Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 25.1900

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EPIGRAMM AUS DELPHI

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für die ihm befreundeten Demokraten von Mantineia freien
Abzug —, haben wir keinen Grund anzunehmen, dass er ge-
rade in den nächstfolgenden Jahren verstorben sei. Im Gegen-
teil, die Jugendlichkeit seines Sohnes macht es geradezu
wahrscheinlich, dass Pausanias des Hagesipolis Ende noch er-
lebt hat. Das Gedicht aus Delphi bringt den Beweis: aus sei-
ner Fassung allein — dem mit άνέθηκεν verbundenen Dative —
geht unweigerlich hervor, dass das geweihte Standbild einem
Toten galt. Dem aus seiner Königsherrlichkeit in der Blüte
der Jugend dahingerafften Heldensohne hat der aus der Hei-
mat verbannte Vater im Heiligtum von Delphi ein Denkmal
treuer stolzer Liebe errichtet.
Zu diesem Ergebnisse scheint freilich die Schrift des Ge-
dichtes nicht stimmen zu wollen. So schwerfällig breite, an
den Enden der Linien mit starken Verdickungen ausgestattete
Buchstaben, wie sie nach Homolles Aussage in den Anfang
des zweiten Jahrhunderts vor Chr. weisen, sind für die ur-
sprüngliche Weiheinschrift schlechterdings undenkbar. Ganz
andere, feine und elegante Züge zeigt die darunterstehende
Künstlerinschrift:

- - έπόησε Σικυώνιος,
nach Homolle aus dem Ende des vierten Jahrhunderts. Kann
sie älter sein ? Für die Weiheinschrift ist jedenfalls spätere Er-
neuerung anzunehmen, wenn auch der Abklatsch keine Spu-
ren eines älteren Eintrages zeigt. Stand sie, von der Künstler-
inschrift getrennt, erst auf einer anderen Seite der Basis?
Vielleicht ergibt neuerliche Untersuchung des Denkmals Auf
klärung. Trotz dieser Bedenken scheint mir seine Beziehung
auf König Hagesipolis, den Sohn des Königs Pausanias, be-
gründet genug, um öffentlich ausgesprochen zu werden.

Athen.

ADOLF WILHELM.
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