Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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W. DORPFFLD

der zwar jetzt nicht mehr vorhanden ist, aber im vorigen
Jahrhundert nach der Ausgrabung noch erhalten war. Ich
selbst habe vor 20 Jahren noch Reste feinen roten Stuckes
sowohl auf der aus Marmor bestehenden Südostwand als auch
auf der aus Poros neu errichteten Südwestwand gesehen.
Dies Beispiei iehrt uns weiter, dass der Stuck des V. Jahr-
hunderts nicht sehr fest haftete und nach dem Abfallen
keine Reste zurückliess; sein ehemaliges Vorhandensein ist
an den Wänden der vorpersischen Propyläen jetzt nur noch
an einer roten Linie an dem Vorsprung der marmornen Para-
stas zu erkennen. Erhalten hat sich au einigen Stellen aller-
dings noch der besser haftende untere Kalkputz, mit dem
einige Löcher der Marmorwand ausgefüllt waren, aber die
obere feine Stucklage, die wir au den Wänden der Pinako-
thek allein annehmen müssen, fehlt hier jetzt ganz.
Wir haben mithin kein Recht, den jetzigen Zustand der
Innenwände der Pinakothek und das Fehlen von Stuckresten
als Beweis gegen das ehemalige Vorhandensein von Wand-
gemälden anzuführen (vgl. L. Julius, AM. II 1 877,192). Auch
das literarisch bezeugte Vorhandensein von jiLvaxeq in unse-
rem Saale beweist nichts dagegen, weil neben den Wandge-
mälden auch Tafelbilder dort gewesen sein können. Andrer-
seits lässt sich das Vorhandensein von Wandmalereien aller-
dings nicht positiv beweisen, und daher muss ich mich auf
den Nachweis beschränken, dass die Wände der Pinakothek
wegen des Vorhandenseins des Zwischengesimses aus eleusi-
nischem Stein für die Anbringung von Wandmalereien be-
stimmt waren. In unserer Zeichnung der Pinakothek (Abb. 4)
ist die obere Wandfläche, die im Inneren des Saales Wand-
malereien aufnehmen sollte, mit einer ähnlichen Schraffur
versehen, wie die entsprechenden Teile der Halle in Perga-
mon und der bemalten Wand in Pompeii.
Da die Ostcella des Erechtheions ähnliche Fenster hatte
wie die Pinakothek, wird sie wahrscheinlich auch ein ähn-
liches Gesimse im Innern gehabt haben. Nachweisen lässt es
sich allerdings meines Wissens nicht mehr. Aus den von
G. P. Stevens zusammengestellten Steinen der östlichen Cel-
lawand (Am. Jour, of Arch. X 1906, 47 f.) ergibt sich, dass
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