Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 25.1907

Page: 33
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Organ für Geschichte, Altertumskunde,

Aunst und Vtultur der Diözese Zkotteuburg und der angrenzenden Gebiete.

herausgegeben und redigiert von Amtsrichter a. D. Beck in Uavensl>urz.

Beiträge, Korrespondenzen ?c,, Nez e n s i o n s - E remp la re, Tauschzeitschristeu zc. «vollen
stets direkt an Amtsrichter a. D. Beck in Ravensburg, Bestellungen und Reklamationen an
die Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, Urbanstrasze 94, gerichtet werden.

Z.

W07.

Erscheint monatlich einmal nnd ist halbjährlich durch die P o sl zum Preis Uon
M. l,90 ohne Bestellgebühr; durch alle Buchhandlungen sowie gegen Einsen-
dung des Betrages direkt Vvu der Expedition um M, 2,l0 (antzerhalb des
deutsch-ösierr. Postgebietes M. 2.20> zu beziehen; einzelne Nummern 40 Pf. An-
noncen :c,, welche der Richtung dieser Zeitschrift nicht zuwiderlaufen, werden von
der Expedition entgegengenommen und pro Petitzeile oder deren Sianm mit 15 Pf.,
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iahvM.

11t. Lcttoen. ^ur Pioserizscheu Ver-
schwörung.

(Nach gütigst zur Beifügung gestellten
Aufzeichnungen im Privatbesitz.)

(Schluß.)

Dann sollten nm Mitternacht die
beiden Jnfamerieregimenter in Ludwigs-
burg durch Unteroffiziere aus den Ka-
sernen geführt werden, eine Stellung außer-
halb der Stadt einnehmen, die Tore durch
Abteilungen besetzen, die Straße nach Stutt-
gart abschneiden, das eine Reiterregiment
in den Ausstand mit fortreißen, das andere
durch Anzüudung seiner Kaserne befchäf-
tigeu, um in dieser Position der Ankunft
der Bauern entgegenzusehen. Die herbei-
eilenden Ossiziere sollten erschossen, der
Gouverneur Freiherr v. Hügel von der
Schloßwache aus gefangen genommen werden.
(Nach mündlichen Erzählungen des 1' Hoheit
zollernforfchers Prof. vr. Lndwig Schmid
in Tübingen, der bei den Kindern des Frei-
herrn v. Hügel Erzieher war, wollte
Koseriz sich beim Gouverneur melden
nnd ihn dann erstechen.)

Nach Ankunft der Baueru wollte Ko-
seriz zu den Toren hereinbrechen, das
Arsenal nehmen, mit seinem Inhalt die
Baueru bewaffnen, nach Stuttgart mar-
schieren, um sich, da die dortigen Unter-
offiziere ebenfalls gewonnen sein würden,
der Person König Wilhelms I. zu be-
mächtigen. Diesen Plan hatte Koseriz
nur wenigen seiner Genossen bruchstück-
weise mitgeteilt. Es war der Plan eines
Wahnsinnigen, von A bis Z auf Lügen
aufgebaut.

Die Zahl der mitwirkenden Unteroffi

ziere ist in dem Plan aus einige 100 be-
rechnet, während Lehr dem K o feriz nnr
von 60 berichtete, die er gewonnen hatte.
Die Unteroffiziere der Stuttgarter Gar-
nison waren nicht gewonnen.

Was die Ankunft nnd Bewaffnung der
Bauern betrifft, so hatte die Verschwörung
zu keiner Zeit über größere Streitkräfte
an Bauern zn verfügen, als die von
Hardegg gewonnenen Friedrich Hipp
und Kaspar Uuz, ferner den Gutsbesitzer
Gottlieb Friedrich Fieß von Hemmingen.

Es mnß sehr auffallen, daß die Polizei
infolge des vielfachen Besuchs der Frank-
furter Verschwörer in Ludwigsburg und
ihres Verkehrs mit Koseriz Verdacht ge-
schöpft hat.

Am 7. Mai wurde in Stuttgart der
Lithograph Theodor Malte von da ver-
haftet, am 17. eiu anderer, der Gärtner
Eduard Schmid liu vou da, am l. Juni
zwei weitere, der Maler Friedr. Ludwig
Groß und Gürtler Dorn und am
7. Juni Koseriz selbst verhaftet.

In Tübingen hielt noch am 6. Juni
die Burschenschaft ein Fest zur Erinnerung
der Pariser Jnnischlacht ab. Eiu Stein,
der an des Kanzlers Hans von unbe-
kannter Seite unter dem Zug der heim-
kehrenden Studeuten geworfen wurde, gab
zu Mißverständnissen, Polizeineckereien
uud einem Krawall Anlaß, dem einige
Laternen und Fenster zum Opfer sielen.
An dem Fest halten übrigens auch Bürger
teilgenommen. Es wurde daher eiu Ba-
taillon Infanterie, 400 Maun stark, nach
Tübingen geschickt und bei den Bürgern
einquartiert und die Verbindungen neuer-
dings verboten, sämtliche aktiven Mit-
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