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Das Buch für Alle.
Heft 17
bekannt wurde. Niemand ahnte, daß Beatriee ſeinen Tod an
demjenigen, den ſie — übrigens mit Unrecht — für feinen
Nörder hielt, hHatte rächen wollen und dann, als fie dies
Vorhaben vereitelt ſah, um ſich nicht zu verraten, freiwillig
dem geliebten Gemahl ins Jenſeits gefolgt war. S, v. M.
; Die Heilkraft des Kochſalzes. — Daß in maͤnchem
unſerer täglichen Bedarfsmittel Heilfräfte enthalten ſind,
welche zur Linderung verſchiedenartiger Leiden angewendet
werden können, iſt eine Thatſache, deren Kenntnis leider
nicht ſo verbreitet iſt, als ſie es verdiente. Unter dieſen
Bedarfsniitteln iſt beſonders das Kochſalz hervorzuheben.
Zunächſt dient warmes Salzwaſſer mit einer Meſſerſpitze
voll Butter als ein wirkſames Brechmittel und in kleineren
Gaben als Mittel gegen Eingeweidewürmer! Feuchtes Salz,
auf die Wange gebraͤcht, beſeitigt oder mildert häufig den
ſo empfindlichen rheumatiſchen Zahnſchmerz.! Bei einer Ver-
ſtauchung des Hand- oder Fußgelenkes binde man ein mit
ſtarkem Weineſſig angefeuchtetes Säckchen voll Salz in Ge:
ſtalt eines Polſters an die leidende Stelle, worauf ſich bald
Beſſerung einſtellen wird. Ein vorzügliches Heilmittel bei
Magen- oder Darmentzündung iſt ein Brei von etwa ſechs Ei-
dottern mit einem Salzzuſatze welchen man auf einen Lappen
ſtreicht und auf die ſchmerzende Stelle legt. Bei Blut-
andrang nach der Lunge ringe man ein Halstuch mit warmem
Salzwaſſer aus, lege es dann über die Bruſt und erneuere
dieſen Aufſchlag ſo oft, als er kalt geworden iſt. Bei einem
Blutſturz empfiehlt es ſich, ſo lange trockenes Salz zu ver-
ſchlucken, bis ärztliche Hilfe zur Hand iſt, da durch das Salz
die Blutung aufgehalten wird. Einen leichteren Huſten kann
man durch Gurgeln mit Salzwaſſer vertreiben, einen ſchweren
wenigſtens weſentlich mildern. Auch gegen Brandwunden
hat fich eine nicht zu ſchwache Löſung von Kochſalz in Waffer
als heilkräftiges Mittel bewährt, bei deſſen Anwendung
man den verletzten Körperteil, wenn thunlich, wie zum Bei-
ſpiel Finger, Hände, Arme oder Füße, in die Löfung ein-
tauche. Bei Verbrennungen im Geſicht oder an ſonſtigen
Körperteilen wende man Salzwaſſerumſchläge an.
Bekannt iſt, daß etwas Salz, dem Viehfutter beigemiſcht,
den Tieren ſehr gut befonmmt. Neuerdings hat man die Heil-
kraft des Kochſalzes auch zur Bekämpfung der der Landwirt-
ſchaft und dem Viehhandel ſo überaus nachteiligen Maul-
und Klauenſeuche des Rindviehs und der Schafe angewendet.
Man löſt eine Handvoll Kochſalz in einem Liter Eſſig gut
auf und wäſcht damit dem erkrankten Tiere täglich das Maul
und die Klauen zweimal aus, Nach Verlauf von ſechs bis
man allerdingz Sorge tragen, daß die Streu im Stalle gut
trocken iſt. Iſt die Seuche in einem Gehöft noch nicht aus-
gebrochen, ſondern deren Ausbruch nur zu befürchten, weil
fie in einem benachbarten Stalle herrſcht, ſo reinige man
den noch ſeuchefreien Stall ſorgfältig, ſtreue dann auf deſſen
Boden Salz und bringe gute, trockene Streu darauf. Das
Vieh wird von der Seuche dann verſchont bleiben. I. v. B.
Die Schähe des Schahs. — Vom Schah von Perſien
kann man ſagen, daß er nicht auf ſeinen Lotbeeren, wohl
aber auf ſeinem Golde ausruht. Um ftändig in der Nähe
ſeiner Schätze zu ſein, hat der Herrſcher ſeine Wohngemächer
gerade über ſeiner Schabfammer einrichten laſſen! Bon den
faſt unſchätzbaren Koſtbarkeiten des Schahs iſt ein Globus
von beſonderem Intereſſe, den der verſtorbene Naſſr⸗Eddin
zur Erinnerung an ſeine erſte europäiſche Reiſe anfertigen
ließ Dieſer Globus von 60 Centimeter Durchmeſſer iſt von
maſſivem Golde gefertigt, die Länder darauf beftehen aus
verſchiedenen Edelſteinen So iſt Indien ganz aus prächtigen
Amethyſten, England aus Brillanten, Afrika aus Nubinen
hergeſtellt, die Meere beſtehen aus Smaragden, die Haupt-
ftädte ſind in erhabenen, mit Diamanten beſetzten, perſiſchen
Buchſtaben angegeben.
Der Schatz des Schahs iſt beſtändig im Wachſen, da nur
ein Teil der Steuexn, ſowie die Summen, welche alle höheren
Beanten für ihre Stellungen zahlen müſſen, zur Beſtreitung
der Ausgaben für Heer und Verwaltung verwendet wird
der andere aber in den Pripatbeſitz des Schahs übergeht!
Handelt es ſich um die Deckung irgend einer bedeutenden
Ausgahe, dann ſtehen dem Schah allerlei Wege offen, um
die nötigen Summen ſtatt aus der eigenen Taͤſche aus der
Taſche ſeiner Unterthanen zu beziehen. Beſonders einträglich
in dieſer Hinſicht ſind die Beſuche, durch welche der Schah
gelegentlich ſeine Minifter oder auch andere reiche oder Hoch-
geſtellte Perſonen zu /beglücken! pflegt.
Da ım Prinzip alle Güter der Unterthanen dem Schah
gehören, ſo gebietet die Sitte, dem Großherrn jeden Gegen-
jtand, der ihm hei ſeinem Beſuche wohlgefällig ins Auge
Jällt, ſofort als Geſchenk zu Füßen zu legen, ja man pflegt
ahſichtlich in den Gemächern, durch die der Schah zu
ſchreiten hat, kleine Säckchen mit Gold aufzuſtellen, dié, fo-
bald er vorüber iſt, von ſeinen Dienern gefammelt und für
den großherrlichen Schatz aufbewahrt werden. Auch die
Teppiche, die der Fuß des Schahs berührt, ſowie die koſt-
baren Stoffe, welche den Sitz für ihn herſtellen gehen ſogleich
in ſeinen Beſitz über, Wie lohnend ſolche Befuche zu fein
pflegen, ſehen wir aus einem Beſuche, den einſt Naſfi-Eddin
ſeinem Miniſter des Auswäxtigen! Hadji Mirza Huſſein Khan,
machte, bei dem er folgende Geſchenke erhielt; Cin praͤcht-
volles Pferd mit einem Geſchirr von maſſivem Golde, ein
großes goldenes Becken für die vorgeſchriehenen Abwaſchungen,
einen Ning im Werte von 12,000 Franken, 50,000 Frauken
bar in Gold und außerdem noch Teiche Geſchenke für den
Harem. Daß die Gaſtgeber ſich für die Opfer, die ſie bringen,
wieder reichlich auf Koſten anderer entſchädigen, braucht nicht
erſt geſagt zu werden.
Dem Großheyrn ſtehen aber noch mancherlei andere Ein-
nahmequellen offen, Er erklärt ſich zum Beiſpiel zum Erben
eines reichen Verſtorbenen und beſtimmt, wie viel Maultier-
ladungen Gold oder Silber ihm gezahlt werden müſſen, unz
bekümmert, ob für die Erben oder auch die Gläubiger noch
etwas übrig bleibt. Er liebt es ferner, ſich ein Todes- oder
Veybannungsurteil durch große Summen abkaufen zu laffen,
vobei ex, um den Preis hinaufzutreiben, oft lange mit der
Begnadigung warten läßt; amı originelliten aber weiß der
Schah zu Geld zu kommen, indem er von Zeit zu Zeit als
Kaufmann auftritt.
Int Bazar ſucht der Schah ſich einen möglichſt reichen
Laden aus, meiſtens wählt er einen ſolchen mikeuropäiſchen
den Kaufmann, ſich zu ihm ſetzend: Willſt dır mich zu deinem
Teilhaber bei dem heutigen Verkaufe haben? Nachdem ſein
Vorſchlag, wie ſich denken läßt, ſelbſtberſtändlich mit den
Lößten Dankesbezeugungen angenommen iſt, wendet ſich der
Schah an ſeine Begleiter und fordert ſie auf, nun ihre Ein-
dem vergnügteſten Geſicht um 1000 Franken zu kaufen, was
vielleicht keine 20 wert ift. Denn ein Abhäͤndeln iſt aus:
geſchloſſen. Nachdem jeder ſeine Einkäufe beſorgk, fordert
dex Schah den Kaufmann auf, ihm den genauen Preis der
ſchuß in zwei gleiche Teile geteilt, den einen ſteckt der Schah
ein, den anderen läßt er dem Kaufmann! Dieſen fragt zum
Schluß der Schah:; „Bijft du mit deinem Teilhaber zufrie-
den? Natürlich wird dies inımer bejaht und dann trennen
ſich Schah und Kaufmann, ſehr erfreut über das gemachte
Geſchäft. Die ausgebeuteten Hofleuͤte aber finden bald eine
Gelegenheit, wo die Reihe des Ausbeutens an ſie fommt. H. S.
Der Kaufimanusſtand in früherer Zeif. Noch vor
etwa fünfzig Jahren mußte jedermann, der ſich als Kaufmann
ſelbſtändig machen wollte, die obrigkeitlihHe Genehmigung
nachſuchen und einen Befähigungsnachiveis liefern. Erſt wenn
dieſen Anforderungen genügk worden war, wurde ihm der Cha-
rakter als Kaufmann zugeſprochen und ihm eine Bẽſcheinigung
ausgeſtellt. Die Kopie einer ſolchen Beſcheinigung lautet!
Nachdem der Handlungsgehilfe Louis Steinfeld, geboren
zu Rinteln in der Grafſchaft Schaumburg anı 21. Mai 1815,
die zur glaubhaften Buchführung nötigen Kenntniſſe und den
Beſitz des erforderlichen VBermögens nachgewieſen hat, auch
ſonſt ſeiner Aufnahme in die hieſige Kaufmannſchaft nichts
im Wege ſtehet, ſo iſt die Aufnahıne am heutigen Tage ge-
ſchehen! und wird darüber dem genannten Louis Steinfeld
gegenwärtige Beſcheinigung erteilt, welche von uns, den Vor-
ſtehern der hieſigen Kaufmannſchaft und dem obrigkeitlichen
Deputierten, ausgefertigt, auch vom kurfürſtlichen Sberzunft-
amt beglaubigt worden iſt.
Geſchehen zu Rinteln in Kurheſſen am 20. Oktober 1847.
Der obrigkeitliche Deputierte der Kaufmannſchaft: Dunker.
Die Vorſteher der Kaufmannſchaft: C. Lohmeier, J.H. Kurtz.
Kurfürſtliches Oberzunftamt: Sternberg. Schwaͤbe.
Gebühren:
Für dieſes Formular * AAn LThlr. — Sgr.
Schreibgebühr — — 8
DBeglaudigung n n S
IIIII N
Den VHorftehern . E
DUEMNMO S a A
2— Kaye der KAUMMUNN Na O
IIIIIII D n
Dem Bürgermeifter für die Unterſuchung
vor der Aufnahme — — —
Dem
Neberhaupt 20 Thlr 10 Sar
€ &.
Das Ausſtellungsſchwein. — Cine Neihe von kleinen
Nißgeſchicken führte vor einigen Yahren eine der drolligſten
Verwechslungen herbei, die wohl je auf Ausſtellungen vor-
gekommen ſind.
Frau v. F., die junge Gaͤttin eines ungaͤriſchen Groß-
grundbeſitzers hatte fich mit jenem Eifer auf die Landwirt-
ſchaft geworfen, welchen jung verheiratete Gutsbeſitzersfrauen
gewöhnlich in den erſten Jaͤhren ihrer Che an den Tag zu
legen pflegen. Dazu gehörte auch unter anderem, daß fie
die Aufzucht eines jungen Schweines in ihre eigene Sbhut
nahın. Zu ihrer Freude gedieh Hans ſo haͤtte ſie das
Schwein getauft — ganz vortrefflich und nahur ſichtlich zu
an Umfang und Fett in welcher Hinſicht es ſchließlich daͤs
übrige Borftenvieh des Gutes weit übertraf. Allein ihr SGatte
wollte von ihrer eigenhändigen Schweinezucht nichts wiſſen,
er ſtrafte ihre Bemühungen mit Nichtaͤchtung und würdigte.
den fetten Hans abſichtlich nicht eines Blickes.
Lange Zeit daͤchte Frau v. F. nach, wie ſie die Anerken-
nung ihres Gatten erringen fönne. Endlich bot ſich die ge-
wünſchte Gelegenheit. Sie las in der Zeitung, daß in 3.
eine Maſtviehausſtellung ſtattfinde.! Sogleich war ihr Enl-
ſchluß gefaßt. Sie beauftragte den Inſpektor, ihren Zög-
ling per Bahn zur Ausſtellung zu ſenden! Mit tiefen Ver:
beugungen nahm der Injpektor, ein ſchon bejaͤhrter Mann,
den Befehl entgegen und ließ ſogleich für Hans einen Hoͤlz-
käfig gurechtsimmern. Als er aber die Adreſſe anfertigen
ſollte, fiel es ihm ein, daß er nicht die geringſte Ahnung
habe, in welcher Stadt ſich die Ausſtellung befände. Das
Einfachſte wäre ja gewejen, bei ſeiner Herrin anzufragen,
aber er fürchtete, ſich eine Blöße zu geben, wenn er verriet,
daß er als landwirtfchaftlicher Beamter von der Exiſtenz der
Maſtviehausſtellung nichts wiſſe.
Da erinnerte er ſich noch zur rechten Zeit, von dem In-
ſpektor des Nachbargutes gehört zu hHaben, daß deſſen Herr-
ſchaft zur Ausftellung nach Y. gereift fei. Ohne weitere Skrupel
adreſſierte er nun: „An die Maftviehausftellung in Yı“ Die
fette Sendung langte in dieſem Orte vichtig an. Dort aber
wußte man nichts von einer Maſtviehausſtellung.! Da aber
in ). zur ſelben Zeit eine Vogelausſtellung ſtaltfand, hielt
man es für in der Orduung, dort anzufragen, und es ſtellte
ſich heraus, daß der Reſtaurateur der Ausftellung thatſächlich
ein zu Schweinebraten geeignetes Objekt erwarte, das er be-
ſtellt hatte. Die Sendung wurde daraufhin ihm ausgeliefert,
und er nahm mit Freuden den fetten Braten entgegen.
So geſchah eS, daß Hans den Weg alles Fleifches ging,
während ſeine Beſitzerin von ungeahnten Ehren träumte,
die ihrem Pflegling auf der Ausſtellung zu teil werden würden.
Als Frau v. . aber gar nichts mehr von ihrem Maſtſchwein
hörte verlor ſie die Geduld und ſchrieb eine kurze Karte an
die Direktion der Ausſtellung, folgenden Inhalts: „Wes:
halb erhalte ich keine Nachricht über meinen Hans? Was
hahen Sie mit dem armen Tiere angefangen? Iſt es denn
nicht prämiiert worden?“
Als Frau v. F, die Adreſſe auf das Couvert ſetzen wollte,
kamen ihr Zweifel, ob die Karte auch an die richtige Adreſſe!
gelangen werde, wenn ſie einfach adreſſierte: „An die Maſt-
viehausſtellung zu 3.“ Da fiel ihr ein, daß ja der Inſpektor
die genaue Adreſſe wiſſen müſſe, und ſie ſandte ihm die Karte
zum Adreſſteren! Der Inſpektor beſann ſich nicht lange und
ſchrieb einfach an die Ausſtellung zu Y.. So gelangte auch die
Karte in die Vogelausftellung.
Hier las man die Anfrage mit einiger Verlegenheit.
Die Nachforſchungen ergaben zwar nicht, daß Frau v. F.
rgend ein Objeft zur Ausſtellung geſandt habe, aber immer:
hin war die Buchführung der Ausſtellung nicht in ſolcher
Ordnung, daß mit Beftimumtheit das Einkreffen einer Sen: -
dung in Zweifel gezogen werden konnte.
„Hans,“ ſagte der Direktor der Ausſtellung, „ift ficher
der Name eines Kanarienvogels. Wenn alle anderen Kanarien-
vögel abgeholt ſind, wird der gemeinte wohl übrig bleiben und
kann dann zurückgeſandt werden. Jedenfälls woͤllen wir zur
Beruhigung der Dame eine Antwort ſchreiben.
Die Antwort, welche Frau v. F. erhielt, lautete: „Die
Prämiierungen haben bereits ſtattgefunden, doch konnte Ihr
Hans dabei leider nicht bedacht werden. Das hindert ıms
aber nicht, ſeine Leiſtungen in Ehren anzuerfennen. Cr ſingt
außerordentlich hübſch, und namentlich gelingt ihm der lange
Triller. Auch iſt er hübſch gehalten und gezogen, ſo daß er
wohl eine Zierde jeden Salons ſein dürfte.“
Sehr entrüſtet erwiderte Frau v. F., daß ihr Maſtſchwein
zwar gut gehalten und gezogen ſei, niemals aber gefungen
oder getrillert habe und für einen Salon jedenfalls nicht
paſſe. Sie bitte, ſolche Scherze zu unterlaſſen und verlange
nunmehr ernſtliche Auskunft. >
Eine ganze Zeitlang wurde hin und her geſchrieben, bis
ſich die Geſchichte aufflärte, Frau v. F. war untröftlich über
das wenig ruhmreiche Ende ihres Bfleglings, und feit dieſer
Zeit verlor fie jede Luſt, ſich weiterhin o energiſch in der
Landwirtſchaft zu bethätigen. . —.
Sußoguito. — In ſeinen jüngeren Jahren nahm Fried-
vich der Große ftets an den Karnevalsvergnügungen in
Berlin teil. So beſuchte er auch einft maskierk und ohne
jede Begleitung die Nedoute in OpernhHaufe. Da erblickte
er einen blauen Donmino, der ſich gewandt durch die Menge
drängte und von beſonders großer Geſtalt war. Der König
ging auf ihn zu und fagte: „Halt Er doch einmal! Iſt Er
nicht der Leutnant v. Kapphengſt und ift Cr nicht Adju:
tant beim Prinzen Heinrich in Potsdam?“
Einen Augenblick fuhr der Domino erſchreckt zufammen,
dann faßte er ſich und ſagte in übermütigem Tone: „Ich?
Adjutant? Beim Prinzen Heinrich? Nein, Maste, da ivıft
du dich!“
Friedrich, der ſchon wiederholt ſtrenge Befehle erlaſſen
hatte, daß kein Offizier ohne Erlaubnis ſeine Garniſon ver-
laſſen dürfe, warf dem Domino durch die Maske einen ſtren-
gen Vlick zu und fuhr fort: „CEr hat Potsdam ohne Urlaub
verlaſſen? Dann äſtimiere ich Ihn freilich für keinen Offtzier
mehr, ſondern für einen infämen Deſerteur!“
Dem jungen Mann ſtieg unter der Maske das Blut ins
Geſicht, aber er ließ ſeinen Zorn nicht merken, ſondern flüſterte
der von ihm wohlerkannten Maske zu: „Du beſitzeſt einen
großen Scharfſinn! Freilich habe ich die Ehre, der prinzliche
Adjutant zu ſein, aber ich bin hier im ſtrengſten Ynkognito
und halte den für einen Schuft, der es weiter Jagt!“ Da-
mit verſchwand er unter den Feſtteilnehmern.
Am nächſten Tag hielt Friedrich der Große, dem die
Seiſtesgegenwart des Offiziers gefallen hatte, in Potsdam
Parvade ab. Langſam ritt er an den ehrerbietig grüßenden
Offizieren vorbei, Plötzlich hielt er ſein Pferd an, blickte
mit ſeinen mächtigen Augen einen Offizier an, der die Uni-
form der Adjutanten trug, beugte ſich zu ihm nieder und
flüſterte ihm zu: „Ich ernenne Ihn hiermit zum Hauptmann,
aber ein Schuft ijt, wer es weiter ſagt!“ Dann ritt er lana:
jam weiter und ließ den jungen „Hauptmann“ in der größten
Verlegenheit und Unruhe zurück Cr war avanciert. und
durfte es niemand ſagen! Ein langes Jahr trug er ſein
drückendes Geheimnis mit ſich herum, bis eines Tages wieder
bei der Parade der König zu ihm ſagte: „Na, num kann Er
Sein Inkognito als Leutuant ablegen und ſich auch öffentlich
Hauptmann nennen !” O.
Der Erſinder des Sampencylinders. — Vor etwa einem
Jahrhundert gelangte der Lampenchlinder erſtmals zur An-
wendung, und nur wenigen wird der Name des Erfinders
dieſes einfachen und doch ſo wichtigen Gegenſtandes bekannt
ſein. Die Erſindung wurde von Aimé Argand gemacht,
dem wir auch eine andere Verbeſſerung unſerer Lampen ver-
danken: die Argandbrenner, das heißt die Brenner mit
rundem Docht.
Als Argand eines Abends bei der Lampe arbeitete, ſtülpte
und ihn necken wollte, über die offene Lampenflamme eine
Weinflaſche, von welcher der Boden abgeſchlagen war. Der
ältere Bruder erkannte ſofort, daß die Flamme mit einem-
mal klarer wurde, und ſtellte feſt, daß dies dadurch geſchah,
daß die Flamme ſich mit Hilfe der Umhüllung die zum Bren-
nen notwendige Luft ſelbſt in veichlicherem Maße anſaugt,
als dies ohne Cylinder geſchehen konnte. So war infolge
einer Tändélei der uns jetzt unentbehrlich gewordene Lampen-
cylinder erfunden. € 8
Ein ſonderbarer Bergleid. In einem ſächſiſchen Bolfs- -
kalender für das Jahr 1842 befindet ſich eine Vergleichung
der Größe des Königreichs Sachjen mit der engliſchen Haupt-
ſtadt London. In dieſer Gegenüberſtellung lautet eine Stelle
folgendermaßen: „Läßt man die ganze aus 12000 Mann be-
ſtehende ſächſiſche Armee an ſich vorübermarſchieren, drei
Reiterregimenter, ebenſoviele Infanteriexegimenter, ein Regi-
nient Artillerie u. |. w., ſo hat man erſt die Nachtwächter
von London geſehen.“ . &.
Das Buch für Alle.
Heft 17
bekannt wurde. Niemand ahnte, daß Beatriee ſeinen Tod an
demjenigen, den ſie — übrigens mit Unrecht — für feinen
Nörder hielt, hHatte rächen wollen und dann, als fie dies
Vorhaben vereitelt ſah, um ſich nicht zu verraten, freiwillig
dem geliebten Gemahl ins Jenſeits gefolgt war. S, v. M.
; Die Heilkraft des Kochſalzes. — Daß in maͤnchem
unſerer täglichen Bedarfsmittel Heilfräfte enthalten ſind,
welche zur Linderung verſchiedenartiger Leiden angewendet
werden können, iſt eine Thatſache, deren Kenntnis leider
nicht ſo verbreitet iſt, als ſie es verdiente. Unter dieſen
Bedarfsniitteln iſt beſonders das Kochſalz hervorzuheben.
Zunächſt dient warmes Salzwaſſer mit einer Meſſerſpitze
voll Butter als ein wirkſames Brechmittel und in kleineren
Gaben als Mittel gegen Eingeweidewürmer! Feuchtes Salz,
auf die Wange gebraͤcht, beſeitigt oder mildert häufig den
ſo empfindlichen rheumatiſchen Zahnſchmerz.! Bei einer Ver-
ſtauchung des Hand- oder Fußgelenkes binde man ein mit
ſtarkem Weineſſig angefeuchtetes Säckchen voll Salz in Ge:
ſtalt eines Polſters an die leidende Stelle, worauf ſich bald
Beſſerung einſtellen wird. Ein vorzügliches Heilmittel bei
Magen- oder Darmentzündung iſt ein Brei von etwa ſechs Ei-
dottern mit einem Salzzuſatze welchen man auf einen Lappen
ſtreicht und auf die ſchmerzende Stelle legt. Bei Blut-
andrang nach der Lunge ringe man ein Halstuch mit warmem
Salzwaſſer aus, lege es dann über die Bruſt und erneuere
dieſen Aufſchlag ſo oft, als er kalt geworden iſt. Bei einem
Blutſturz empfiehlt es ſich, ſo lange trockenes Salz zu ver-
ſchlucken, bis ärztliche Hilfe zur Hand iſt, da durch das Salz
die Blutung aufgehalten wird. Einen leichteren Huſten kann
man durch Gurgeln mit Salzwaſſer vertreiben, einen ſchweren
wenigſtens weſentlich mildern. Auch gegen Brandwunden
hat fich eine nicht zu ſchwache Löſung von Kochſalz in Waffer
als heilkräftiges Mittel bewährt, bei deſſen Anwendung
man den verletzten Körperteil, wenn thunlich, wie zum Bei-
ſpiel Finger, Hände, Arme oder Füße, in die Löfung ein-
tauche. Bei Verbrennungen im Geſicht oder an ſonſtigen
Körperteilen wende man Salzwaſſerumſchläge an.
Bekannt iſt, daß etwas Salz, dem Viehfutter beigemiſcht,
den Tieren ſehr gut befonmmt. Neuerdings hat man die Heil-
kraft des Kochſalzes auch zur Bekämpfung der der Landwirt-
ſchaft und dem Viehhandel ſo überaus nachteiligen Maul-
und Klauenſeuche des Rindviehs und der Schafe angewendet.
Man löſt eine Handvoll Kochſalz in einem Liter Eſſig gut
auf und wäſcht damit dem erkrankten Tiere täglich das Maul
und die Klauen zweimal aus, Nach Verlauf von ſechs bis
man allerdingz Sorge tragen, daß die Streu im Stalle gut
trocken iſt. Iſt die Seuche in einem Gehöft noch nicht aus-
gebrochen, ſondern deren Ausbruch nur zu befürchten, weil
fie in einem benachbarten Stalle herrſcht, ſo reinige man
den noch ſeuchefreien Stall ſorgfältig, ſtreue dann auf deſſen
Boden Salz und bringe gute, trockene Streu darauf. Das
Vieh wird von der Seuche dann verſchont bleiben. I. v. B.
Die Schähe des Schahs. — Vom Schah von Perſien
kann man ſagen, daß er nicht auf ſeinen Lotbeeren, wohl
aber auf ſeinem Golde ausruht. Um ftändig in der Nähe
ſeiner Schätze zu ſein, hat der Herrſcher ſeine Wohngemächer
gerade über ſeiner Schabfammer einrichten laſſen! Bon den
faſt unſchätzbaren Koſtbarkeiten des Schahs iſt ein Globus
von beſonderem Intereſſe, den der verſtorbene Naſſr⸗Eddin
zur Erinnerung an ſeine erſte europäiſche Reiſe anfertigen
ließ Dieſer Globus von 60 Centimeter Durchmeſſer iſt von
maſſivem Golde gefertigt, die Länder darauf beftehen aus
verſchiedenen Edelſteinen So iſt Indien ganz aus prächtigen
Amethyſten, England aus Brillanten, Afrika aus Nubinen
hergeſtellt, die Meere beſtehen aus Smaragden, die Haupt-
ftädte ſind in erhabenen, mit Diamanten beſetzten, perſiſchen
Buchſtaben angegeben.
Der Schatz des Schahs iſt beſtändig im Wachſen, da nur
ein Teil der Steuexn, ſowie die Summen, welche alle höheren
Beanten für ihre Stellungen zahlen müſſen, zur Beſtreitung
der Ausgaben für Heer und Verwaltung verwendet wird
der andere aber in den Pripatbeſitz des Schahs übergeht!
Handelt es ſich um die Deckung irgend einer bedeutenden
Ausgahe, dann ſtehen dem Schah allerlei Wege offen, um
die nötigen Summen ſtatt aus der eigenen Taͤſche aus der
Taſche ſeiner Unterthanen zu beziehen. Beſonders einträglich
in dieſer Hinſicht ſind die Beſuche, durch welche der Schah
gelegentlich ſeine Minifter oder auch andere reiche oder Hoch-
geſtellte Perſonen zu /beglücken! pflegt.
Da ım Prinzip alle Güter der Unterthanen dem Schah
gehören, ſo gebietet die Sitte, dem Großherrn jeden Gegen-
jtand, der ihm hei ſeinem Beſuche wohlgefällig ins Auge
Jällt, ſofort als Geſchenk zu Füßen zu legen, ja man pflegt
ahſichtlich in den Gemächern, durch die der Schah zu
ſchreiten hat, kleine Säckchen mit Gold aufzuſtellen, dié, fo-
bald er vorüber iſt, von ſeinen Dienern gefammelt und für
den großherrlichen Schatz aufbewahrt werden. Auch die
Teppiche, die der Fuß des Schahs berührt, ſowie die koſt-
baren Stoffe, welche den Sitz für ihn herſtellen gehen ſogleich
in ſeinen Beſitz über, Wie lohnend ſolche Befuche zu fein
pflegen, ſehen wir aus einem Beſuche, den einſt Naſfi-Eddin
ſeinem Miniſter des Auswäxtigen! Hadji Mirza Huſſein Khan,
machte, bei dem er folgende Geſchenke erhielt; Cin praͤcht-
volles Pferd mit einem Geſchirr von maſſivem Golde, ein
großes goldenes Becken für die vorgeſchriehenen Abwaſchungen,
einen Ning im Werte von 12,000 Franken, 50,000 Frauken
bar in Gold und außerdem noch Teiche Geſchenke für den
Harem. Daß die Gaſtgeber ſich für die Opfer, die ſie bringen,
wieder reichlich auf Koſten anderer entſchädigen, braucht nicht
erſt geſagt zu werden.
Dem Großheyrn ſtehen aber noch mancherlei andere Ein-
nahmequellen offen, Er erklärt ſich zum Beiſpiel zum Erben
eines reichen Verſtorbenen und beſtimmt, wie viel Maultier-
ladungen Gold oder Silber ihm gezahlt werden müſſen, unz
bekümmert, ob für die Erben oder auch die Gläubiger noch
etwas übrig bleibt. Er liebt es ferner, ſich ein Todes- oder
Veybannungsurteil durch große Summen abkaufen zu laffen,
vobei ex, um den Preis hinaufzutreiben, oft lange mit der
Begnadigung warten läßt; amı originelliten aber weiß der
Schah zu Geld zu kommen, indem er von Zeit zu Zeit als
Kaufmann auftritt.
Int Bazar ſucht der Schah ſich einen möglichſt reichen
Laden aus, meiſtens wählt er einen ſolchen mikeuropäiſchen
den Kaufmann, ſich zu ihm ſetzend: Willſt dır mich zu deinem
Teilhaber bei dem heutigen Verkaufe haben? Nachdem ſein
Vorſchlag, wie ſich denken läßt, ſelbſtberſtändlich mit den
Lößten Dankesbezeugungen angenommen iſt, wendet ſich der
Schah an ſeine Begleiter und fordert ſie auf, nun ihre Ein-
dem vergnügteſten Geſicht um 1000 Franken zu kaufen, was
vielleicht keine 20 wert ift. Denn ein Abhäͤndeln iſt aus:
geſchloſſen. Nachdem jeder ſeine Einkäufe beſorgk, fordert
dex Schah den Kaufmann auf, ihm den genauen Preis der
ſchuß in zwei gleiche Teile geteilt, den einen ſteckt der Schah
ein, den anderen läßt er dem Kaufmann! Dieſen fragt zum
Schluß der Schah:; „Bijft du mit deinem Teilhaber zufrie-
den? Natürlich wird dies inımer bejaht und dann trennen
ſich Schah und Kaufmann, ſehr erfreut über das gemachte
Geſchäft. Die ausgebeuteten Hofleuͤte aber finden bald eine
Gelegenheit, wo die Reihe des Ausbeutens an ſie fommt. H. S.
Der Kaufimanusſtand in früherer Zeif. Noch vor
etwa fünfzig Jahren mußte jedermann, der ſich als Kaufmann
ſelbſtändig machen wollte, die obrigkeitlihHe Genehmigung
nachſuchen und einen Befähigungsnachiveis liefern. Erſt wenn
dieſen Anforderungen genügk worden war, wurde ihm der Cha-
rakter als Kaufmann zugeſprochen und ihm eine Bẽſcheinigung
ausgeſtellt. Die Kopie einer ſolchen Beſcheinigung lautet!
Nachdem der Handlungsgehilfe Louis Steinfeld, geboren
zu Rinteln in der Grafſchaft Schaumburg anı 21. Mai 1815,
die zur glaubhaften Buchführung nötigen Kenntniſſe und den
Beſitz des erforderlichen VBermögens nachgewieſen hat, auch
ſonſt ſeiner Aufnahme in die hieſige Kaufmannſchaft nichts
im Wege ſtehet, ſo iſt die Aufnahıne am heutigen Tage ge-
ſchehen! und wird darüber dem genannten Louis Steinfeld
gegenwärtige Beſcheinigung erteilt, welche von uns, den Vor-
ſtehern der hieſigen Kaufmannſchaft und dem obrigkeitlichen
Deputierten, ausgefertigt, auch vom kurfürſtlichen Sberzunft-
amt beglaubigt worden iſt.
Geſchehen zu Rinteln in Kurheſſen am 20. Oktober 1847.
Der obrigkeitliche Deputierte der Kaufmannſchaft: Dunker.
Die Vorſteher der Kaufmannſchaft: C. Lohmeier, J.H. Kurtz.
Kurfürſtliches Oberzunftamt: Sternberg. Schwaͤbe.
Gebühren:
Für dieſes Formular * AAn LThlr. — Sgr.
Schreibgebühr — — 8
DBeglaudigung n n S
IIIII N
Den VHorftehern . E
DUEMNMO S a A
2— Kaye der KAUMMUNN Na O
IIIIIII D n
Dem Bürgermeifter für die Unterſuchung
vor der Aufnahme — — —
Dem
Neberhaupt 20 Thlr 10 Sar
€ &.
Das Ausſtellungsſchwein. — Cine Neihe von kleinen
Nißgeſchicken führte vor einigen Yahren eine der drolligſten
Verwechslungen herbei, die wohl je auf Ausſtellungen vor-
gekommen ſind.
Frau v. F., die junge Gaͤttin eines ungaͤriſchen Groß-
grundbeſitzers hatte fich mit jenem Eifer auf die Landwirt-
ſchaft geworfen, welchen jung verheiratete Gutsbeſitzersfrauen
gewöhnlich in den erſten Jaͤhren ihrer Che an den Tag zu
legen pflegen. Dazu gehörte auch unter anderem, daß fie
die Aufzucht eines jungen Schweines in ihre eigene Sbhut
nahın. Zu ihrer Freude gedieh Hans ſo haͤtte ſie das
Schwein getauft — ganz vortrefflich und nahur ſichtlich zu
an Umfang und Fett in welcher Hinſicht es ſchließlich daͤs
übrige Borftenvieh des Gutes weit übertraf. Allein ihr SGatte
wollte von ihrer eigenhändigen Schweinezucht nichts wiſſen,
er ſtrafte ihre Bemühungen mit Nichtaͤchtung und würdigte.
den fetten Hans abſichtlich nicht eines Blickes.
Lange Zeit daͤchte Frau v. F. nach, wie ſie die Anerken-
nung ihres Gatten erringen fönne. Endlich bot ſich die ge-
wünſchte Gelegenheit. Sie las in der Zeitung, daß in 3.
eine Maſtviehausſtellung ſtattfinde.! Sogleich war ihr Enl-
ſchluß gefaßt. Sie beauftragte den Inſpektor, ihren Zög-
ling per Bahn zur Ausſtellung zu ſenden! Mit tiefen Ver:
beugungen nahm der Injpektor, ein ſchon bejaͤhrter Mann,
den Befehl entgegen und ließ ſogleich für Hans einen Hoͤlz-
käfig gurechtsimmern. Als er aber die Adreſſe anfertigen
ſollte, fiel es ihm ein, daß er nicht die geringſte Ahnung
habe, in welcher Stadt ſich die Ausſtellung befände. Das
Einfachſte wäre ja gewejen, bei ſeiner Herrin anzufragen,
aber er fürchtete, ſich eine Blöße zu geben, wenn er verriet,
daß er als landwirtfchaftlicher Beamter von der Exiſtenz der
Maſtviehausſtellung nichts wiſſe.
Da erinnerte er ſich noch zur rechten Zeit, von dem In-
ſpektor des Nachbargutes gehört zu hHaben, daß deſſen Herr-
ſchaft zur Ausftellung nach Y. gereift fei. Ohne weitere Skrupel
adreſſierte er nun: „An die Maftviehausftellung in Yı“ Die
fette Sendung langte in dieſem Orte vichtig an. Dort aber
wußte man nichts von einer Maſtviehausſtellung.! Da aber
in ). zur ſelben Zeit eine Vogelausſtellung ſtaltfand, hielt
man es für in der Orduung, dort anzufragen, und es ſtellte
ſich heraus, daß der Reſtaurateur der Ausftellung thatſächlich
ein zu Schweinebraten geeignetes Objekt erwarte, das er be-
ſtellt hatte. Die Sendung wurde daraufhin ihm ausgeliefert,
und er nahm mit Freuden den fetten Braten entgegen.
So geſchah eS, daß Hans den Weg alles Fleifches ging,
während ſeine Beſitzerin von ungeahnten Ehren träumte,
die ihrem Pflegling auf der Ausſtellung zu teil werden würden.
Als Frau v. . aber gar nichts mehr von ihrem Maſtſchwein
hörte verlor ſie die Geduld und ſchrieb eine kurze Karte an
die Direktion der Ausſtellung, folgenden Inhalts: „Wes:
halb erhalte ich keine Nachricht über meinen Hans? Was
hahen Sie mit dem armen Tiere angefangen? Iſt es denn
nicht prämiiert worden?“
Als Frau v. F, die Adreſſe auf das Couvert ſetzen wollte,
kamen ihr Zweifel, ob die Karte auch an die richtige Adreſſe!
gelangen werde, wenn ſie einfach adreſſierte: „An die Maſt-
viehausſtellung zu 3.“ Da fiel ihr ein, daß ja der Inſpektor
die genaue Adreſſe wiſſen müſſe, und ſie ſandte ihm die Karte
zum Adreſſteren! Der Inſpektor beſann ſich nicht lange und
ſchrieb einfach an die Ausſtellung zu Y.. So gelangte auch die
Karte in die Vogelausftellung.
Hier las man die Anfrage mit einiger Verlegenheit.
Die Nachforſchungen ergaben zwar nicht, daß Frau v. F.
rgend ein Objeft zur Ausſtellung geſandt habe, aber immer:
hin war die Buchführung der Ausſtellung nicht in ſolcher
Ordnung, daß mit Beftimumtheit das Einkreffen einer Sen: -
dung in Zweifel gezogen werden konnte.
„Hans,“ ſagte der Direktor der Ausſtellung, „ift ficher
der Name eines Kanarienvogels. Wenn alle anderen Kanarien-
vögel abgeholt ſind, wird der gemeinte wohl übrig bleiben und
kann dann zurückgeſandt werden. Jedenfälls woͤllen wir zur
Beruhigung der Dame eine Antwort ſchreiben.
Die Antwort, welche Frau v. F. erhielt, lautete: „Die
Prämiierungen haben bereits ſtattgefunden, doch konnte Ihr
Hans dabei leider nicht bedacht werden. Das hindert ıms
aber nicht, ſeine Leiſtungen in Ehren anzuerfennen. Cr ſingt
außerordentlich hübſch, und namentlich gelingt ihm der lange
Triller. Auch iſt er hübſch gehalten und gezogen, ſo daß er
wohl eine Zierde jeden Salons ſein dürfte.“
Sehr entrüſtet erwiderte Frau v. F., daß ihr Maſtſchwein
zwar gut gehalten und gezogen ſei, niemals aber gefungen
oder getrillert habe und für einen Salon jedenfalls nicht
paſſe. Sie bitte, ſolche Scherze zu unterlaſſen und verlange
nunmehr ernſtliche Auskunft. >
Eine ganze Zeitlang wurde hin und her geſchrieben, bis
ſich die Geſchichte aufflärte, Frau v. F. war untröftlich über
das wenig ruhmreiche Ende ihres Bfleglings, und feit dieſer
Zeit verlor fie jede Luſt, ſich weiterhin o energiſch in der
Landwirtſchaft zu bethätigen. . —.
Sußoguito. — In ſeinen jüngeren Jahren nahm Fried-
vich der Große ftets an den Karnevalsvergnügungen in
Berlin teil. So beſuchte er auch einft maskierk und ohne
jede Begleitung die Nedoute in OpernhHaufe. Da erblickte
er einen blauen Donmino, der ſich gewandt durch die Menge
drängte und von beſonders großer Geſtalt war. Der König
ging auf ihn zu und fagte: „Halt Er doch einmal! Iſt Er
nicht der Leutnant v. Kapphengſt und ift Cr nicht Adju:
tant beim Prinzen Heinrich in Potsdam?“
Einen Augenblick fuhr der Domino erſchreckt zufammen,
dann faßte er ſich und ſagte in übermütigem Tone: „Ich?
Adjutant? Beim Prinzen Heinrich? Nein, Maste, da ivıft
du dich!“
Friedrich, der ſchon wiederholt ſtrenge Befehle erlaſſen
hatte, daß kein Offizier ohne Erlaubnis ſeine Garniſon ver-
laſſen dürfe, warf dem Domino durch die Maske einen ſtren-
gen Vlick zu und fuhr fort: „CEr hat Potsdam ohne Urlaub
verlaſſen? Dann äſtimiere ich Ihn freilich für keinen Offtzier
mehr, ſondern für einen infämen Deſerteur!“
Dem jungen Mann ſtieg unter der Maske das Blut ins
Geſicht, aber er ließ ſeinen Zorn nicht merken, ſondern flüſterte
der von ihm wohlerkannten Maske zu: „Du beſitzeſt einen
großen Scharfſinn! Freilich habe ich die Ehre, der prinzliche
Adjutant zu ſein, aber ich bin hier im ſtrengſten Ynkognito
und halte den für einen Schuft, der es weiter Jagt!“ Da-
mit verſchwand er unter den Feſtteilnehmern.
Am nächſten Tag hielt Friedrich der Große, dem die
Seiſtesgegenwart des Offiziers gefallen hatte, in Potsdam
Parvade ab. Langſam ritt er an den ehrerbietig grüßenden
Offizieren vorbei, Plötzlich hielt er ſein Pferd an, blickte
mit ſeinen mächtigen Augen einen Offizier an, der die Uni-
form der Adjutanten trug, beugte ſich zu ihm nieder und
flüſterte ihm zu: „Ich ernenne Ihn hiermit zum Hauptmann,
aber ein Schuft ijt, wer es weiter ſagt!“ Dann ritt er lana:
jam weiter und ließ den jungen „Hauptmann“ in der größten
Verlegenheit und Unruhe zurück Cr war avanciert. und
durfte es niemand ſagen! Ein langes Jahr trug er ſein
drückendes Geheimnis mit ſich herum, bis eines Tages wieder
bei der Parade der König zu ihm ſagte: „Na, num kann Er
Sein Inkognito als Leutuant ablegen und ſich auch öffentlich
Hauptmann nennen !” O.
Der Erſinder des Sampencylinders. — Vor etwa einem
Jahrhundert gelangte der Lampenchlinder erſtmals zur An-
wendung, und nur wenigen wird der Name des Erfinders
dieſes einfachen und doch ſo wichtigen Gegenſtandes bekannt
ſein. Die Erſindung wurde von Aimé Argand gemacht,
dem wir auch eine andere Verbeſſerung unſerer Lampen ver-
danken: die Argandbrenner, das heißt die Brenner mit
rundem Docht.
Als Argand eines Abends bei der Lampe arbeitete, ſtülpte
und ihn necken wollte, über die offene Lampenflamme eine
Weinflaſche, von welcher der Boden abgeſchlagen war. Der
ältere Bruder erkannte ſofort, daß die Flamme mit einem-
mal klarer wurde, und ſtellte feſt, daß dies dadurch geſchah,
daß die Flamme ſich mit Hilfe der Umhüllung die zum Bren-
nen notwendige Luft ſelbſt in veichlicherem Maße anſaugt,
als dies ohne Cylinder geſchehen konnte. So war infolge
einer Tändélei der uns jetzt unentbehrlich gewordene Lampen-
cylinder erfunden. € 8
Ein ſonderbarer Bergleid. In einem ſächſiſchen Bolfs- -
kalender für das Jahr 1842 befindet ſich eine Vergleichung
der Größe des Königreichs Sachjen mit der engliſchen Haupt-
ſtadt London. In dieſer Gegenüberſtellung lautet eine Stelle
folgendermaßen: „Läßt man die ganze aus 12000 Mann be-
ſtehende ſächſiſche Armee an ſich vorübermarſchieren, drei
Reiterregimenter, ebenſoviele Infanteriexegimenter, ein Regi-
nient Artillerie u. |. w., ſo hat man erſt die Nachtwächter
von London geſehen.“ . &.