastiken
■. und bittet um Angebot
Berlin W35, Lützowstraße 30. Ecke Kluckstraße, Telefon: 220287

MARIA ALMAS
Gemälde erster Meister des 15. bis einschließlich 19. Jahrhunderts
Antiquitäten »Einrichtungen des 18. Jahrhunderts
München • Ottostrasse 1b
ANGEBOTE ERBETEN
loading ...