Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 25.1907

Page: 177
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^ahvM.

Schwäbische Viographien.

I'li. Lclloen. 44. Herzogin Maria
Angnfta von Württemberg.

(Fortsetzung.)

Ans die Ausführungen des Geheimen Rats
Zech erwiderte die Herzogin, daß einesteils die
Kapelle bei den künftigen Exequien des ver-
storbenen Herzogs nach katholischerKirchenart
nicht zu entbehren sei, andernteils es aber
eine blutüble Oekonomie sei, ans eine sehr
kurze und in dem herzoglichen Testamente auf
6 Monate beschränkte Trauerzeit, während
welcher auch die Gottes Ehren gewidmete
Kirchenmusik keineswegs für verboten ge-
halten werden könne, solche Leute abzu-
schaffen, denselben aber, wie leicht zu ver-
mnlen sei, die nötigen Reisegelder reichen
und sie nach so kurzer Zeit mit weit größeren
Kosten wieder hieher beschreiben müsse.
Der Geheime Rat Zech versprach, daß
er hierüber mit dem Administrator sprechen
werde. Uebrigens konnten, wie schon er-
erwähnt wnrde, die nach Herzog Karl
Alexanders Tod 1737 aus der Schweiz
nach Stuttgart geschickten Kapuziner Pater
Candidus von Wenzingen und Pater Fin-
tan von Orsingen sich mit Maria Angnsta,
dem „herrschgewaltigen" Weibe nicht ab-
finden und wurdeu später 1741 schwäbische
Kapuziner au ihre Stelle gesetzt. Die
schwäbischen Kapuziner hatte Maria Augusta
vermutlich schon früher Gelegenheit gehabt,
kennen zn lernen. Im Jahre 1736 be-
suchte wohl gemeinschaftlich mit Maria
Augusta eine Gräfin v. W e l l s p e r g das
Bad Teinach. Auf ihr Ansuchen erteilte
der Geheime Rat ihr das Recht, in ihrem
Zimmer durch einen Kapuziner ans Weil-

derstadt katholischen Gottesdienst halten zu
dürfen.' Mau darf wohl mit Gewißheit
annehmen, daß die Herzogin Maria Augusta
bei ihrer etwaigen Anwesenheit im Bade
Teinach im Jahrel736 auch einmal dem durch
diesen Weilderstädter Kapuziuerpater im
Hause der Gräfin v. Wellsperg abgehalte-
uen Gottesdienste angewohnt hat. Die
Weilderstädter Kapuziner kannte die
Herzogin Maria Augusta vielleicht schon aus
deu Reden des mit ihr bekannt gewordenen
kais. rnss. Generals v. Lascy.

Derselbe hatte, als er im Winter 1734
nnd 1735 in Pforzheim im Winterquar-
tier lag, die Kapuziner von Weilderstadt
berufen und sich dort, einige Monate hin-
durch derselben für deu katholischeu Privat-
gottesdienst als seiner Hauskaplanei bedient.

Trotz all dieser Unannehmlichkeiten und
^ Kämpfe uahm sich Maria Augusta doch
noch Zeit, sich niu die Erziehung ihrer
j Söhne zn kümmern. Am 7. Mai 1737
' schrieb Raab dem Bischof', daß dieselbe
mit dem Hofmeister des Erbprinzen, de
Monleon, nicht ganz zufrieden sei, weil
sie abmerket, daß er uicht allem stark auf
Seiten des Herrn Administrators hange,
sondern auch dem Erbprinzen mehrere Nei-
gung gegeu denselben, als gegen seine leib-
liche Fran Mutter beizubringen beflissen
sei uud überdies sich in alle Regierungs-
und Oekonomiesacheu, welche doch iu seine
Hofmeisters Charge mit nichten einschlagen,
einmische.

Da von Wien nichts erfolgte, wurde
Maria Augusta allmählich ungeduldig. Am
18. Mai 1737 schrieb daher Raab dem
Bischof: „wenn Euer hochfürstlichen Gnaden
eine abermalige, väterliche Erinnerung an
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