Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 3.1908

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BESPRECHUNGEN.

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§3 D

vanni Pisano und Michelangelo ist Quercia ein ragender Übergang; äußerlich hat
er Michelangelo — darin wird man Schubring recht geben — stärker angeregt
als Donatello. Aber es geht doch etwas zu weit, wenn es bei Schubring heißt:
»Es wäre eine Entwickelungslinie denkbar, die mit Ausschaltung der ganzen floren-
tinischen Quattrocentoplastik direkt von Quercia zu Michelangelo führte.« Da wird
der grundlegende Einfluß unterschätzt, den die Architektonik Donatelloscher Ge-
staltenbildung auch auf Michelangelo ausgeübt hat. Seine Gestalten leben nicht,
wie die Quercias zumeist, von der Großartigkeit ihres Kleides, sondern ihres Leibes.
Die methodische Gründlichkeit florentinischer Schulung hat die sienesische Plastik
eben niemals erreicht oder auch nur angestrebt. Sie bleibt ständig durchsetzt mit
dem Malerischen und mit dem Streben nach heiter festlicher Wirkung, das, den
Sienesen im Blute steckt. Die sienesische Plastik kennt vor zirka 1480 keine Passions-
darstellung; sie bleibt in der Ausbildung des Grabmals weit hinter Florenz zurück
und es ist zweifelhaft, ob sie jemals eine Porträtbüste hervorgebracht habe'). Ein-
zelgestalten der Madonna und der Heiligen, sonst fast nur die Zweifigurengruppe
der Verkündigung, sind die Themata der sienesischen Quattrocentoplastik. Arbeiten
dekorativen Charakters überwiegen und in ihnen eine lockere, malerische Fülle, eine
schimmernde Schönheit, die auch die besten florentinischen Leistungen nicht er-
reichen. Zur Antike hat die Plastik Sienas, der Stadt mit dem Wahrzeichen der
Lupa, früher als Florenz ein reines Verhältnis gewonnen, vor allem durch den
humanistisch gebildeten Antonio Federighi; von seinem Bacchus, seinem Moses,
ooinon n-offlcgoitPTi qiriawpn am WpjWagsprhprlrpn des Doms führen wiederum deut-

ngelo. Die charakteristischste Erscheinung der sie-
he Malerplastiker. Auch Florenz hat diese Misch-
Sinne: Maler, die auf plastische Wirkung ausgehen
ie mit Vorliebe oder fast prinzipiell von den Kunst-
achen (die Robbia u. a.). Aber dort vollzieht sich,
e entschiedene Stilreinigung; Siena ist über eine
ier innersten Natur seiner Kunst entspricht, eigent-
le Plastiker gerade in der zweiten Hälfte des Jahr-
, Francesco di Giorgio — waren und blieben zu-
für farbige Holzskulptur und Terrakotta. Aus dieser
n vielseitigen Francesco di Giorgio mit besonders
sung der vielumstrittenen Reliefs. der »Discordia«
er bronzenen Paxtafel mit dem Stifterporträt des Fe-
ine zu Venedig und der Geißelung Christi in der
geistreichen Alleskönner wirkt wie eine Befreiung
; Zustimmung.

it der ganzen Freude und Frische des Entdeckers

eschrieben; indem man diese bei der Lektüre mit-

ale Flüchtigkeiten gern übersehen. Der Verfasser

auch die sienesische Plastik des Trecento, deren

Kunst bisher erst gelegentlich aufgedeckt worden

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Max Semrau.

n dieser Hinsicht bleiben hypothetisch. Anderseits
ler schönen Marmorbüste bei Conte Palmieri-Nuti
n hegen.
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