Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 25.1900

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Nr. 14

DIE JONISCHEN AUGENSCHALEN

Λάταγες ποτέονται κυλινναν άπό Τηιαν.
Wenn ich dem im Folgenden behandelten Materiale zur Ge-
schichte der griechischen Keramik den Vers des Alkaios als
Motto vorgesetzt habe, so geschah es nicht, weil ich in den
Augenschalen die tei'schen mit Sicherheit wiedergefunden zu
haben glaubte, aus denen der Dichter getrunken hat. Ich halte
es heute noch für unthunlich schwarzfigurige ostgriechische
Gelässgattungen italischen Fundorts einer bestimmten Stadt
zuzuweisen. Nur den Kulturkreis wünschte ich zu bezeichnen,
innerhalb dessen die Heimat der Augenschale zu suchen ist.
Sie ist ein echtes Kind der jonischen Sonne. Jonisch ist
die Erfindung der schönen Form, die sich zu den vorher üb-
lichen Trinkgetässen, namentlich mutterländischen Gebrauchs,
etwa wie ein edles venezianer Glas zu einem schweren deut-
schen Humpen verhält. Jonisch ist der Geschmack der Deko-
ration, die Freude an der Buntheit, an der Zierlichkeit, das
Zurücktreten des inhaltlichen Interesses gegenüber dem for-
malen. Jonisch ist, wie der Schmuck des Trinkgefässes dem
Preise des Dionysos gilt, und echt jonisch ist, wo sie einmal
zu ihrem Rechte kommt,die Erzählung mit ihrem alle Schran-
ken durchbiechenden Naturalismus, ihrer wahrhaften terri-
bilitä. Gern denken wir uns Schalen wie die unsrigen in den
Händen jonischer Herrn bei der bunten Pracht und dem un-
gebändigten Leben ihrer Symposien.
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