Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 25.1907

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Schwäbische Biographien.

Id. Lcdoen. 44. Herzogin Maria

Augusta von Württemberg.

(Fortsetzung.)

Anch Karl Alexander hatte im Jahre
1736 einen Gast zu bewirten. Am Ende
des Jahres 1736 kam der Fürstbischof
von Bamberg und Würzbnrg, Graf
Friedrich Karl v. Schönborn, an den
herzoglichen Hof in Begleitung seiner
beiden Räte, Fichtel und Raab, welche
schon früher mehrfach in Stuttgart und
Ludwigsburg gewesen waren. Den Rat
Raab machte der Herzog zum Geheimen
Rat. Mit dem Bischof war Herzog Karl
Alexander schon lange befreundet nnd war
daher der Besuch desselben am württem-
bergischen Hofe nichts Auffallendes, zu-
mal der Herzog mit demselben manches
zu besprechen hatte. Daß sich an diesen
Besuch mancherlei unkontrollierbare Ge-
rüchte angeknüpft haben, steht allerdings
fest. Der Hauptzweck des Besuches war
aber jedenfalls sicher nnr eine Besprechung
des Herzogs mit dem Bischof wegen der
Erziehung seiner heranwachsenden Söhne.
Die schwere, verantwortliche Aufgabe,
eineu Erziehungsplan für dieselben zu
entwerfen, wollte der Herzog nicht ohne
Beirat des Bischofs vornehmen. Dieses
erklärt genügend für deu unbefangenen
Beurteiler den Besuch des Bischofs in
Stuttgart, zumal das Resultat der Be-
sprechung alsbald zu Tage trat.

Am 3. Dezember 1736 bestimmte Herzog
Karl Alcxander in einer Instruktion wegen
der Zucht seiner Söhne, daß diese von
6^2 bis 71/2 Uhr abends ihren Eltern
und Verwandten aufwarten sollten. So
sah doch Maria Augusta wenigstens eine
Stunde täglich ihre Söhne. In einem
am 7. März 1737 von Herzog Karl
Alexander errichteten Testament wurde die
Obervormundschaft und die Landesadmi-
nistration neben dem Herzog Karl Rudolf
von Württemberg - Neuenstadt als nächstem
Agnaten der Herzogin-Witwe übertragen
und dieser der Bischof von Bamberg und
Würzburg mit vieler Gewalt au die Seite
gestellt. So schien denn für die Zukuust
der ehrgeizigen Maria Augusta eine große
Machtstellung bevorzustehen.

Fast zwei Jahrhunderte hindurch waren

in dem streng protestantischen Herzogtum
Württemberg alle Karnevalsfeste und der-
gleichen als eine Fortsetzung der heid-
nischen Saturnalien verboten gewesen.
Das wnrde unter Karl Alexander und
seiner lebensfrohen Gemahlin anders.
Schon im Jahre 1735 gebot Herzog Karl
Alexander, daß jeder Kanzleiverwandte
mit seinen erwachsenen Töchtern bei Strafe
einer Vierteljahrsbesoldung auf die Re-
doute kommeu sollte. Auch im Jahre 1736
wurde ein großer Maskenball veranstaltet.
Im Jahre 1737 fand sogar eine neun
Tage, vom 26. Februar bis 6. März,
dauernde Redonte statt, zu der die Teil-
uehmer in Scharen, wie man sah, anch
aus Baden, herbeiströmten. Sie bot
freilich auch Abwechslung in Hülle und
Fülle und überraschte dnrch den Prunk
der Ausstattung und die Vielseitigkeit der
dargebotenen Genüsse. An den großen
Ballsaal des Lusthauses schloffen sich kühle
Räume, die zu duftigen Gärteu umgestaltet
wareu, und ganz zuletzt gelangte man in
ein Gemach, in dem sich Glasschränke mit
den schönsten Schmucksachen befanden,
wovon jede Dame sich ein Stück ab-
wählen durste. Mit deu Bällen waren
Glücksspiele uud Lotterien verbnnden. Nie-
mand durfte indessen unmaskiert nnd un-
verkleidet bei dem Fest erscheinen. Das
Privilegium der ausschließlichen Anferti-
gung und Lieferung sämtlicher Masken,
Dominos und Maskenkleider war dem
Finanzrat Joseph Süß - Op p e nh ei m e r
verliehen. Der Hos war, wie später am
16. März 1737 der würzbnrgische Ren-
dant Raab schrieb, in die Fastnachtslnst-
barkeiten ganz vertieft. Anch wmde die
Oper Adriano in Siria von Pietro Me-
tastasio in diesem Jahre in Stuttgart ge-
spielt.

Am 11. März 1737 reiste Herzog Karl
Alexander uach zwei trotz der geschlossenen
Zeit zu Ehren eines Reichsgrafen v. Palffy
abgehaltenen Karnevalstagen unter Znvück-
lassnng seiner Gemahlin in Stnttgartmit ganz
kleiner Suite uach Ludwigsbnrg ab, um dort
besser den Geschäften abwarten zn können.
Dienstag den 12. März, abends gegen
10 Uhr, überfiel den Herzog, nachdem er
sich den ganzen Tag hindnrch wohl und
gesund gefühlt hatte und bis nach 8 Uhr
„unter einer kleinen Cammer Mnsik ge-
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