Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 25.1907

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fürstlichen Gemahls besaß. Mißtrauisch
betrachteten Edle nnd Bürger die fremde,
andersgläubige Fürstin. Jedes ihrer
Worte wnrde mißdeutet, hinter jeder ihrer
Handlungen suchte man Schlimmes. Wie
oft mag sie sich auch iu jeueu glücklichen
Tagen nach der Hauptstadt der öster-
reichischen Niederlande gesehnt haben, in
der sie unter Gleichgesinnten die frohe
Jugendzeit verlebt hat! Der Bericht des
Tübiuger Kellers fährt fort: „Schon am
2. Juui war aber Sereuissima mit beiden
Prinzen zu Hohentwiel wieder aufgebrochen
uud zurück gereist. Dieselben haben am
4. Juni unterwegs iu Ofterdingen zn
Mittag zu speisen sich vorgenommen und
das nöthige zu veranstalten befohlen. Ob
nun zwar solche Veranstaltung vergeblich
war, indem Serenissima in einem Stück
von Balingen bis Tübingen gefahren ist,
mußte alles nach Ofterdingen geschickte
wieder hieher gebracht werden."

Der älteste Sohn, Karl Eugeu, war
damals noch nicht bei Maria Angnsta.
Ter juuge Prinz Karl Eugen war uäm-
lich nach seiner Geburt der Erziehung
seiner Großmutter, der Fürstin Luise von
Thnru und Taxis, anvertraut wordeu und
in Brüssel, seinem Geburtsort, wo noch
heute im Jesnitenkolleg ein Zimmer
Württemberg heißt, gebliebe». Erst im
Frühjahr 1736 ließ ihn sein Vater durch
deu Oberjägermeister G e y e r v. G ey er s -
berg^) und deu Oberstleutnant und
Flügeladjutauteu v. Mouleou^) nach
Stuttgart holen.

Im Juui 1734 befaud sich Herzog Karl
Alexander uoch im Felde. Baron Schil-
ling v. Cannstatt trägt in sein Tage-
buch eiu: „Am 29. Juni 1734 speise ich
im Lager (bei Bruchsal) bei Ihrer Durch-
laucht dem Herzog vou Württemberg".
Er war mit einer ansehnlichen, wohl-

Christian Heinrich Geyer vonGeyers -
berg, geb. 1697, herzogt, württ. Geh. Rat, Ober-
jägermeister, starb 24. April 1750 in Stuttgart.

2) Johann Baptist cle Nonleon (Nonlion),
sürstlicher Hofmeister, war später vermählt mit
Marie Loyse v. B ü r ck e n w a l d, die ihm
27. Nov. 1740 in Stuttgart eine Tochter Maria
Augusta Charlotte Loysa Friderica Cäeilia gebar.
Es war dieses natürlich ein Patenkind der Her-
zogin Wittwe, in deren Umgebuug früher Frau
v. Monle on gelebt hatte, Herr von Monleon
war als Oberstleutnant im Jnfanterie-Leib-Re-
giment 1734 Kammerherr geworden.

ausgerüstete» Truppenschar unter dem
Oberbefehl feines alteu FreuudeS, Prinz
Eugen von Savoyeu, an den Rhein und
ins Feld gezogen uud führte, als dieser
im Herbst 1734 nach Wien zurückkehrte,
das Oberkommando. Baron Schilling
v. Cannstatt sagt in seinem Tagebuch:
„Den 1. November 1734 verlautete, daß
der Herzog vou Württemberg mit etlichen
20 090 Mann bei Worms über den Rhein
gegangen sei". Maria Augusta mnßte
lange des geliebten Gatten entbehren, den
sie gerade in jenen Tagen mit eiuer Tochter
beschenkt hatte.

Als am 20. Oktober 1734 diese Tochter
der Herzogin in Stuttgart geboren wurde,
wmde auf dieses frohe Ereignis folgendes
Gedickt gemacht:

„()uo6 psriti ^Vu^ustÄM felix/^uAuska
äucissa,

^uo<ä veta4, ^u^usti nomen Irrere.

Ducem? I'^trem?

Nimmt statt der schwartzen Färb den

prächtigeil Zinnober
Uud schreibt zum Segeu au den drcyssig-

sten Oktober,

Der dich, Prinzessin, hat mit Glück zur

Welt gebracht
Uud dem Haus Wirtemberg aus Traureu

Freud gemacht."
Im Dezember besuchte Herzog Karl
Alexander mit seiner Gemahlin die Reichs-
stadt Heilbronn. Im dortigen Nats-
protokoll vom 23. Dezember heißt es:
„Dominus consul in officio (Amtsbürger-
meister Johann Sckübler): es werden
anhente Jhro Durchlaucht die Hertzogiu
Maria Augusta von Würtemberg dahier
ankommen; ab nnd dnrch wen man die-
selbe complimentireu lassen wolle? Lon-
clusum; durch Herrn ('Bürgermeister Wil-
helm Ludwig) Bardili und Herrn
(Rats-) Eonsulenteu (Georg Heinrich)
Geiling". Am 25. Dezember 1734
veranstaltete dann Herzog Karl Alexander
im deutschen Hanse zn Heilbroun eine Hätz
mit eiuem Bären, Wildschwein, Stier
und Esel, ebenso am 29. Dezember. Im
Ratsprotokoll vom 7. Januar 1735 heißt
es: „Dominus consul in officio (Amts-
bürgermeister Bardili): weilen des Herrn
Herzogs zu Württemberg hochfürstliche,
durchlauchtigste Frau Gemahliu das
Schwöreu der Herren nnd Bürgerschafft
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