Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 25.1900

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ALFRED KOERTE

Die Schrift ist scharf und fein, mit grossen geschwunge-
nen Apices an den Enden der Hasten, der Querstrich des Θ
ist ganz durchgezogen.
Der Stein ist offenbar ein neues Bruchstück der von Le Bas-
Waddington III 857-59 behandelten Urkundenreihe. Ein um
den Kult der Kaiser von Augustus bis Claudius durch reiche
Schenkungen verdienter Mann hat erst ein Ehrendekret der
Gemeinde von Aizanoi ( Le Bas - Waddington 857) und dann
einen Brief an die Panegyriarchen und den Finanzbeamten
der Stadt in Stein hauen lassen. Der Gedanke liegt nahe, das
neue Fragment in diesen Brief, in dem der Wolthäter seine
Verdienste mit echt asiatischem Wortschwall preist, zwischen
die Nummern 858 und 859 einzuschieben, aber eine Ein-
zelheit macht es wahrscheinlicher, dass dies Bruchstück ei-
nem zweiten Briefe desselben Mannes angehört. In dem Ein-
sano; des ersten Briefes nennt sich der Schreiber Priester des
Claudius und des ßritannicus 1, Nero wird ebenso wenig ge-
nannt wie in einer gleichzeitigen Weihung des Menogenes
Nannas’ Sohn (a. a. 0.856) an den Kaiser. In dem neuen
Bruchstück ist dagegen die Beziehung des Namens in Z. 2
auf Nero sicher, denn nur er führte seit der Adoption die Na-
men Claudius Caesar Drusus Germanicus2. Es scheint also,
dass Nero nach der Adoption in den Kaiserkult der Stadt mit-
aufgenommen ist, und ausser ihm auch seine Mutter. Agrip-
pina heisst in der Inschrift selbst θεά, wenn,wie kaum zu be-
zweifeln, meine Ergänzung der Z. 2 richtig ist — da Neros
leiblicher Vater nicht zur kaiserlichen Familie gehört, wird
nur die Mutter genannt. Die Kulte von Mutter und Sohn sind
anscheinend zu gleicher Zeit gestiftet, denn der Verfasser der
Inschrift rühmt sich Z. 5 durch einen Beschluss zweier Göt-
ter Priester geworden zu sein. Dann ist diese Inschrift ein

1 Waddingtons Ergänzung 858 Z. 5 f. Τιβερίου Κλαυδίου Καί[σαρος Βρεταν-
vtxoü ist sicher.
2 So auf dem Bogen des Claudius G.l.L. YI 921, 4 und C. I. G. Sept. I 68,
vgl. Prosopographia imperii Romani I 369. Dem älteren Drusus fehlt der
Beiname Caesar.
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