Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 25.1900

Page: 306
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1900/0316
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
EPIGRAMM AUS DELPHI

Das kürzlich im B.C.H. 1899 S. 383 veröffentlichte Epi-
gramm. von dem mir durch Th. Homolies Güte ein Abklatsch
vorliegt, wird schwerlich anders als wie folgt ergänzt werden
können :
Εικόνα τήνδ]ε πατήρ 'Αγησιπόλει φιλώ', υίώι
Πα[υ[σανίας άν]έθνικε' Ελλάς δ’ άρετάν ogocpomL
Dass der Name Hagesipolis in das Königshaus der Agiaden
weist, hat llomolle hervorgehoben, aber nicht gewagt, das
Denkmal auf einen der bekannten Träger des Namens zu he-
ziehen, da ihm bestimmende Anhaltspunkte zu fehlen schie-
nen. Solche sind durch obige Herstellung gegeben. Der Name
Ι1α[υ|σανίας, dessen erste Silbe, wol um zwei nahezu gleich
lange Zeilen zu erzielen, noch in der ersten steht, fügt sich
ungezwungen in den Vers und lehrt, dass, wenn überhaupt
von einem Fürsten die Rede ist — und dies legt der stolze
Nachsatz denn doch von vorneherein nahe — nur der erste
König Hagesipolis gemeint sein kann, der nach seines Vaters
Pausanias Verurteilung und Verbannung noch unmündig ne-
ben 11agesilaos im Jahre 395/4 vor Chr. auf den Thron er-
hoben wurde und nach nur vierzehnjähriger Herrschaft im
Jahre 381/0 auf einem Feldzuge in der Chalkidike einem hit-
zigen Fieber erlag 1.
ο Ό
Seine uns bekannten Waffenthaten, der Überfall von Argos
im Jahre 388/7, die Eroberung von Mantineia 385, der erfolg-
reiche Zug gegen die chalkidischen Städte, rechtfertigen den
Nachruhm, den das Gedicht in strenger wortkarger Altertüm-
lichkeit wirkungsvoll verkündet. Da König Pausanias im Jahre
385 noch am Lehen war — damals erbat er von Hagesipolis

1 Was über ihn bekannt ist, stellt B. Niese zusammen: Pauly - Wissowa
I S. 805.
loading ...