Schmidt, Gustav
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen (Band 14): Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Oschersleben — Halle a. d. S., 1891

Page: 144
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bkds_bd14/0162
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
144

Ivreis Oschersleben.

Hornhausen.
Pfarrkirchdorf, 1785: 1185, 1885: 3321 Einw., mit 5514 M. Acker, 1354 M.
Wiesen, 33 M. Gärten und 24 M. Weiden, 6M. Wasserstücke, 14 M. Holzungen.
Die älteren Namen sind Hurnehusen (1136), Horenhusen (c. 1110), Horne-
husen (1187). Gross- und Klein-H. (magnum; minus, parvum) wird unterschieden
1181 und noch 1311, letzteres wird auch occidentale genannt, als dem StiftS Pauli
in Halberstadt 1136 10 Hufen und 10 Höfe bestätigt werden, die ihm Bischof
Burchard II. geschenkt hatte, und diese 10 Hufen „auf dem Käseberger Felde“
haben Einwohner von H. noch 1552 vom Stifte zu Zins, aber 1702 scheint das
Stift sie nicht mehr besessen zu haben. Die Vogtei über dieses Land hatte Kitter
Werner von Hornhausen bis 1251 vom Bischof zu Lehn und iiberliess sie dann
dem Stifte S. Pauli.
Einen ansehnlichen Besitz hatte in H. das Domcapitel: die sogenannte
Meierei, die Bischof Albrecht auf Lebenszeit überlassen war, dieser aber 1317 dem
Capitel zurückgab, ferner den Zehnten, dessen eine Hälfte 1344 an das Testament
des Domherrn von Freckleben, die andere Hälfte an den Domkellner Ludwig
von Wanzleben verschrieben wurde; aus dem ganzen Besitz, nebst der Stiftung
des letzteren, wurde die Obedienz von Hornhausen gemacht, die 1457 das Capitel
zur Verwaltung und Nutzniessung erhielt. Dieses ehemals domcapitularische Gut
Avurde später als königliche Domäne von Oschersleben aus beAvirthschaftet, die
Aecker sind nachher nach dort übernommen, die Schäfereigebäude an den Grafen
von der Asseburg und von diesem zum Theil Avieder einzeln verkauft. Mit ihm
ist Avohl verbunden, Avas einst der Domprobstei (12 Hufen in Klein-H, D/2 Hufen
und eine Mühle in Gr.-H. 1307) gehörte. Nicht unbedeutend Avaren auch die
Besitzungen des Stifts U. L. Frauen (schon seit 1187). Kloster Huysburg hatte seit
Anfang des 12. Jahrh. einen Hof mit 8 Hufen, die 1730/31 gegen einen Erbenzins
von 20 Thlr. und 10 Thlr. bei BesitzAvechsel ausgethan waren: nach der Auf-
hebung des Klosters 1804 wurde der Hof verkauft und ist jetzt parzellirt. Un-
bedeutend war, Avas die Klöster Gottesgnaden (1257), Ammensleben (1276), Marien-
berg (1296) und S. Nicolai in Halberstadt (1292) hatten.
Die Ministerialen von IL, deren primus gentis Bertram (1162) ist, hatten hier
und in allen umliegenden Dörfern ansehnliches Lehn; der Hauptname in der
Familie war Wachsmuth, Weseke. Nach ihrem Wappen (drei Widderhörner) Avaren
sie mit den Hagen gen. Geist, den Neindorfs in Oschersleben u. a. venvandt. Das
Geschlecht starb mit dem 27jährigen Hans von H auf H. den 1. Mai 1617 aus.—
Ausser diesem Geschleckte Averden die von Bornstedt, die Schenken von Dönstedt
(15. Jahrh.), die von Beyer genannt, die den sogen. Thurmhof hatten, die letzte
des Geschlechts (s. u. Ottleben) verkaufte diesen Hof 1816 an den Grafen von
der Asseburg auf Neindorf, der ihn dismembrirte. 1765 kaufte Graf Achaz Wilhelm
von der Schulenburg vom Pastor Cracau den „alten Hof“, 1767 den Haspel-
macherschen neuen Hof und vereinigte beide; sie kamen nach seinem Tode an
seinen 2. Sohn Karl Werner Achaz, der sie 1818 an den Grafen von der Asseburg
auf Neindorf verkaufte. Auch der sogen, graue Hof soll früher Schulenburgisch
geAvesen sein. — Ein Hof im Orte heisst noch heute der Stephans-Hof und hat
loading ...