Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse [Editor]
Die Weltkunst — 12.1938

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DIE WELTKUNST

Jahrg. XII, Nr. 26/27 vom 5. Juli

die neue Schatzkammer Kostbarkeiten der
Goldschmiedekunst aus zehn Jahrhunderten,
wie- sie herrlicher- in keiner der berühmten
Domschatzkammern gezeigt werden. Wir nen-
nen nur den goldenen Tragaltar Kaiser Ar-
nulfs um 890 (s. Abb. S. 3), das Kreuzreliquiar
Kaiser Heinrichs II. aus dem frühen 11. Jahr-
hundert, das Giselakreuz (s. Abbildung), ein
Geschenk der Schwester des Kaisers für das
Grab ihrer Mutter in Niedermünster bei
Regensburg (nach 1001) und die als Kelch
montierte Kristalltasse, die Heinrich II. an den
Bamberger Dom stiftete (s. Abb. S. 1), im

Kernstück eine fatimidische Arbeit aus dem
10. Jahrhundert, deren Gegenstück an der
goldenen Kanzel des Aachener Münsters eben-
falls ein Geschenk dieses Kaisers ist.
Von Arbeiten der Renaissance seien vor
allem der Hausaltar Herzog Albrecht V. aus
Goldcmail und die drei Goldemailaltär-
chcn Wilhelms V. erwähnt. Ferner die
große silberne Monstranz, ebenfalls gold-
emailliert, die durch Kurfürst Maximilian I.
in die Schatzkammer kam und eine Reihe
Gold- und Silbertreibarbeiten Münchener und
Augsburger Goldschmiede. Ein köstliches

Aus der Münchener Altdorfer-Ausstellung
Das Werk Jörg B r e u s d. Ae.

Die Nachdrücklichkeit der Wirkung der
Münchener Altdorfer-Ausstellung beruht, wie
bereits in unserem Bericht in Nr. 20/21 ange-
deutet wurde, nicht allein in der Veranschau-
lichung fast des gesamten erhaltenen Werks
des Regensburger Meisters, sondern vor allem
in der überzeugenden Darstellung einer an
einer Zeiten- und Stilwende maßgeblichen und

anstalter der Ausstellung, Ernst Buchner, der
selbst die Grundlagen zur Kenntnis dieses
Augsburger Meisters gelegt hat, beinahe den
ganzen ersten Raum beherrschend eingeräumt
hat. Ganz oder in wesentlichen Teilen sind
hier die für die Entwicklung des Donaustils
wesentlichen, in der Frühzeit des Meisters in
Oesterreich entstandenen Altarwerke aus


Jörg Breu, Benediktlegende vom Zwettler Altar
Altdorfer-Ausstellung: München, Neue Staatsgalerie (Fot. B. Staats-Gem.-Slg.)

bisher in der Gesamtheit noch immer rätsel-
haften Kunstlandschaft. Das Wachsen des
Altdorferschen Stils wird nicht als ein geniales
Phänomen dargestellt, sondern in den Wurzeln
seines engeren Volkstums aufgeklärt. Wird
damit seine überragende Erscheinung nur
noch augenfälliger, so treten doch gleichzeitig
in das Blickfeld der Allgemeinheit und der
weiteren Fachwelt Künstlererscheinungen, die
bisher im Grunde nur wenigen Spezialisten
geläufig waren.
Unter den Vorläufern Altdorfers, die auf
der Ausstellung glänzend vertreten sind, ist
die eindrucksvollste Persönlichkeit ohne
Zweifel Jörg Breu der Aeltere, dem der Ver-

Zwettl, Melk und Herzogenbusch zu sehen,
und vielleicht zum erstenmal richtig in reinem
Licht und, nach vielfach notwendiger Reini-
gung, in wundervoller Frische, z. T. mit neu
zutage getretenem Goldgrund, zu studieren.
Gerade der Zwettler Altar mit der Bernhards-
Legende, von dem wir hier die den Heiligen
als Patron der Tiere darstellende Tafel ab-
bilden, ist geeignet, die Gedanken zu Altdorfer
vorauseilen zu lassen: wie hier die figürliche
Darstellung ganz aus dem Raumgefühl heraus
geboren, gleichsam aus der Landschaft, in
die die Figuren eng verzahnt sind, entwickelt
ist, hat seine Parallele nur noch im frühen
Werk Cranachs oder im Schaffen Altdorfers.

Christuskind aus Elfen-
bein ist von Hans Krüm-
per geschnitzt, ein eben-
solches Kruzifix von
Georg Petel, Silber-
arbeiten stammen außer-
dem von den Meistern
Jakob Philipp, Christian
und Christoph Drent-
wett usw.
Der Raum der neuen
Schatzkammer wurde
von Reg. Baurat Hert-
wich ausgestaltetj die Auf-
stellung hatten Haupt-
konservator Dr. Kreisel
und Konservator Dr.
Haeberlein übernommen,
welch letzterer auch den
Katalog bearbeitet. F.

Verbilligte
Reisen zum
Tag der deut-
schen Kunst
Die Reisebüros Lloyd
und Hapag veranstalten
zum Tag der Deutschen
Kunst 1938, der vom
8.—10. Juli in München
stattfindet, nach Mög-
lichkeit Sonderfahrten
und im Anschluß daran
verbilligte Auto - Aus-
flugsfahrten von ein-
und mehrtägiger Dauer
ins Gebirge.


Giselakreuz, Vorderseite. Nach 1001 .
S c h atz k a m m er d e r Re i c h en Kapelle, Münc he n (Museums-!0

Von alten Münchener Künstlerfesten

Die Künstlerfeste des „Tages der Deutschen
Kunst“ in München lenken das Gedenken auf
die großen Künstlerfeste im 19. Jahrhundert
zurück, die damals ebenso bekannt waren wie
die Düsseldorfer. Die Genossenschaft, die
Bünde, die Vereine der Künstlerschaft waren
die Veranstalter, aber Stadt und Hof beteilig-
ten sich leidenschaftlich, denn das Festlich-
Dekorative scheint eine echt bayerische Be-
gabung zu sein, die auch immer wieder dem
Theater zugute kam. Die Spiegelung solcher
Feste und Figurinen in der bildenden Kunst
verdiente endlich einmal eingehende Beach-
tung, denn manches, was uns z. B. in der
Münchener Malerei antiquarisch oder theatra-
lisch zu sein scheint, hat seine Anregung in
solchen Festzügen und Bällen der Künstler,
die bis in unsere Tage diese oftbewährte Fest-
liebe bewahrten. Hier sei nur einiges Wenige
hervorgehoben, das mir wichtig erscheint,
ohne von den frühen mittelalterlich-roman-
tischen „Ritterbünden“ zu sprechen, die sich
unter Schwanthalers Führung auch festlich
daran freuten, den Münchener Bürger vor den
Kopf zu stoßen.
Das erste Deutsche Künstlerfest 1838 war
noch ein Volksspiel und führte einen ganzen
Tag lang im Zwinger vor dem Klösterl in
Blutenburg, das damals noch ein Wirtsgarten
war, „Wallensteins Lager“ vor. 1840' war dann
das große Albrecht Dürer-Fest „Kaiser Maxi-
milians Urständ“ mit einem großen Festzug.
Vor der Residenz begrüßte Kaiser Max, der
Hamburger Maler Lichtenheld — den man
nach langem Suchen im Hofgarten als geeignet
entdeckt hatte — den König Ludwig L, der
den Maskenkaiser frug: „Wer sind Sie?“
„Euer Majestät getreuer Vetter!“ war die
schlagfertige Antwort. „Therese, er vettert
mich!" rief Ludwig entsetzt der Königin zu

und konnte diesen harmlosen Scherz nie®3 '
verzeihen, wenn er auch dem durch das F®
in Schulden geratenen Maler ein Bild abkau“^
Die malerischen Landsknechte des Festzug‘j
spielten fortan in der Münchener Malerei ul’
Graphik eine große Rolle. Auch Neureuth®’j
Radierung mit dem Maler, der von diesem rej
in sein armseliges Stübchen heimkommt, ü1^
sein großes Aquarell mit dem Festzug erinn®
an dies „Künstlermaskenfest 1840“, für L'
man sogar goldene, silberne, kupferne Geden
münzen geprägt hatte. Das Fest von 1841 h’L
vielsagend genug „Des Kaisers Erwache11 j
Blumenfeste, Narrenfeste u. a. folgten, l!/1/
Ludwig 1. liebte es dabei, seinen hohen ß
amten die Narrenkappe bis über die Oh11
zu. ziehen und zu spotten: „Steht ihm vortr®
lieh, mein Lieber. Grad wie wenn sie 111 .
herausgewachsen wär!“ Besonders beruh1'.
wurde das „Rubensfest“ 1857 mit der Spiel®6
Die Stadt Antwerpen gibt Peter Rubens n®
seiner Vermählung mit der schönen Hel®
ein Fest im Jahre 1630, bei dem 111
Vertreter aller Nationen und Erdteile huldig® f
Damals erwachte in München eine Voll»
für die dekorative Pracht des Barock. ® ;
alten Rubensbilder wurden also genau kop1® J
und bei dem glänzenden Fest im Odeonssa®^
erschienen der Historienmaler v. Pechn® _
als Rubens und eine Tochter des Schlacht®1'
malers v. Hess als Frau Rubens mit solch .
Bildnisähnlichkeit, als wären ihre Gestalt,
aus den Bildern der Pinakothek herab ged1
gen. Für den Kunstgeschmack der Piloty-^
war das Rubensfest von eben solcher Be<1,
hing wie das Wiener Rubensfest für den (1 j
Makart-Zeit. Von all den Frühlings- 11’1?,
Maskenfesten folgender Jahre sind das M
kenfest „Märchen“ mit den deutschen
chengestalten und das Corneliusfest zu nenn

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