Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 3.1908

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VI.

Dekorative Plastik.

Von

Richard Hamann.

Der hohe Wert der Plastik, den sie als reine körperformende und
korperdarstellende Kunst besitzt, kommt uns leichter als bei Frei-
plastiken in dekorativer Verwendung der Skulptur zum Bewußtsein.
nier erst entstehen Aufgaben, die eine plastisch abstrahierende Skulptur
s^nz anders zu leisten vermag als die Menschendarstellung schlecht-
In- Aus festem Material geformt vermag sich Plastik mit Architektur
schmückend zu verbinden, sobald es gilt, den Eindruck des aus einem
und demselben Material Gebauten zu erhalten und nicht durch fremde
,u a* wie Malerei zu durchbrechen; als Organisation der Materie von
inen heraus vermag sie architektonische Schwergewichtsverhältnisse
Und Balancen menschlich zu interpretieren, das Tote zu beleben, ohne
!? ^er Vermenschlichung weiter zu gehen als es die architektonische
unktion verlangt. Als das Volle tritt Plastik mit dem Leeren in Ver-
ödung, schmückt und deutet Räume.

Die drei wesentlichen Aufgaben der dekorativen Plastik sind
folgende:

*• Plastik als Raumfüllung und Raumschmuck.

2- Rundplastik als Teil und Glied einer Architektur.

"'•Der plastische Schmuck einer Fläche.

Diese plastische Flächengestaltung führt uns zu den mannigfaltigen
ablernen des Reliefs.

1. Plastik als Raumfüllung und Raumschmuck.

n der Architektur begegnet es einem oft, daß an einem Gebäude

System von räumlichen Vertiefungen verwandt ist, von denen

'ge nur Scheinöffnungen, Blendräume darstellen und nicht betreten

Qen können oder sollen. So kann es die architektonische Gesamt-

age eines Gebäudes nötig machen, daß Türen oder Fenster mit

cnen abwechseln. Diese gähnende Leere, dieses Loch in einer

kann durch Plastik zugebaut und geschmückt werden. Die
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